Handmade ist keine exakt definierte Bezeichnung und die Handmade-Branche kein klar abgegrenzter Geschäftszweig. In diesem Beitrag versuche ich jedoch den Begriff etwas einzugrenzen.

Handmade heißt aus dem Englischen übersetzt handgemacht. Im Rahmen dieses Blogs sind mit dem Begriff Handmade handgefertigte Produkte gemeint, dabei steht der Handmade-Verkauf, also der Verkauf handgefertigter Produkte, im Vordergrund. Die Erzeugnisse sind zumeist so aufwendig, dass das Erschaffene die Fähigkeiten des Käufers in der Regel übersteigt. Neben klassischer Handarbeit wie Nähen, Stricken und Häkeln, finden sich neue Techniken wie Betongießen und Schmuckherstellung aus Acryl. Klassisches Handwerk wie Buchbinden und Goldschmiede-Kunst werden aufgegriffen und finden in der Handmade-Branche neue Interessenten und Abnehmer. Traditionelle Techniken werden adaptiert und weiterentwickelt, es entstehen neue Produkte und neue Designs. Upcycling sowie nachhaltige und hochwertige Produktion sind Kernelemente der Handmade-Branche.
Der Handmade-Trend begann schon in den frühen 90ern mit der Crafting-Bewegung in Amerika. Damals bildeten sich Zirkel, die gemeinsam in Vergessenheit geratene Handarbeits- und Werktechniken wieder aufleben ließen. Mit Aufkommen des Internets fanden die Verfechter des Handgemachten in Foren und Verkaufsplattformen neue Wege der Kommunikation und des Vertriebs. Crafting ist jedoch mehr als der Verkauf von handgefertigten Produkten. Es versteht sich als politische Bewegung, deren Hauptanliegen die Abwendung von der industriellen Massenproduktion darstellt. Holm Friebe und Thomas Ramge haben es in ihrem Werk „Marke Eigenbau“ auf den Punkt gebracht: „[Crafting] betrifft sowohl die Ästhetik der auf traditionelle Weise handgefertigten Produkte als auch die Selbstwahrnehmung ihrer Schöpfer.“
In Deutschland hat sich der Begriff Handmade durchgesetzt, welcher aber nicht 1:1 dem Crafting entspricht. Klassische Handarbeit im traditionellen Rahmen, von der sich Craftitas klar abgrenzen, gehört genauso zum Handmade wie innovativere Ansätze. Beiden Richtungen ist aber gemein, dass hochwertige Produkte zu fairen Preisen produziert werden. Der Produzent identifiziert sich mit dem Produkt und ist als Persönlichkeit Teil der Marke.
Eine weitere Abgrenzung ist zur DIY – Do It Yourself Community vorzunehmen. Wie der Name schon vermuten lässt, machen DIY-Fans gerne alles selbst, das kann über genähte Kleidung und selbstgebaute Möbel bis hin zu selbstgemachtem Senf und Salami reichen. Wesentlich ist hierbei, dass DIYs im privaten für sich selbst, Freunde oder Familie produzieren. Häufig werden die hergestellten Unikate einer Fan-Gemeinde auf Blogs oder Facebook-Seiten präsentiert. Sobald aus den Unikaten Kleinserien werden und die Herstellung nicht mehr nur für den privaten Kreis geschieht, wird die Produktion gewerblich und sie sind den Handmade-Gründern zuzurechnen. Sehr viele Handmade-Unternehmen sind aus DIY-Projekten hervorgegangen.

 
Vgl. Friebe, Holm / Ramge, Thomas (2008): Marke Eigenbau. Der Aufstand der Massen gegen die Massenproduktion. 1. Aufl., Campus Verlag GmbH, Frankfurt am Main.

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