Das Gebiet der Gründung ist ein eigener Forschungszweig und es gibt vielfältige Ansätze, welche die Problematik auf unterschiedlichste Art durchleuchten. Da der Handmade / Crafting – Bereich noch relativ jung ist, gibt es in diesem Gebiet weniger Untersuchungen. Daher habe ich mich mit dem Thema beschäftigt.

Als Gründung bezeichnet man „die Errichtung eines arbeitsfähigen, erwerbswirtschaftlichen Betriebs“.1 Bei einer Unternehmensgründung wird in originäre Gründung und aufbauende Gründung unterschieden.2 Die originäre Gründung ist eine klassische Existenzgründung, hierbei wird ein Unternehmen vollständig neu entwickelt und erschafft. Von jener Art Gründung handelt dieser Blog. Eine aufbauende oder derivative Gründung geht hingegen immer aus einem bestehenden Unternehmen hervor, bspw. als Abspaltung, Betriebsübernahme oder Franchise-Gründung. Die aufbauende Gründung soll nicht Gegenstand dieses Blogs sein.
Eine Gründung erfolgt nicht zu einem Zeitpunkt, sondern umfasst einen Prozess und somit eine zeitliche Phase, deren Länge stark variabel ist. Die formale Gründung erfolgt durch die Gewerbeanmeldung.3 Für die Phasen der Unternehmensentwicklung existieren verschiedene Modelle, wobei das Ende der Gründungsphase dabei unterschiedlich definiert wird. Nach Klandt (1999), Nathusius (1998, 2001) und Kulicke (1991) endet die Gründungsphase bereits mit Markteintritt. In den Modellen von Szyperski/Nathusius (1999) und Zacharias (2001) reicht die Gründungsphase bis in den laufenden Geschäftsbetrieb hinein.4 In der Abbildung ist dargestellt, wie ich die Gründungphasen nach Beobachtung der Handmade-Branche definieren würde.

Von wichtiger Bedeutung für das Ende der Gründungsphase ist die Aneignung des gründungsrelevanten Wissens. Je nachdem wie schnell der Gründer das notwendige Gründungswissen erlangt, ist die Gründungsphase abgeschlossen. Da dies nur im Optimum zum Zeitpunkt des Markteintrittes der Fall ist, wird angenommen, dass die Gründungsphase in der Regel bis in den laufenden Geschäftsbetrieb hinein reicht.
Handmade-Unternehmen wachsen in der Regel sehr langsam, da zumeist wenig finanzielle und personelle Ressourcen vorhanden sind. Daher ist die Gründung oftmalig nicht nach wenigen Wochen abgeschlossen, sondern kann über Jahre dauern. Wächst das Unternehmen, so wird der Kundenkreis größer, die Absatzzahlen erhöhen sich und neue Märkte werden erschlossen. Hierfür muss auch das Gründungswissen erweitert werden. Eine Besonderheit bei der Handmade-Branche in Bezug auf das Gründungswissen ist, dass häufig nur eine einzelne Person firm auf vielen verschiedenen Gebieten sein muss. Ursächlich hierfür sind einerseits die bereits erwähnten geringen Ressourcen, sodass der Gründer alleine für alle Aspekte das Unternehmen betreffend verantwortlich ist. Andererseits sind die benötigten Kompetenzen in der Handmade-Branche auch breiter gefächert, als es in anderen Gebieten der Fall wäre. Für Künstler bspw. liegt das vordergründige Basiswissen im Urheberrecht, für den Handel in der Preisangabenverordnung, für technische Startups im Patentrecht und für E-Commerce im IT-Recht. Zudem zählt für viele Handmade-Gründer das „Selbermachen“ derart zum Charakter des Unternehmens, dass es nicht nur auf die Produkte, sondern auf die komplette Unternehmenskultur auszuweiten ist, d.h. das gesamte Unternehmen mit allen Erfordernissen ist „selbstgemacht“.

1 Achleitner / Breuer / Breuer, Gabler Wirtschaftslexikon, Stichwort: Gründung 2012.
2 Vgl. Szyperski / Nathusius, Probleme der Unternehmensgründung: Eine betriebswirtschaftliche Analyse unternehmerischer Startbedingungen 1977, S. 26f.
3 Je nach Unternehmensform. Bei einem Freiberufler ist bspw. keine Gewerbeanmeldung nötig, bei einer GmbH eine notarielle Urkunde. Bei Handmade-Gründern ist die Unternehmensform Einzelunternehmen jedoch am häufigsten vertreten.
4 Vgl. Wittenberg, Controlling in jungen Unternehmen 2006 S. 28.

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