Auch wenn viele Handmade-Gründer allein in ihrer Werkstatt arbeiten, so gibt es dennoch zahlreiche mögliche Ablenkungen. Insbesondere die digitalen Medien können das konzentrierte Arbeiten beeinflussen, es ist schwer das „Bling“ des Handys oder eine eintreffende Nachricht zu ignorieren, der Blick wandert immer wieder gerne zum offenen Facebook-Tab im Browser…

Wie kurz effizientes Arbeiten unter ständiger Ablenkung nur möglich ist, haben Wissenschaftler der University of California 2005 in einer Studie aufgezeigt.1 Demnach konnten die beobachteten Arbeitnehmer in Durchschnitt nur 11 Minuten konzentriert an einer Aufgabe arbeiten, bevor sie abgelenkt wurden. Nach der Unterbrechung brauchten sie durchschnittlich 8 Minuten, um sich wieder zu fokussieren. Diese Studie wurde in einem größeren Unternehmen durchgeführt, wo die Büromitarbeiter zusammen mit Kollegen am Arbeitsplatz tätig sind. Da die meisten Handmade-Gründer alleine arbeiten, sind die Ergebnisse nur bedingt auf die Handmade-Branche zu übertragen. Es wird jedoch deutlich, wie sehr Ablenkungen den Arbeitsablauf beeinflussen.
Doch sollten deshalb Mailprogramm, Facebook oder das Handy abgeschaltet sein, um konzentriert arbeiten zu können? Das ist nicht immer ganz einfach, denn schließlich kommen über diese Kanäle auch Bestellungen, Kundenanfragen und andere wichtige Nachrichten, die zeitnah beantwortet sein wollen. Manchmal erhält man sogar noch Änderungswünsche eines Kunden, während man schon den entsprechenden Auftrag fertigt. Ein Beispiel aus meinem Arbeitsalltag: Wenn ich „leime“ überprüfe ich ganz zum Schluss nochmal die aktuellen Zahlungseingänge. Wenn dann noch eine Zahlung hinzugekommen ist, kann ich den entsprechenden Auftrag noch fertigen und wasche erst danach die Pinsel aus. Würde ich es nicht so handhaben, müsste der Kunde entweder länger auf seine Bestellung warten oder ich müsste den Arbeitsplatz ein zweites Mal am Tag säubern. Nur so kann ich eine zeitnahe Lieferung in Kombination mit einem effizienten Arbeits-Workflow garantieren.
Ich löse das Dilemma zwischen Ablenkung und notwendiger Erreichbarkeit folgendermaßen: Während ich arbeite sind die entsprechenden Kommunikationskanäle geöffnet und ich werfe ab und an einen Blick auf den Bildschirm. Ist es eine relevante Nachricht, so wird sie kurz gelesen und je nach Bedeutung entschieden, ob gleich oder später geantwortet wird. Für die aktuelle Arbeit irrelevante Nachrichten werden zunächst ignoriert und für später zurückgestellt.
Meiner Erfahrung nach lässt man sich vor allem bei unliebsamen Aufgaben schnell ablenken. Bei diesen Arbeiten, die zumeist auch nicht sooo lange dauern, verabschiede ich mich auch komplett aus der digitalen Welt. So kann ich konzentriert die leidige Aufgabe erledigen und mich schneller wieder bevorzugten Arbeiten zuwenden. Tätigkeiten, die man gerne macht laden nicht so schnell zur Ablenkung ein.

1 Vgl. Mark, No Task Left Behind? Examining the Nature of Fragmented Work 2005.

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