Vor einigen Wochen habe ich mich mit dem Urheberrecht beschäftigt und das Thema der Lizenzstoffe schon kurz angeschnitten, in diesem Beitrag möchte ich noch ein paar Details erläutern.

Bekannte Motive wie bspw. Micky Maus oder Bambi sind urheberrechtlich und markenrechtlich geschützt und dürfen daher nicht ohne entsprechende Lizenz gewerblich weiterverarbeitet werden.1  Der Markenschutz der Motive bezieht sich nicht nur auf Stoffe, auch Geschenkpapier, Postkarten, Servietten, selbst ausgedruckte Bilder etc. unterliegen diesem Schutz. Nachgezeichnete Motive, unabhängig davon ob Änderungen vorgenommen wurden, sind ebenfalls geschützt. Als Richtlinie dient hierbei, ob das Lizenzmotiv in der veränderten Zeichnung zu erkennen ist. Nicht jede Maus, die auf zwei Beinen läuft ist daher abmahngefährdet. Wenn sie jedoch sehr große Ohren hat und eine rote Hose trägt, erinnert sie stark an Micky Maus und fällt daher wieder unter das Schutzrecht. Gleichermaßen sollten fremde Markennamen nicht in der Produktbeschreibung erwähnt werden (z.B. sollte ein Produkt mit dem Motiv einer „normalen“ Maus nicht mit dem Begriff Micky Maus betitelt werden), dies gilt ebenfalls für orthografisch veränderte Worte (z.B. Nicky Naus, Miiiicki Maus). Zusammengefasst: Sobald es sich um ein Lizenzmotiv handelt, darf es ohne Lizenz in keiner Form gewerblich genutzt werden. Stoffe, die keine konkreten Bildmotive abbilden, sondern Muster, können ebenfalls geschützt sein. Hierbei greift das Urheberrechtsgesetz und das Designgesetz.
Bei einigen Motiven ist die gewerbliche Nutzung jedoch in geringem Umfang gestattet (z.B. Verkauf von maximal 10 genähten Kleidungsstücken). Um welche Motive es sich dabei konkret handelt, muss individuell beim Lizenzgeber angefragt werden. Andre vom Blog Rund ums Nähen hat bei einer Reihe von Lizenzgebern nachgefragt und eine entsprechende Liste zusammengestellt, dabei wird ebenfalls die Veröffentlichung von Bildern auf Facebook, Blog und bei eBooks erfasst.2 In einschlägigen Foren findet man weitere Listen und Erfahrungsberichte von anderen Handmade-Gründern, die bei diversen Lizenzgebern nachgefragt haben. Diese Angaben sollten jedoch nur als Richtlinie gelten, rechtssicher könnt ihr nur handeln, wenn beim Lizenzgeber individuell angefragt wird und ihr selbst eine schriftliche Aussage vorweisen könnt. Zu einigen Designern können jedoch auch konkrete Aussagen im Internet gefunden werden. Das Label Hamburger Liebe gibt auf dem hauseigenen Blog bspw. den Nutzungshinweis: „Alle meine Stoffe und Bänder dürfen gern zur Fertigung von Kleinserien und selbstgemachten Einzelstücken verwendet werden, die zum Verkauf bestimmt sind!“3

1 Vgl. §§ 15ff. UrhG. und § 14 MarkenG.
2 Vgl. Oestreich, Andre (2016), Lizenzstoffe: Welche Motive darf ich verwenden? [Letzter Zugriff: 20.10.2016].
3 Vgl. Firmenich, Susanne (2015), Stoffe Fabrics [Letzter Zugriff: 20.10.2016].

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