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Theresa

Umgang mit Rabattanfragen

Workflow By Dezember 7, 2016 Tags: , , No Comments

Ich wurde heute zum wiederholten Male auf einen Rabatt angesprochen – die meisten von euch kennen es auch. Manchmal finde ich eine Rabattanfrage gerechtfertigt und manchmal gebe ich auch Rabatt. Bei Handmade-Produkten ist der Umgang mit Rabatten jedoch etwas anders als bei Industrieprodukten. Sie sind häufig knapp kalkuliert und die Kosten sinken nicht bei einer höheren Absatzzahl, wie es hingegen bei industriell gefertigten Produkten der Fall ist. Ich denke, dass von einigen Kunden häufig der Grundgedanke der Handmade-Produktion nicht verstanden wird. Vielen Kunden ist nicht bewusst, dass unsere Produkte handmade – also handgemacht – sind. Früher habe ich mich über solche Anfragen etwas geärgert, da ich das Gefühl hatte, dass meine Handmade-Arbeit nicht gewürdigt wird. Heute erkläre ich den Kunden gerne meine Preispolitik und weise auf die Produktion in Handarbeit hin.

Die heutige Rabattanfrage ergab sich daraus, dass die Kundin mir ihren eigenen Stoff zusendet und auf Grund dieser Materialersparnis nach einem Rabatt fragte. Zur Erklärung: Es handelt sich bei dem Produkt um ein Stammbuch, der Stoffanteil ist dabei sehr gering.

Dies war meine Antwort, welche ihr gerne bei ähnlichen Rabattanfragen verwenden dürft:

Einen Rabatt kann ich dir leider nicht anbieten, ich erläutere dir aber gerne meine Gründe:
Die Materialersparnis durch die Verwendung deines Stoffes ist nur sehr gering. Generell machen die Materialkosten bei Handmade-Produkten häufig nur einen geringen Anteil am Produkt aus, der Hauptteil sind zumeist die Produktionskosten. Alle meine Produkte sind handwerklich hergestellt und dementsprechend ist die Fertigung sehr zeitintensiv. Eine Sonderanfertigung wie bei dir ist noch zeitintensiver und folglich kostenintensiver für mich. Andere Verkäufer nehmen für Sonderanfertigungen einen höheren Preis, ich habe mich jedoch dagegen entschieden, da Individualisierungen/Sonderwünsche für mich zum Service gehören und den besonderen Reiz meiner Produkte ausmachen. Daher hoffe ich, du kannst meine Entscheidung verstehen.

Ich habe bei vergangenen Anfragen schon ähnliche Antworten gegeben und das Feedback seitens der Kunden war durchweg positiv. Oft wurde ich in meiner Vermutung bestätigt, dass vielen Kunden gar nicht bewusst ist, dass es sich um Handmade-Produkte handelt. Ich sehe das als Kompliment an die perfekte Ausarbeitung meiner Produkte 🙂

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„Keine Rechtsberatung“

Basiswissen By November 23, 2016 Tags: , , No Comments

Informiert man sich in Foren über gründungsrelevante Themen, liest man immer wieder die Formulierung „keine Rechtsberatung“. Der Verfasser möchte mit diesem Hinweis deutlich machen, dass er nicht dazu berechtigt ist, Rechtsberatung zu erteilen und unterstreicht dies damit. Doch was genau hat es mit diesem Hinweis auf sich?

Laut § 2 RDG ist eine Rechtsdienstleistung „jede Tätigkeit in konkreten fremden Angelegenheiten, sobald sie eine rechtliche Prüfung des Einzelfalls erfordert“. Ein Beispiel: Schildert ein Ratsuchender in einem Forum ein eigenes rechtliches Problem und erhält er einen konkreten Rat als Antwort, z.B. in Form einer Handlungsanweisung, so wäre dies eine unerlaubte Rechtsberatung. Wo jedoch die Grenze zwischen Meinungsaustausch, persönlichen Erfahrungen, abstrakten Diskussionen und einer konkreten Rechtsberatung liegt, ist im Gesetz nicht eindeutig geregelt und käme im Fall eines Rechtstreits wiederum auf die Einzelfallprüfung an. Die einzige (mir) bekannte Klage diesbezüglich ist von 2013 und richtet sich an den Betreiber des Forums Initiative AW3P Steffen Heintsch, welcher in seinem Forum konkrete Antworten auf Verjährungsfragen bei Abmahnungen erteilt hat.1 Dies wurde vom KG Berlin als eine nicht erlaubte Rechtsdienstleistung eingestuft.
Die Formulierung „keine Rechtsberatung“ im Fall einer tatsächlich erfolgten Rechtsberatung hätte juristisch jedoch keinerlei Einfluss. Sollte ein Beitrag einer Rechtsdienstleistung gemäß Gesetz entsprechen, so würde sich dieser Fakt durch den negierenden Hinweis nicht ändern. Ähnlich dem angestrebten Haftungsausschluss in Form eines Disclaimers, ist diese Anmerkung also zwecklos.
Gehört eine gewisse Rechtsberatung als Nebenleistung zum Berufsbild, so darf diese gemäß § 5   RDG ausgeführt werden. Als Beispiel kann hier eine Auskunft über die Anbieterkennzeichnung durch einen Webdesigner genannt werden.

1 Vgl. Heintsch, Termin 20.05.2014, KG Berlin, Az. 5 U 145/13, Heintsch ./. Schulenberg und Schenk 2014 [Letzter Zugriff: 21.11.2016].

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Gewerbe in der Mietwohnung

Basiswissen By November 16, 2016 Tags: , , No Comments

Grundstücke werden nach Art der baulichen Nutzung in der Baunutzungsverordnung unter anderem in reine Wohngebiete, allgemeine Wohngebiete und Mischgebiete unterschieden.1 Die Bebauungspläne des entsprechenden Gebietes sind bei der zuständigen Gemeinde einsehbar. In reinen Wohngebieten ist die Ausübung eines Gewerbes nur in wenigen Ausnahmefällen gestattet, nämlich wenn sie der „Deckung des täglichen Bedarfs für die Bewohner des Gebiets dienen“.2 Freiberufliche Tätigkeiten sind ebenfalls in reinen Wohngebieten erlaubt.3 Da in Einzelfällen weitere Ausnahmen möglich sind, empfiehlt es sich beim örtlichen Bauamt nachzufragen. In allgemeinen Wohngebieten und in Mischgebieten sind Gewerbebetriebe zulässig, solange sie das Wohnen nicht wesentlich stören.4
Die teilgewerbliche Nutzung einer Wohnung sollte mit dem Vermieter abgesprochen und schriftlich festgehalten werden. Sobald das betriebene Gewerbe nach außen in Erscheinung tritt (z.B. Angabe der Anschrift im Impressum, Firmenname am Briefkasten, laute Maschinen), Kunden in der Wohnung empfangen werden oder Mitarbeiter vor Ort beschäftigt werden, muss der Vermieter dies nicht ohne entsprechende Einigung tolerieren. Laut Urteil des Bundesgerichtshofs von 2009 kann „der Vermieter […] jedoch im Einzelfall nach Treu und Glauben verpflichtet sein, eine Erlaubnis zur teilgewerblichen Nutzung zu erteilen. Sie wird insbesondere dann in Betracht kommen, wenn es sich nur um eine Tätigkeit ohne Mitarbeiter und ohne ins Gewicht fallenden Kundenverkehr handelt.“5  In Berlin ist außerdem zu beachten: Werden mehr als 50 % der Wohnung zu gewerblichen Zwecken genutzt, so muss dies vom jeweiligen Bezirksamt genehmigt werden. Dies gilt nicht, wenn das Gewerbe bereits vor dem 01.05.2014 im jeweiligen Wohnraum ausgeübt wurde.6

1 Vgl. §  §1 – 6 BauNVO.
2 Vgl. § 3 Abs. 3 BauNVO.
3 Vgl. § 13 BauNVO.
4 Vgl. § 4 Abs. 3 und § 6 Abs. 1 BauNVO.
5 Vgl. BGH, Urteil vom 14.07.2009, Az. VIII ZR 165/08.
6 Vgl. § § 1 und 2 Zweckentfremdungsverbot-Gesetz.

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Gewerbe, Freiberufler oder Künstler?

Erste Schritte By November 9, 2016 Tags: , , , , No Comments

Vor einigen Monaten haben wir uns mit der Frage beschäftigt, wann der Verkauf privat oder gewerblich ist. Erfolgt die Einordnung als Unternehmer, kann weiterhin zwischen Gewerbe, Freiberufler und Künstler unterschieden werden. Wonach diese Klassifizierung erfolgt und welche Folgen daraus entstehen, wird in diesem Beitrag behandelt.

Zum Basiswissen gehört die Kunde über die Art der eigenen Selbstständigkeit. Laut Einkommenssteuergesetz wird in gewerbliche und freiberufliche Tätigkeit unterschieden. Für die Klassifizierung als Gewerbebetrieb gelten folgende Kriterien: Selbstständigkeit, Nachhaltigkeit, Gewinnerzielungsabsicht, Beteiligung am allgemeinen wirtschaftlichen Verkehr sowie keine Land- und Forstwirtschaft.1 Für eine freiberufliche Tätigkeit gelten die gleichen Kriterien, es kommt jedoch noch ein entscheidendes Merkmal hinzu: Eine freiberufliche Tätigkeit ist nur gegeben, wenn eine höhere, für diesen Beruf benötigte Ausbildung (meist Universitäts- oder Hochschulabschluss), erfolgt ist. Im Gesetz werden einige Berufe, wie bspw. Arzt, Ingenieur, Steuerberater sowie Journalist, eindeutig als freiberufliche Tätigkeit ausgeschrieben.2 Falls die Einordnung nicht eindeutig erfolgen kann, hat das zuständige Finanzamt die Entscheidungsgewalt darüber.3 Entscheidend ist diese Grenzsetzung bereits bei der formalen Gründung. Die Eintragung des Gewerbes erfolgt beim Gewerbeamt in Form einer Gewerbeanmeldung, die Meldung der freiberuflichen Tätigkeit geschieht beim Finanzamt (auch formlos möglich). Die Einordnung als Freiberufler ist für viele Selbstständige erstrebenswert, da dies einige Vorteile mit sich bringt: Keine Gewerbesteuer, einfache Buchhaltung via Einnahmen-Überschussrechnung (EÜR), Ist-Besteuerung, keine Gewerbeanmeldung sowie keine Pflichtmitgliedschaft in Industrie- und Handelskammer (IHK) oder Handwerkskammer, welche wiederum Kosten mit sich bringen würde.4 Für Gewerbetreibende besteht hingegen eine gesetzliche Pflicht zur Mitgliedschaft.5

Weiterhin kann die Abgrenzung einer künstlerischen Tätigkeit erfolgen. Diese zählt zu den freiberuflichen Tätigkeiten, es ist jedoch kein höherer Abschluss vonnöten, die Werke müssen indessen eine gewisse Gestaltungshöhe aufweisen.6 Diese Einordnung hat sozialrechtliche Konsequenzen, Künstler können Mitglied in der Künstlersozialkasse (KSK) werden. Mitglieder der KSK zahlen für ihren Versicherungsschutz, ähnlich angestellten Arbeitnehmern, nur ungefähr die Hälfte des Beitrages, die andere Hälfte wird staatlich sowie über die Künstlersozialabgabe der Unternehmen finanziert.7 Da alle anderen Selbstständigen als freiwillig Versicherte den vollen Beitragssatz bezahlen müssen,8 wird die Mitgliedschaft von vielen Selbstständigen angestrebt, obwohl sie nicht als Künstler einzuordnen sind.
Diese grundsätzliche Klassifizierung ist für die Gründungsformalitäten entscheidend. Je nach Einordnung muss die Selbstständigkeit auf dem Gewerbeamt oder dem Finanzamt und ggf. bei der IHK oder der Handwerkskammer gemeldet werden. Künstler müssen sich zusätzlich bei der KSK melden, alle anderen sind gesetzlich verpflichtet die Aufnahme der Selbstständigkeit bei ihrer Krankenkasse angeben.
Projeziert man diese Klassifizierung auf die Handmade-Branche, so lässt sich feststellen, dass der Großteil der Handmade-Verkäufer als Gewerbetreibende eingeordnet werden kann. Ausnahmen bilden hierbei z.B. Grafikdesigner und Webdesigner, die in Auftragsarbeit individuelle Designs erstellen, diese sind als Freiberufler einzuordnen. Designer, die jedoch Produkte, wie bspw. Postkarten oder andere Papeterie-Produkte in Serie verkaufen, wären wiederum als Gewerbetreibende zu kategorisieren. Sind die verkauften Produkte Einzelstücke und weisen eine gewisse Gestaltungshöhe auf, gehören die Erschaffenden zu dem Berufszweig der Künstler. Um dies zu veranschaulichen habe ich eine Grafik für euch erstellt:

gewerbe_freiberufler

1 Vgl. § 15 EStG.
2 Vgl. § 18 EStG.
3 Vgl. IHK Berlin (Hrsg.), Abgrenzung Gewerbe und Freier Beruf 2016, S. 2 [Letzter Zugriff: 08.11.2016].
4 Vgl. Gründerlexikon (Hrsg.), Neugründung – freiberuflich oder gewerblich selbständig? [Letzter Zugriff: 08.11.2016].
5 Vgl. Chromow, Zwangsmitgliedschaft in IHK und Handwerkskammer: Wer muss mit welchen Beiträgen rechnen? 2015 [Letzter Zugriff: 08.11.2016].
6 Vgl. IHK Berlin (Hrsg.), Abgrenzung Gewerbe und Freier Beruf 2016, S. 4 [Letzter Zugriff: 08.11.2016].
7 Vgl. Künstlersozialkasse (Hrsg.), Umfang des Versicherungsschutzes o.J.
8 Es sei denn, es trifft ein anderer Sonderfall wie die Familienversicherung oder studentische Versicherung auf sie zu.

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Rechtstexte bei neuen Vertriebskanälen

E-Commerce By November 2, 2016 Tags: , , , No Comments

Ein neuer Internetauftritt birgt immer wieder das Erfordernis alle notwendigen Rechtstexte rechtskonform einzubetten. Dies ist nicht nur bei der Gründung der Fall, sondern auch im laufenden Geschäftsbetrieb. Ich nutze aktuell ganz neu Handmade at Amazon, weshalb dieses Thema für mich gerade eine sehr hohe Relevanz aufweist und ich mich intensiv damit beschäftige.

Möchte man als Gründer einen weiteren Online-Auftritt als neuen Vertriebskanal hinzunehmen, müssen wieder zahlreiche rechtliche Vorschriften beachtet werden. Auch wenn man diesen Schritt in der Vergangenheit schon mehrfach begangen hat, so liegt es zumeist doch schon einige Zeit zurück und die Details können in Vergessenheit geraten sein. Jeder Internetauftritt ist individuell und nicht bei jeder Plattform wird man beim Anlegen eines Verkäuferkontos bzw. Shopauftritts transparent auf die erforderlichen Informationen hingewiesen. Bei Amazon gibt es bspw. kein eigenes Eingabefeld für die AGB, diese können dort unter „Impressum & Info zum Verkäufer“ hinterlegt werden. Zudem gibt es immer wieder neue Vorschriften, die es zu beachten gibt. So ist bspw. seit 24.02.2016 die Datenschutzerklärung Pflicht,1 ebenso wie Hinweis und Verlinkung auf die Online-Streitbeilegungsplattform seit 09.01.2016.2
Um allen Erfordernissen gerecht zu werden, habe ich mir eine Checkliste angelegt, welche ich für jeden neuen Online-Auftritt verwende und je nach Rechtsprechung aktualisiere [Diese kann am Ende des Beitrags kostenfrei als PDF heruntergeladen werden]. Das Impressum muss bei jeder Online-Präsenz hinterlegt werden, sobald man dort mit seinem Unternehmen auftritt. Dies gilt zum Beispiel auch für alle Social-Media-Kanäle wie Facebook, Instagram, Twitter, Pinterest und Youtube. Auf Plattformen auf denen zusätzlich die Möglichkeit zum Verkauf besteht, müssen folgende Informationen zusätzlich hinterlegt werden: Widerrufsbelehrung & Widerrufsformular, AGB, Kundeninformationen, Datenschutz sowie Hinweis und Verlinkung der Online-Streitbeilegungsplattform.

Bei einer bestehenden Umsatzsteuerpflicht sollte zudem die USt-ID im Konto hinterlegt sein, damit evtl. anfallende USt. auf die Provision vom Plattformbetreiber nicht in Rechnung gestellt wird (z.B. bei Etsy und Amazon).

checkliste_neueronlineauftritt

Checkliste neuer Online-Auftritt als PDF

1 Vgl. ERecht24 (Hrsg.), Neues Gesetz: Fehlende Datenschutzerklärung auf Webseiten kann ab sofort abgemahnt werden [Letzter Zugriff: 27.10.2016].
2 Vgl. IHK Würzburg-Schweinfurt (Hrsg.), Online-Händler müssen ab dem 09.01.2016 neue Informationspflichten beachten [Letzter Zugriff: 27.10.2016].

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Lizenzstoffe

Basiswissen By Oktober 26, 2016 Tags: , , , No Comments

Vor einigen Wochen habe ich mich mit dem Urheberrecht beschäftigt und das Thema der Lizenzstoffe schon kurz angeschnitten, in diesem Beitrag möchte ich noch ein paar Details erläutern.

Bekannte Motive wie bspw. Micky Maus oder Bambi sind urheberrechtlich und markenrechtlich geschützt und dürfen daher nicht ohne entsprechende Lizenz gewerblich weiterverarbeitet werden.1  Der Markenschutz der Motive bezieht sich nicht nur auf Stoffe, auch Geschenkpapier, Postkarten, Servietten, selbst ausgedruckte Bilder etc. unterliegen diesem Schutz. Nachgezeichnete Motive, unabhängig davon ob Änderungen vorgenommen wurden, sind ebenfalls geschützt. Als Richtlinie dient hierbei, ob das Lizenzmotiv in der veränderten Zeichnung zu erkennen ist. Nicht jede Maus, die auf zwei Beinen läuft ist daher abmahngefährdet. Wenn sie jedoch sehr große Ohren hat und eine rote Hose trägt, erinnert sie stark an Micky Maus und fällt daher wieder unter das Schutzrecht. Gleichermaßen sollten fremde Markennamen nicht in der Produktbeschreibung erwähnt werden (z.B. sollte ein Produkt mit dem Motiv einer „normalen“ Maus nicht mit dem Begriff Micky Maus betitelt werden), dies gilt ebenfalls für orthografisch veränderte Worte (z.B. Nicky Naus, Miiiicki Maus). Zusammengefasst: Sobald es sich um ein Lizenzmotiv handelt, darf es ohne Lizenz in keiner Form gewerblich genutzt werden. Stoffe, die keine konkreten Bildmotive abbilden, sondern Muster, können ebenfalls geschützt sein. Hierbei greift das Urheberrechtsgesetz und das Designgesetz.
Bei einigen Motiven ist die gewerbliche Nutzung jedoch in geringem Umfang gestattet (z.B. Verkauf von maximal 10 genähten Kleidungsstücken). Um welche Motive es sich dabei konkret handelt, muss individuell beim Lizenzgeber angefragt werden. Andre vom Blog Rund ums Nähen hat bei einer Reihe von Lizenzgebern nachgefragt und eine entsprechende Liste zusammengestellt, dabei wird ebenfalls die Veröffentlichung von Bildern auf Facebook, Blog und bei eBooks erfasst.2 In einschlägigen Foren findet man weitere Listen und Erfahrungsberichte von anderen Handmade-Gründern, die bei diversen Lizenzgebern nachgefragt haben. Diese Angaben sollten jedoch nur als Richtlinie gelten, rechtssicher könnt ihr nur handeln, wenn beim Lizenzgeber individuell angefragt wird und ihr selbst eine schriftliche Aussage vorweisen könnt. Zu einigen Designern können jedoch auch konkrete Aussagen im Internet gefunden werden. Das Label Hamburger Liebe gibt auf dem hauseigenen Blog bspw. den Nutzungshinweis: „Alle meine Stoffe und Bänder dürfen gern zur Fertigung von Kleinserien und selbstgemachten Einzelstücken verwendet werden, die zum Verkauf bestimmt sind!“3

1 Vgl. §§ 15ff. UrhG. und § 14 MarkenG.
2 Vgl. Oestreich, Andre (2016), Lizenzstoffe: Welche Motive darf ich verwenden? [Letzter Zugriff: 20.10.2016].
3 Vgl. Firmenich, Susanne (2015), Stoffe Fabrics [Letzter Zugriff: 20.10.2016].

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Der Gründungsbegriff

Handmade-Branche By Oktober 19, 2016 Tags: , , No Comments

Das Gebiet der Gründung ist ein eigener Forschungszweig und es gibt vielfältige Ansätze, welche die Problematik auf unterschiedlichste Art durchleuchten. Da der Handmade / Crafting – Bereich noch relativ jung ist, gibt es in diesem Gebiet weniger Untersuchungen. Daher habe ich mich mit dem Thema beschäftigt.

Als Gründung bezeichnet man „die Errichtung eines arbeitsfähigen, erwerbswirtschaftlichen Betriebs“.1 Bei einer Unternehmensgründung wird in originäre Gründung und aufbauende Gründung unterschieden.2 Die originäre Gründung ist eine klassische Existenzgründung, hierbei wird ein Unternehmen vollständig neu entwickelt und erschafft. Von jener Art Gründung handelt dieser Blog. Eine aufbauende oder derivative Gründung geht hingegen immer aus einem bestehenden Unternehmen hervor, bspw. als Abspaltung, Betriebsübernahme oder Franchise-Gründung. Die aufbauende Gründung soll nicht Gegenstand dieses Blogs sein.
Eine Gründung erfolgt nicht zu einem Zeitpunkt, sondern umfasst einen Prozess und somit eine zeitliche Phase, deren Länge stark variabel ist. Die formale Gründung erfolgt durch die Gewerbeanmeldung.3 Für die Phasen der Unternehmensentwicklung existieren verschiedene Modelle, wobei das Ende der Gründungsphase dabei unterschiedlich definiert wird. Nach Klandt (1999), Nathusius (1998, 2001) und Kulicke (1991) endet die Gründungsphase bereits mit Markteintritt. In den Modellen von Szyperski/Nathusius (1999) und Zacharias (2001) reicht die Gründungsphase bis in den laufenden Geschäftsbetrieb hinein.4 In der Abbildung ist dargestellt, wie ich die Gründungphasen nach Beobachtung der Handmade-Branche definieren würde.

Von wichtiger Bedeutung für das Ende der Gründungsphase ist die Aneignung des gründungsrelevanten Wissens. Je nachdem wie schnell der Gründer das notwendige Gründungswissen erlangt, ist die Gründungsphase abgeschlossen. Da dies nur im Optimum zum Zeitpunkt des Markteintrittes der Fall ist, wird angenommen, dass die Gründungsphase in der Regel bis in den laufenden Geschäftsbetrieb hinein reicht.
Handmade-Unternehmen wachsen in der Regel sehr langsam, da zumeist wenig finanzielle und personelle Ressourcen vorhanden sind. Daher ist die Gründung oftmalig nicht nach wenigen Wochen abgeschlossen, sondern kann über Jahre dauern. Wächst das Unternehmen, so wird der Kundenkreis größer, die Absatzzahlen erhöhen sich und neue Märkte werden erschlossen. Hierfür muss auch das Gründungswissen erweitert werden. Eine Besonderheit bei der Handmade-Branche in Bezug auf das Gründungswissen ist, dass häufig nur eine einzelne Person firm auf vielen verschiedenen Gebieten sein muss. Ursächlich hierfür sind einerseits die bereits erwähnten geringen Ressourcen, sodass der Gründer alleine für alle Aspekte das Unternehmen betreffend verantwortlich ist. Andererseits sind die benötigten Kompetenzen in der Handmade-Branche auch breiter gefächert, als es in anderen Gebieten der Fall wäre. Für Künstler bspw. liegt das vordergründige Basiswissen im Urheberrecht, für den Handel in der Preisangabenverordnung, für technische Startups im Patentrecht und für E-Commerce im IT-Recht. Zudem zählt für viele Handmade-Gründer das „Selbermachen“ derart zum Charakter des Unternehmens, dass es nicht nur auf die Produkte, sondern auf die komplette Unternehmenskultur auszuweiten ist, d.h. das gesamte Unternehmen mit allen Erfordernissen ist „selbstgemacht“.

1 Achleitner / Breuer / Breuer, Gabler Wirtschaftslexikon, Stichwort: Gründung 2012.
2 Vgl. Szyperski / Nathusius, Probleme der Unternehmensgründung: Eine betriebswirtschaftliche Analyse unternehmerischer Startbedingungen 1977, S. 26f.
3 Je nach Unternehmensform. Bei einem Freiberufler ist bspw. keine Gewerbeanmeldung nötig, bei einer GmbH eine notarielle Urkunde. Bei Handmade-Gründern ist die Unternehmensform Einzelunternehmen jedoch am häufigsten vertreten.
4 Vgl. Wittenberg, Controlling in jungen Unternehmen 2006 S. 28.

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Handmade at Amazon I (Anmeldung)

E-Commerce By Oktober 12, 2016 Tags: , No Comments

Seit dem 22.9.2016 gibt es einen neuen Online-Vertriebsweg für Handmade-Verkäufer in Deutschland: Handmade at Amazon ist in Deutschland gestartet. Zuvor war die Handmade-Rubrik nur auf der englischsprachigen Seite www.amazon.com erreichbar.

In der neuen Handmade-Kategorie bei Amazon kann nicht jeder direkt mitmachen, es muss zunächst eine Bewerbung durchlaufen werden und im Erfolgsfall bekommt man anschließend eine Einladung per Mail zugesendet. Die Bewerbung dauert ca. 15-20 Minuten und soll überzeugen, dass die Produkte tatsächlich „Handmade“ sind. Also genau das, was bei DaWanda so häufig kritisiert wird – nämlich billige Massenprodukte, die nicht handgemacht sind – wird hier vorab kontrolliert. Es werden Fragen zu den Produkten und zum Herstellungsprozess gestellt, auch ein Foto vom Arbeitsbereich und vom Arbeitsprozess werden verlangt. Anlässlich dieser Vorgabe vernahm ich einige Kritik in der Community. Ich kann euch jedoch beruhigen: Es wird keineswegs ein perfektes Studio-Foto vom perfekten Atelier erwartet. Ich habe dieses Foto eingereicht und das hat auch ausgerreicht:Hochkonzentriert

Ich bekam heute – nach fast 14 Tagen – die Einladung. Ich habe mich natürlich gefreut und gleich an die Einrichtung des Shops begeben. Der Aufbau einer neuen Vertriebsmöglichkeit ist immer mit viel Arbeit verbunden und es ist ganz normal, dass es ein wenig dauert, bis man sich in das neue System eingearbeitet hat. Zunächst wurden allgemeine Daten erfasst, unter anderem wurde auch nach einer Gewerbeanmeldung und dem Datum dieser Anmeldung gefragt. Auch dieser Punkt wird häufig an DaWanda kritisiert: Dort wird eine Gewerbeanmeldung nicht kontrolliert und es ist theoretisch möglich ohne Gewerbeanmeldung zu verkaufen. Nachdem alle Anmelde-Daten erfasst sind, kann direkt mit der Einrichtung des Shops und dem Einstellen von Artikeln begonnen werden. Um dies den Verkäufern zu erleichtern, wird ein gut aufbereitetes PDF „Erste Schritte“ bereitgestellt, in dem einige wichtige Grundlagen erläutert werden. Weiterführende Informationen und Hilfestellungen bietet zum Beispiel das hauseigene Handmade-Forum. Besonders hervorheben möchte ich die Möglichkeit, Personalisierungen anzubieten und konkret die Optionen zu hinterlegen. Diese können sogar direkt mit Aufpreis verlinkt werden.  Einiges was sonst mühselig vorab via Nachricht geklärt werden muss, kann nun direkt vom Kunden ausgewählt werden. Perfekt wäre es, wenn bei den Optionen noch weitere Bilder hinterlegt werden könnten, dies ist leider nicht möglich. Es können jedoch bis zu 9 Artikelbilder hochgeladen werden, müssen die „Spezial-Bilder“ eben dort mit angezeigt werden.

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Die Gebühren bei Amazon Handmade fallen ein wenig höher aus als bei DaWanda (ich ziehe hier den Vergleich zu DaWanda, da ich bislang den Großteil meiner Verkäufe dort generiere), es gibt keine Einstellgebühr, die Verkaufsprovision liegt bei 12 %.1 Ab Dezember 2017 wird außerdem eine monatliche Abonnementgebühr in Höhe von aktuell 39 € erhoben.2 Daher meine Empfehlung: Wenn ihr unsicher seid, ob ihr euch bei Amazon Handmade bewerben/anmelden sollt, tut es. Da bis 12/2017 keine Grundgebühr und auch keine weiteren Einstellgebühren anfallen, macht ihr im Fall des Nichtverkaufens keinen Verlust (außer natürlich der Zeitverlust, aber dieses Risiko hat man bei neuen Vertriebswegen immer).

Ich bin auf jeden Fall gespannt, wie sich Amazon Handmade entwickelt. DaWanda bleibe ich natürlich treu, aber es spricht ja nichts gegen einen weiteren Vertriebsweg.


Screenshot meines noch spärlich bestückten Shops.

[Update vom 29.06.2017: Verkaufsgebühren bei Handmade at Amazon]

 

1 Diese werden jedoch auf den Gesamtbetrag (inklusive Versandkosten) erhoben, bei DaWanda hingegen fällt die Provision nur auf den Artikelpreis an.
2 Vgl. Amazon Services (Hrsg.) (2016), Gebührenübersicht für Handmade at Amazon [Letzter Zugriff: 10.10.2016].

 

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Planung der Social Media Aktivitäten

Workflow By Oktober 5, 2016 Tags: , , , No Comments

Dem eifrigen Leser mag es aufgefallen sein – letzte Woche gab es leider keinen neuen Beitrag von mir. Ich habe es leider komplett verschwitzt… Dafür gab es aber einen guten Grund: Ich habe mich Punkt 1 meiner Checkliste für die Weihnachtsvorbereitung gewidmet – ich war im Urlaub 😉

Normalerweise gehört zu meiner Urlaubsvorbereitung auch die Vorbereitung meiner Beiträge in allen Social Media Plattformen. Für www.handmade-gruendung.de kann ich via WordPress wunderbar das Veröfftentlichungsdatum einstellen und daher die Beiträge vorbereiten. Mit meinem Shop Bausatz Buch bin ich außerdem bei Facebook und Instagram vertreten. Dort gibt es ebenfalls die Möglichkeit, Beiträge zu Planen. Bei Facebook verfasst man einen Beitrag und statt auf „Veröffentlichen“ wird „Planen“ ausgewählt, anschließend können Datum und Uhrzeit der gewünschten Veröffentlichung ausgewählt werden. Alle geplanten Beiträge können bei Facebook eingesehen, bearbeitet, gelöscht oder auch vorzeitig veröffentlicht werden.

Bildschirmfoto 2016-09-28 um 21.25.56

Instagram bietet diese Möglichkeit nicht, solch autmoatisierter Prozess ist bei Instagram unerwünscht.1 Es gibt jedoch einige Tools, die das Planen dennoch ermöglichen. Als Beispiele sind hier Gramblr, Hootsuite, Buffer und Latergram zu nennen. Ich nutze Gramblr, dieses kostenlose Tool ist für Mac und Windows verfügbar und bietet außerdem die Möglichkeit, Fotos via Desktop-Browser anstatt ausschließlich über die mobile App hochzuladen. Dies war mir wichtig, da ich am Rechner sehr viel flexibler und eiffizienter arbeiten kann. Ich nutze Gramblr daher nicht nur für das Planen von Beiträgen bei Instagram, sondern auch für das „just-in-time“-Posting.

gramblr

Die Tools zur Planung meiner Social Media Aktivitäten nutze ich nicht nur in der Urlaubszeit, auch für andere zeitlich eingeschränkte Phasen wie bspw. der Weihnachtszeit, ist das vorherige Planen der Beiträge sinnvoll.

1 Vgl. Allfacebook.de (Hrsg.) (2015), So geht´s: Instagram Posts ohne Handy einplanen und veröffentlichen. [Letzter Zugriff: 05.10.2016].

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Meldung bei der Berufsgenossenschaft

Erste Schritte By September 21, 2016 Tags: , , No Comments

Eine der ersten Gründungsaktivitäten sollte die Meldung bei der Berufsgenossenschaft sein. Anders als z.B. das Wissen über IHK und Handwerkskammer, ist die Kunde über die Pflichtmitgliedschaft bei einer Berufsgenossenschaft unter Handmade-Gründern teilweise sehr gering verbreitet.

Die Berufsgenossenschaften sind Träger der gesetzlichen Unfallversicherung, diese übernimmt die Kosten von Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten.1 Jeder Unternehmer ist per Gesetz Pflichtmitglied bei der jeweils zuständigen Berufsgenossenschaft.2 Je nach Branche ist eine der neun Berufsgenossenschaften zuständig: z.B. für Holzspielzeug und Bilderrahmen die BG  HM,  für die Herstellung von Textilprodukten und Verarbeitung von Papier die BG  ETEM, für die Herstellung von Keramik die V  BG.3
Nach erfolgter Gewerbeanmeldung sollte die zuständige Berufsgenossenschaft automatisch vom Gewerbeamt informiert werden, woraufhin die Berufsgenossenschaft den Gewerbetreibenden anschreibt. Dies erfolgt jedoch nicht immer bzw. dauert zu lange: Da die Meldung binnen einer Woche nach Gewerbeanmeldung erfolgen sollte,4 empfiehlt es sich selbst Kontakt zur zuständigen Berufsgenossenschaft aufzunehmen.
Der Versicherungsschutz besteht standardmäßig nur für Arbeitnehmer, gibt es keine Beschäftigten, so sind auch keine Versicherungsbeiträge zu leisten. Es besteht jedoch auch die Möglichkeit sich als Unternehmer freiweillig zu versichern, um ebenfalls in den Versicherungsschutz zu gelangen. Einige Unternehmer wie bspw. der Textil- und Bekleidungsbranche sowie der Branchen Druck und Papierverarbeitung sind allerdings pflichtversichert. Für diese besteht die Möglichkeit einer Befreiung, wenn sie nicht mehr als 100 Arbeitstage (8 Stunden = 1 Arbeitstag) im Unternehmen tätig sind.5 Der schriftliche Antrag hierfür kann formlos erfolgen.
Die Beiträge werden nach Gefahrtarif (die Unternehmenszweige werden je nach Unfallrisiko in Gefahrenklassen eingestuft)6, Versicherungssumme (für Arbeitnehmer gilt die Lohnsumme) und Umlageziffer (von der Berufsgenossenschaft jährlich festgelegt) berechnet.

Berechnung_Berufsgenossenschaft

1 Vgl. § 1 Abs. 1 SGB VII.
2 Vgl. § 2 SGB VII.
3 Vgl. DGUV (Hrsg.) (2015), Berufsgenossenschaften.
4 Vgl. BG  ETEM (Hrsg.) (2015), Mitgliedschaft und Beitrag.[Letzter Zugriff: 16.09.2016].
5 Vgl. § 46 Abs. 1 u. 2 Satzung BG  ETEM.
6 Vgl. § 25 Abs. 1 Satzung BG  ETEM.

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