Weihnachtsstress

Workflow By September 14, 2016 Tags: , , 2 Comments

Es ist Mitte September und der Blog-Post handelt von Weihnachtsstress? Bin ich im Datum verrutscht? Nein – denn schon jetzt solltet ihr euch auf das Weihnachtsgeschäft vorbereiten, damit ihr möglichst stressfrei durch die Weihnachtszeit kommt.

Meine Vorbereitung beginnt ganz entspannt – ich fahre meist im September nochmal kurz (oder lang  😉 ) in den Urlaub, um Kräfte zu sammeln für die kommende Zeit, denn in den nächsten 3 Monaten wird es kaum ein freies Wochenende geben.
Zunächst beginne ich damit, dass ich alles abarbeite, was über die letzten Monate liegen geblieben ist: Angefangene Projekte, unfertige Produkte oder neue Materialien, die verarbeitet werden wollen. Wenn ihr spezielle Weihnachtsprodukte oder Silvester-/Neujahrsartikel habt, dann sollten diese auch jetzt schon vorbereitet werden. Diese neuen Produkte pflege ich dann in den Shop ein.
Anschließend fülle ich das Lager auf. Ich überprüfe die Bestände, kaufe neue Materialien ein. Wichtig ist es auch, genügend Verpackungsmaterial vorrätig zu haben. Es ist eine wirklich unnötige Situation, wenn das fertige Produkt nicht verschickt werden kann, weil es an einem Versandkarton mangelt. Denkt immer daran, auch eure Zulieferer werden in dieser besonderen Zeit mehr zu tun haben. Verlasst euch daher nicht auf die Lieferzeit, die ihr gewohnt seid und rechnet für die Lieferung ein paar Tage mehr ein. Auch die Bestände eurer Druckprodukte und Büromaterialien solltet ihr überprüfen. Habt ihr genügend Visitenkarten und Flyer? Quittungsblocks und Druckerpapier? All dies sollte einer kurze Überprüfung unterzogen werden, damit ihr den Überblick habt und nicht mitten im Weihnachtsstress davon überrascht werdet. Dies ist natürlich mit Investitionen und dem Bedarf an Lagerkapazitäten verbunden, ihr solltet daher realistisch einschätzen, wieviel ihr in den nächsten Monaten verkaufen werdet.
Weiterhin bringe ich die Buchhaltung auf den neusten Stand, diese muss in den Weihnachtsmonaten größtenteils zurückgestellt werden. Damit ich im Januar diesbezüglich nicht ganz soviel zu tun habe, widme ich ihr jetzt nochmal etwas mehr Zeit.
Anschließend fange ich an zu produzieren. Ich bereite möglichst viel vor, mache Zuschnitte, falze Fotokarton, sortiere Stoffe etc. Von den meistverkauften Produkten habe ich eh immer ein paar auf Lager, dieser Bestand wird erhöht und zusätzlich werden auch Produkte vorgefertigt, die ich nicht ganz so oft verkaufe. Auch die Bestände meiner Produkte in den Geschäften, in welchen ich vertreten bin, werden einer Überprüfung unterzogen. Gegebenenfalls sende ich neue Produkte dorthin oder produziere zumindest schon etwas mehr im Hinblick auf diese Geschäfte, um auch während der Weihnachtszeit stressfrei dorthin liefern zu können. Verkauft ihr eure Produkte auf einem Weihnachtsmarkt, so muss auch dafür produziert werden. Macht euch rechtzeitig Gedanken, was ihr für diesen Markt alles braucht und erledigt soviel wie möglich, bevor die stressige Zeit beginnt.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass ich möglichst früh alles erledige, was nicht „just in time“ im Weihnachstgeschäft erledigt werden muss. Dies hilft mir, stressfrei durch die Weihnachtszeit zu kommen. Um euch zu helfen, möglichst entspannt diese Zeit zu erleben, habe ich eine Checkliste erstellt, welche ihr gerne runterladen und ausdrucken könnt.

 

Checkliste_Weihnachtsvorbereitung

Checkliste Weihnachtsvorbereitung als PDF

 

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Entwicklungen auf dem Markt für Handmade

Handmade-Branche By September 7, 2016 Tags: , , , , No Comments

Die Handmade-Branche hat sich erst in den letzten Jahren als eigener Erwerbszweig in Deutschland entwickelt. Wie kam es dazu und was sind die Ursachen?

Die Anzahl der Gründungen im Handmade-Bereich ist schwierig zu deklarieren, da sie nicht eindeutig einer klassischen Branche zuzuordnen sind, wie es bspw. bei der IT-Branche der Fall ist. Nach Beobachtung der Branche haben Handmade-Unternehmungen jedoch stark zugenommen, was auch mit dem Boom der DIY-Branche einhergeht. Dieser Trend ist gleicherweise auf anderen Kanälen bemerkbar: Die dänische Kette Stoff & Stil, bei der Schnitt- und Strickmuster mit allen benötigten Materialien und Werkzeugen in einem Geschäft gekauft werden können, hat mit ihrem bislang einzigartigen Konzept Ende 2014 ihre erste Filiale in Berlin eröffnet und expandiert weiter.1 Täglich werden Anleitungen, Schnittmuster und DIY-Bücher publiziert. In der Fernsehshow „Geschickt eingefädelt“ mit dem Designer Guido Maria Kretschmer werden auf dem Fernsehsender VOX Nähprojekte durchgeführt und begleitet. Im öffentlichen Bild hat DIY stark zugenommen und mittlerweile einen besseren Ruf, das Bild der „strickenden Großmutter“ und des „Großvaters im Bastelkeller“ hat sich gewandelt.2
Statistisch erfasst ist zudem eine Zunahme der künstlerischen Berufe,3 welchen viele der Handmade-Gründungen zuzurechnen sind. Handmade ist ein Gebiet, welches sich optimal für die eigene Selbstverwirklichung und als Nebenerwerb anbietet. Viele Arbeitnehmer suchen nach einem Ausgleich neben dem Schreibtischjob, bei dem sie ihre Kreativität ausleben können und körperlich tätig sein können.4 Wenn sich damit auch noch Geld verdienen lässt, umso besser. Häufig wird so das Hobby zum Beruf. Noch vor einigen Jahren wäre diese Tätigkeit im privaten Kreis geblieben, ein Verkauf wäre evtl. im Bekanntenkreis oder ab und zu auf einem Markt möglich gewesen. Ohne das Internet und seine Möglichkeiten würden Handmade-Verkäufer jedoch nicht in diesem Umfang am Markt teilnehmen, wie sie es heute tun. Plattformen wie ebay, DaWanda und Etsy bieten die ideale Basis hierfür. DaWanda ist eine Online-Plattform für Handgemachtes, wo jeder Marktteilnehmer innerhalb weniger Minuten einen Shop eröffnen und seine Produkte anbieten kann. Das Unternehmen wurde 2006 in Berlin gegründet. Die Anmeldung ist für Käufer sowie Verkäufer kostenfrei, das Einstellen der Produkte verursacht dem Verkäufer Kosten von 10–30 Cent, bei verkauften Artikeln erhält DaWanda eine Provision von 5 %. Mittlerweile werden über 5,7 Millionen Artikel von über 340 000 Verkäufern angeboten und es kommen täglich neue hinzu.5 Diese Art der Plattform wird als Social Commerce bezeichnet.6 Es handelt sich hierbei um keine statische Verkaufsseite, die Nutzer haben die Möglichkeit miteinander zu interagieren: Sie können sich austauschen, Produkte kommentieren, bewerten und merken sowie Individualisierungswünsche an den Verkäufer richten. Dieser fertigt dann zumeist ein Produkt individuell auf die Wünsche des Kunden zugeschnitten an. Der gesamte Bestell- und Bezahlprozess wird dabei seitens DaWanda gestellt, sodass der Verkauf über die Plattform denkbar einfach ist. Etsy ist das weltweite Pendant zu DaWanda. Trotz der Pionier-Funktion ist es in Deutschland bei weitem nicht so erfolgreich wie DaWanda, der Marktanteil nimmt jedoch stetig zu.7 Auch Amazon bietet mit der Sparte „Handmade at Amazon“ seit kurzem eine Plattform für Handmade-Verkäufer, bislang ist diese allerdings nur über die englischsprachige Version www.amazon.com erreichbar.8 [Update 12.10.2016: Handmade at Amazon gibt es nun auch für den deutschen Markt.] In den letzten Jahren haben immer mehr Anbieter von Content Management Systemen (CMS) das Erstellen von Online-Shops via Baukasten-System relativ einfach möglich gemacht. Gegen eine geringe monatliche Gebühr (z.B. 1&1 4,99 € Grundpreis)9 kann sich so jeder Verkäufer seinen eigenen Online-Shop erstellen. Als Anbieter sind bspw. 1&1, Jimdo, Gambio und Supr zu nennen. Durch diese modernen Möglichkeiten des E-Commerce ist eine sehr viel höhere Zielgruppe als zu früheren Zeiten erreichbar.
Eine weitere Vertriebsform, welche sich in den letzten Jahren etabliert hat, sind spezielle Handmade-Märkte. Diese Design-Märkte gibt es regelmäßig in jeder größeren Stadt, Attribute wie Nachhaltigkeit, Regionalität oder fairer Handel charakterisieren diese zusätzlich. Einige dieser Märkte werden von DaWanda oder Etsy gesponsert.
Der Bedarf an Handmade-Produkten steigt, der Trend geht von seelenlosen Massenartikeln hin zu individuellen Produkten. Immer mehr Produktgruppen sind heutzutage in individualisierter und personalisierter Ausführung verfügbar. Als Beispiele sind hier eigene Müslimischungen von ­mymuesli oder die Anfertigung von Kuscheltieren nach gezeichneter Vorlage von Child‘s Own Studio zu nennen. Auch jegliche Produkte in Wunschfarbkombination sowie mit personalisiertem Aufdruck sind heute keine Seltenheit mehr. Diese Individualität kann zwar auch von einigen größeren und zumeist industriellen Unternehmen angeboten werden, sie ist jedoch das Spezialgebiet für meistens kleinere Handmade-Gründungen. Handmade-Unternehmen sind häufig ein-Mann-Betriebe oder haben maximal einige wenige Mitarbeiter und somit viel kürzere Kommunikations- und Produktionswege. Die Flexibilität ist in vielerlei Hinsicht höher als bei größeren Firmen. Dadurch können schneller neue Produkte auf den Markt gebracht werden, auf Trends kann zügiger eingegangen werden und Kundenwünsche können schneller und unkomplizierter umgesetzt werden. Die Anfertigung von stark individualisierten Produkten bis hin zu Unikaten ist ein Alleinstellungsmerkmal von Handmade. Ein weiteres Alleinstellungsmerkmal ist die Persönlichkeit, welche mit den Produkten verbunden wird und hinter diesen steht. Die Artikel sind nicht anonym. Häufig kennt der Käufer den Produzenten, zumindest via Internet. Dies wird unterstützt durch Blogs und andere Social Media Kanäle, auf denen der Kunde einiges über die Produkte und den Verkäufer erfahren kann. Die Verwendung von „du“ als Anrede zwischen Käufer und Verkäufer ist nicht unüblich, ebenso wie ein gelegentlicher Blick hinter die Kulissen und Kundenkontakte spätabends oder auch sonn- und feiertags. Diese Verfügbarkeit außerhalb der gewöhnlichen Geschäftszeiten wird mittlerweile von vielen Kunden erwartet, sie ist aber auch in der besonderen Motivation vieler Handmade-Verkäufer begründet. Das eigene Geschäft zu führen und unabhängig nach eigenen Prioritäten zu handeln sowie das Bedürfnis nach Selbstverwirklichung und die Hoffnung davon leben zu können, lassen die Bereitschaft persönliche Ressourcen zu investieren enorm wachsen. Ein weiterer Anreiz ist die differente Arbeitsatmosphäre, welche in der Handmade-Branche vorherrscht. Man spricht hier von Peer Production, Aufträge werden untereinander abgegeben und gegenseitig werden Leistungen empfangen. In gemeinschaftlichen Workspaces wird gearbeitet und Märkte und Events werden gemeinschaftlich organisiert. Häufig ist die Arbeitswelt um einiges sozialer als in herkömmlichen Arbeitsmodellen.
Als Zielgruppe der Handmade-Branche kann der Konsumententyp LOHAS (Lifestyle of Health and Sustainability) festgelegt werden.10 LOHAS-Konsumenten sind gesundheitsbewusst, legen Wert auf Nachhaltigkeit und Individualität und konsumieren sehr hochwertig. Eine Untergruppe der Lohas sind die PARKOS (partizipativer Konsument), welche aktiv und intensiv das Internet nutzen.11 Diese gehören ebenfalls zur Zielgruppe der Handmade-Branche.
Ein weiterer Grund für die positive Entwicklung des Handmade-Marktes neben dem vorhandenen Bedarf nach individuellen Artikeln sowie der Motivation der Gründer, ist die Unkompliziertheit der formalen Unternehmensgründung. Ein Gewerbe kann für 26 € in wenigen Minuten via Internet angemeldet werden.12 Weitere Genehmigungen sind nur in speziellen Fällen, wie zum Beispiel für den Ausschank von alkoholischen Getränken die Schanklizenz, vonnöten. Im Handwerk unterliegen derzeit 41 Berufe der Zulassungspflicht, für diese muss ein Qualifikationsnachweis wie bspw. ein Meisterbrief vorgelegt werden. 110 Handwerke oder handwerksähnliche Gewerbe sind hingegen zulassungsfrei.13 Auch nach der formalen Gründung müssen selten Nachweise über das Gewerbe erbracht werden. So kann bspw. auf DaWanda ohne Gewerbe verkauft werden. Rechtlich ist dies zwar nicht erlaubt, es wird jedoch in keiner Form kontrolliert. Auch auf den meisten Designmärkten ist die Vorlage des Gewerbescheins nicht gefordert. Neben der Einfachheit der Gründungsformalitäten sind gleichermaßen weitere Gründungsbarrieren sehr gering. Zumeist ist der Kapitalbedarf sehr niedrig. Anfänglich geringe Stückzahlen erfordern wenig Kapitalbindung durch größere Rohstoff-Einkäufe. Die Fixkosten können niedrig gehalten werden, da die Anmietung von Räumlichkeiten in der Regel zunächst nicht zwingend notwendig ist, die Arbeit kann im privaten Wohnraum verrichtet werden.
Dieser Entwicklung ist jedoch entgegenzuhalten, dass es sehr schwierig ist, langfristigen Erfolg mit der Unternehmung zu haben. Das trifft zwar auf jegliche Unternehmensgründung zu, im Handmade-Bereich wird der Erfolg jedoch zusätzlich dadurch erschwert, dass so viele Anbieter auf den Markt drängen. Die zuvor genannten Anreize für eine Gründung in dem Bereich machen diese für eine Vielzahl an Handmade-Begeisterten attraktiv. Je gewöhnlicher eine Tätigkeit ist, desto mehr Fertiger drängen auf den Markt. Als Beispiel: Bei DaWanda werden 33 862 Cabochon-Ohrstecker angeboten, jedoch nur 552 Gold-Ohrstecker.14 Cabochon-Schmuck kann relativ simpel hergestellt werden und die Anfertigung ist für Jedermann einfach zu erlernen, die Herstellung von Gold-Schmuck erfordert weitaus mehr Können (Goldschmied ist dennoch ein zulassungsfreies Gewerbe). Der hohe Konkurrenzdruck in einigen Produktsegmenten lässt viele Anbieter nach kurzer Zeit wieder vom Markt verschwinden, wie auch in der Gewerbeanzeigenstatistik deutlich wird: 706 876 Gewerbeanmeldungen stehen 675 511 Gewerbeabmeldungen im Jahr 2015 in Deutschland gegenüber. Dies entspricht einer Abmeldequote von 96 %. Betrachtet man nur die An- und Abmeldungen der Rechtsform Einzelunternehmen, welche hauptsächlich im Handmade-Bereich gewählt wird, beträgt die Quote sogar 99 % (461 745 Anmeldungen zu 458 667 Abmeldungen in 2015).15 Wobei noch einmal betont werden soll, dass es sich hierbei um alle Einzelunternehmen in Deutschland handelt, nicht nur um Handmade-Unternehmungen. Neben dem hohen Konkurrenzdruck und daraus entstehender Unwirtschaftlichkeit können auch rechtliche Schwierigkeiten Grund für die Gewerbeabmeldung sein. Da viele Quereinsteiger im Handmade-Bereich gründen, fehlt es häufig an Vorbildung und es passieren Fehler, welche möglicherweise abgemahnt werden. Abmahnungen sind mit hohen Kosten verbunden, die häufig in keiner Relation zum erwirtschafteten Gewinn stehen. Dies kann für Neugründer sehr ernüchternd sein und zur Aufgabe des Gewerbes führen.

1 Vgl. Pattydoo (Hrsg.), Skandinavisches Stoffdesign in Berlin 2014.[Letzter Zugriff: 07.09.2016].
2 Vgl. Friebe, Holm / Ramge, Thomas (2008): Marke Eigenbau. Der Aufstand der Massen gegen die Massenproduktion. 1. Aufl., Campus Verlag GmbH, Frankfurt am Main.
3 Vgl. Mai / Marder-Puch, Selbstständigkeit in Deutschland. Statistisches Bundesamt, Wiesbaden 2013. S. 490.
4 Vgl. Etsy (Hrsg.), Aufbau einer Etsy-Ökonomie: Das neue Gesicht des kreativen Unternehmertums 2016. [Letzter Zugriff: 07.09.2016].
5 Vgl. DaWanda (Hrsg.), Basisinformationen & Bilder 2016. [Letzter Zugriff: 07.09.2016].
6 Vgl. T3n (Hrsg.), Social Commerce [Letzter Zugriff: 07.09.2016].
7 In Ermangelung validierter Zahlen wurde am 06.04.2016 eine Vergleichssuche durchgeführt: Bei DaWanda werden 29 929 Cabochon-Ohrstecker gelistet, bei welchen Deutschland als Herkunftsland angegeben ist, bei Etsy hingegen sind es nur 522.
8 Vgl. T3n (Hrsg.), Konkurrenz für Etsy und DaWanda: „Handmade at Amazon“ gestartet. [Letzter Zugriff: 07.09.2016].
9 Vgl. 1&1 (Hrsg.), Erfolgreich online verkaufen. [Letzter Zugriff: 07.09.2016].
10 Vgl. Wenzel / Kirig / Rauch (2007), Zielgruppe LOHAS: Wie der grüne Lifestyle die Märkte erobert. 1. Aufl., Zukunftsinstitut, Frankfurt.
11 Vgl. Zucker Kommunikation (Hrsg.), Studie: 13 Millionen Deutsche sind Partizipative Konsumenten 2009 [Letzter Zugriff: 07.09.2016].
12 Kosten in Berlin, in anderen Bundesländern können die Gebühren abweichen
13 Vgl. Anlage A und Anlage B HWO.
14 Test-Suche erfolgte am 05.04.2016
15 Vgl. Statistisches Bundesamt (Hrsg.), Unternehmen und Arbeitsstätten 2016, S. 4ff.

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Urheberrecht

Basiswissen By August 31, 2016 Tags: , , , , No Comments

Verletzungen des Urheberrechts gehören in der Handmade-Branche zu den häufigsten Abmahngründen, weshalb jeder Gründer über ein gewisses Basiswissen diesbezüglich verfügen sollte. Welche Schutzrechte es neben dem Urheberrecht gibt und inwiefern dies für Handmade-Gründer relevant ist, wird im heutigen Beitrag behandelt.

Das Immaterialgüterrecht ist ein großes Fachgebiet, welches für Gründer relevant sein kann. Dieses regelt den Schutz geistigen Eigentums. Es gliedert sich in verschiedene Fachgebiete: Das Urheberrecht regelt den Schutz von Werken der Literatur, Wissenschaft und Kunst, diese müssen laut § 2 UrhG persönliche geistige Schöpfungen sein, d.h. eine gewisse Schöpfungshöhe aufweisen. Als Gründer kann sowohl die Position des Urhebers als auch die des Verwerters von Bedeutung sein. Das Patentrecht regelt den Schutz von Erfindungen auf allen Gebieten der Technik,1 ist also vor allem für Startups bedeutend. Das Markenrecht regelt den Schutz von Marken, dies können bspw. Namen, Abbildungen, Farben oder Formen sein. Der Markenschutz entsteht durch die Eintragung in das DPMAregister oder sobald die Marke innerhalb bestimmter Kreise reichlich bekannt ist (Verkehrsgeltung). Der Schutz besteht nur für Marken, die nicht zu allgemeingültig sind, es kann also nicht jedes beliebige Wort eingetragen werden.2 Der Schutz von Design wird im Designgesetz3 gelenkt, es schützt Design, welches neu ist und Eigenart hat.4 Dieses wird ebenfalls ins DPMAregister eingetragen.
Urheber- und Markenrecht spielen eine große Rolle in dem Handmade-Sektor. Es werden viele Elemente weiterverarbeitet, die möglicherweise geschützt sind und ebenso können die eigenen produzierten Werke unter einen Immaterialgüterschutz fallen. Einige Beispiele: Landkarten oder Stadtpläne werden häufig zur Umschlagsgestaltung von Reisetagebüchern oder für andere Papeterie-Produkte verwendet, diese sind als Werk jedoch urheberrechtlich geschützt und können daher nicht ohne Genehmigung des Urhebers verwendet werden.5 Aufgrund des Markenschutzes dürfen viele bekannte Motive wie bspw. Micky Maus, Bambi oder Familie Feuerstein nicht genutzt werden.6 Dafür müssten teure Lizenzen von den entsprechenden Lizenzgebern erworben werden (z.B. Disney).7 Irreführend ist hierbei, dass zum Teil von Großhändlern Lizenzstoffe erworben werden können, diese dann jedoch nicht gewerblich weiterverarbeitet werden dürfen. Es empfiehlt sich in jedem Fall eigenständig bei den jeweiligen Lizenzgebern anzufragen, um eine sichere Auskunft über die Nutzungsrechte zu erhalten. Neben der Verwendung von Bildmarken ist auch bei Wortmarken Vorsicht geboten. Fremde Markennamen dürfen nur verwendet werden, wenn sie das Originalprodukt bezeichnen. Dies ist besonders bedenklich bei dem Gebrauch allgemeingültiger Begriffe. So dürfen Handyhüllen, welche in passender Größe für ein Iphone gefertigt werden, nicht die Bezeichnung Iphone-Hülle tragen. Hersteller von Taschentuchhüllen dürfen in der Produktbeschreibung nicht das Wort Tempo verwenden und passende Schutzhüllen für die Kinderbücher Pixibuch dürfen nicht als Pixibuch-Hülle bezeichnet werden. Ob eine Marke eingetragen ist, kann via Online-Suche im DPMAregister überprüft werden. Hierbei ist zu beachten, in welche Nizza-Klassen die jeweilige Marke eingetragen ist. Die Nizza-Klasse gibt an, für welchen Bereich der Markenschutz vorhanden ist.8 Prominentes Beispiel ist hierbei der Rechtsstreit zwischen Jack Wolfskin und der taz. Nach jahrelanger beiderseitiger Nutzung zweier sehr ähnlicher Tatzen-Logos, klagte die Outdoor-Firma die Tageszeitung auf Unterlassung des Logos an. Nach jahrelangem Rechtsstreit gewann Jack Wolfskin den Prozess. Die taz darf die „tazze“ zwar weiterhin auf Zeitungen drucken (andere Nizza-Klasse), jedoch nicht mehr auf Merchandise-Produkte wie Rucksäcke oder Handtücher, welche in das Kerngeschäft von Jack Wolfskin zählen.9 Auch Handmade-Verkäufer, welche eine Pfote auf Textil-Produkten verwendeten, wurde bereits von Jack Wolfskin abgemahnt. Nach heftiger Kritik der Online-Community wurden die umstrittenen Abmahnungen jedoch zurückgenommen, verwendet werden darf das Motiv trotzdem nicht.10

1 Vgl. § 1 PatG.
2 Vgl. § 1ff MarkenG.
3 Vor Oktober 2013: Geschmacksmustergesetz.
4 Vgl. § 1ff DesignG.
5 Vgl. § 2 Abs. 1 Nr. 7 UrhG.
6 Vgl. § 14 MarkenG.
7 Vgl. § 30 Abs. 1 MarkenG.
8 Vgl. Deutsches Patent- und Markenamt (Hrsg.), International harmonisierte Klassifikation von Waren und Dienstleistungen 2016.
9 Vgl. Taz (Hrsg.), Logo: Warum hat die taz die gleiche Tatze wie Jack Wolfskin? 2013.
10 Vgl. Frickel, Abmahnwelle gegen Hobby-Designer 2009.

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Namensfindung

Erste Schritte By August 24, 2016 Tags: , , , No Comments

Immer wieder lese ich in Foren die Bitte um Hilfe bei der Namensfindung. Sätze wie „Hilfe, mir fällt kein Name ein“ oder „bitte helft mir mal einen Namen für mein Label zu finden“ sind keine Seltenheit. Der Label-Name ist das, was unter anderem als erstes in Erscheinung tritt und euch im besten Fall das ganze Leben lang begleitet. Er sollte daher gut durchdacht und sorgfältig ausgewählt werden. Dies kann ein Prozess über mehrere Tage oder Wochen sein.

Eine Möglichkeit der kreativen Namensfindung ist ein Brainstorming in Form einer Mind Map. Man schreibt hierfür zunächst alle Wörter nieder, die in Bezug auf das eigene Unternehmen einfallen. Bei der Wortwahl gibt es keine Einschränkungen, auch Werte bspw. gehören in eine Mind Map. Wichtig ist dabei, sich keinerlei Grenzen zu setzen, nehmt euch Zeit, Ruhe und viel Papier. Anschließend „spielt“ man mit den Wörtern ein wenig rum, kombiniert sie, ändert die Reihenfolge etc. Meist entsteht so schon eine kleine Auswahl an möglichen Namen. Oft hilft es dann die Map ein paar Tage liegen zu lassen und nach einiger Zeit mit frischen Gedanken sich erneut mit der Namensfindung zu beschäftigen. An dieser Stelle ist es natürlich auch ok, sich ein wenig Input von Außen zu holen. Der Grundgedanke sollte aber dennoch vom Gründer selbst kommen, denn dieser muss sich mit dem Namen identifizieren und hinter ihm stehen.

Ebenfalls problematisch kann es sein, den Namen nach einiger Zeit wieder zu ändern, auch das sehe ich leider viel zu häufig. Eine nachträgliche Namensänderung führt dazu, dass der Internetauftritt und alle Social-Media-Präsenzen umbenannt werden müssen. Visitenkarten und Flyer müssen neu gedruckt werden, so eine Änderung kann also auch erhebliche finanzielle Folgen haben. Für uns als Handmade-Gründer die schlimmste Folge ist jedoch der mögliche Verlust von Kunden. Eure Kunden kennen euch unter einem Namen und wollen sie nun erneut bestellen, finden sie euch vielleicht nicht wieder. Mir erging es aus Kundensicht auch schon einmal so. Ich hatte bei Facebook einen Künstler entdeckt, der wunderschöne Zeichnungen als Postkartendrucke anbot. Nach einiger Zeit entschied ich mich dort Karten zu bestellen, konnte ihn bei Facebook unter dem entsprechenden Namen aber nicht mehr finden. Monate später erblickte ich ihn glücklicherweise auf einem Handmade-Markt in Berlin und stellte fest, dass er sein Label umbenannt hatte. Mich hat er durch diesen Zufall als Kunden behalten, aber wie viele Kunden hat er verloren?
Ist ein guter Name gefunden, so sollte überprüft werden, dass er noch nicht am Markt existiert. Dies kann über eine einfache Internetsuche sowie eine Recherche beim Deutschen Patent- und Markenamt (DPMA) erfolgen. Beim DPMA kann man einen Label-Namen als Marke eintragen lassen. Ob euer präferierter Name noch nicht von einem anderen Unternehmen registriert wurde, kann via Einsteigerrecherche kontrolliert werden.
Weiterhin ist zu beachten, dass Einzelunternehmer, die nicht ins Handelsregister eingetragen sind (was auf die meisten Handmade-Gründer zutrifft), im Geschäftsverkehr nicht mit ihrem Label-Namen, sondern mit Vor- und Nachname auftreten sollten. Der Label-Name kann jedoch zusätzlich aufgeführt werden. Die gesetzliche Verpflichtung ist diesbezüglich entfallen: „§§ 15a und 15b der Gewerbeordnung wurden durch Artikel 9 Nummer 3 des Dritten Gesetzes zum Abbau bürokratischer Hemmnisse insbesondere in der mittelständischen Wirtschaft (Drittes Mittelstandsentlastungsgesetz) vom 17. März 2009 (BGBl. I S. 550) aufgehoben. Die gesetzliche Verpflichtung […] zur Angabe des Namens und einer ladungsfähigen Adresse im Schriftverkehr sind damit entfallen. Es stellt eine Selbstverständlichkeit dar, […] Namen und Adresse in Geschäftsbriefen mitzuteilen. Eine explizite gesetzliche Verpflichtung dazu ist daher nicht erforderlich.“1 Die Angabe des vollständigen Namens im Impressum ist jedoch gesetzlich in § 5 TMG festgelegt.

1 Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie, Stellungnahme der Bundesregierung zu der Entschließung des Bundesrates zur Verordnung über Informationspflichten für Dienstleistungserbringer 2011.

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Rechnungen schreiben

Basiswissen By August 17, 2016 Tags: , , No Comments

Besteht als Handmade-Gründer die Pflicht für jeden Verkauf eine Rechnung auszustellen und welche Angaben müssen auf der Rechnung enthalten sein? Diese Fragen werden im heutigen Beitrag behandelt.

Als Unternehmer besteht die Pflicht, innerhalb von sechs Monaten nach Leistungserbringung eine Rechnung auszustellen, sofern der Leistungsempfänger ein Unternehmer oder eine juristische Person ist.1 Ist der Leistungsempfänger ein privater Endverbraucher, so gilt diese Pflicht nicht, für eine übersichtliche Buchhaltung ist es jedoch empfehlenswert.

Zitat_Rechnungspflicht

Die Angaben, welche auf der Rechnung enthalten sein müssen, sind gesetzlich geregelt. Die Vollständigkeit der Angaben ist insbesondere für den Vorsteuerabzug entscheidend: Rechnungen mit fehlenden oder fehlerhaften Angaben werden möglicherweise nicht vom Finanzamt anerkannt und der Vorsteuerabzug wird verweigert.2

Diese Angaben müssen auf der Rechnung enthalten sein:

  1.   Name und Anschrift des leistenden Unternehmers
  2.   Name und Anschrift des Leistungsempfängers
  3.   Steuernummer oder Umsatzsteuer-Identifikationsnummer des Ausstellers
  4.   Ausstellungsdatum
  5.   Rechnungsnummer (einmalig vergeben und fortlaufend)
  6.   Menge und Bezeichnung der gelieferten Gegenstände bzw. Art und Umfang der Leistung
  7.   Termin der Lieferung oder Leistung
  8.   die ggf. nach Steuersätzen aufgeschlüsselten Netto-Beträge
  9.   Steuersatz und die jeweils darauf entfallenden Steuer-Beträge3

 

In der Abbildung seht ihr ein Beispiel, alle wichtigen Pflichtangaben sind markiert.

 

Bei Rechnungen über Kleinbeträge (≤ 150 €) müssen nur folgende Angaben auf der Rechnung enthalten sein:

  1.   Name und Anschrift des leistenden Unternehmers
  2.   Ausstellungsdatum
  3.   Menge und Bezeichnung der gelieferten Gegenstände bzw. Art und Umfang der Leistung
  4.   Bruttobetrag
  5.   Steuersatz der darin enthaltenen Umsatzsteuer4

Für Kleinunternehmer gelten die gleiche Angaben, statt dem Steuersatz und den darauf entfallenden Steuerbeträgen muss jedoch ein Hinweis auf die Kleinunternehmerregelung erfolgen, bspw.: Kein Ausweis von Umsatzsteuer, da Kleinunternehmer gemäß § 19 Abs. 1 UStG. Wird fälschlicherweise ein Umsatzsteuer-Betrag angegeben, so muss dieser auch abgeführt werden.5

1 Vgl. § 14 Abs. 2 UStG.
2 Vgl. BFH, Urteil vom 24.08.2006, Az. V R 16/05.
3 Vgl. § 14 Abs. 4 UStG.
4 Vgl. § 4 UStDV.
5 Vgl. Finanzamt Würzburg (Hrsg.), Der Kleinunternehmer o.J., S. 2.

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Geschäftskonto

Erste Schritte By August 10, 2016 Tags: , , No Comments

Wenn sich Existenzgründer bei anderen Gründern über notwendige Gründungsformalitäten informieren, wird immer wieder zu einem Geschäftskonto geraten. Doch ist ein separates Konto fürs Geschäftliche eigentlich vorgeschrieben und worauf sollte man bei der Wahl einer geeigneten Bank achten?

Anders als Kapitalgesellschaften,1 sind Einzelunternehmen und Freiberufler nicht dazu verpflichtet, ein Geschäftskonto für den Zahlungsverkehr zu nutzen, es gibt keinerlei gesetzliche Vorschrift diesbezüglich. Bei einigen Banken wird die geschäftliche Nutzung eines privaten Girokontos jedoch in den AGB ausgeschlossen. Solange die Bank nichts dagegen hat, kann also durchaus ein normales Girokonto für den Geschäftsverkehr genutzt werden. Dafür sprechen die deutlich höheren Gebühren bei einem Geschäftskonto: Zusätzlich zu einer monatlichen Grundgebühr von durchschnittlich 5 € bis 15 € werden Gebühren je Buchung von 0,05 € bis 0,75 € erhoben.2 Je nach Anzahl der Buchungen kann dies eine enorme Kostenbelastung bedeuten. Bei einem privaten Girokonto fällt meist nur eine geringe monatliche Grundgebühr an. Ein Geschäftskonto bietet natürlich auch Vorteile, so ist nur bei diesem die Möglichkeit des Lastschrifteinzugs vom Kunden gegeben. Auch die Trennung zwischen privatem und geschäftlichem Konto ist ein wichtiger Aspekt, den insbesondere Existenzgründer in Betracht ziehen sollten. Eine strikte Trennung erleichtert den Überblick und die Buchführung und falls es zu einer Überprüfung durch das Finanzamt kommt, muss nicht der private Zahlungsverkehr offengelegt werden. Diese Trennung wäre natürlich auch durch zwei private Konten gegeben.
Bei der Wahl des optimalen Finanzdienstleisters sollten neben den Kosten noch andere Aspekte in Betracht gezogen werden: Wird ein persönlicher Ansprechpartner benötigt? Sind Bareinzahlungen möglich? Besteht die Möglichkeit zum Lastschrifteinzug? Wird Wert auf Nachhaltigkeit und Transparenz gelegt, so könnte die Ethikbank die richtige Wahl sein. Reine Online-Banken wie die Fidorbank, die Netbank oder die DAB Bank sind sehr kostengünstig, es fehlt jedoch der persönliche Ansprechpartner und Bareinzahlungen sind zumeist nicht möglich.3
Steuerlich abgesetzt werden können Kontoführungsgebühren als „Nebenkosten des Geldverkehrs“, unabhängig davon, ob ein Geschäftskonto oder ein privates Girokonto genutzt wird. Wird jedoch nur ein Konto für private und geschäftliche Zahlungen genutzt, können die Kosten nur anteilig abgesetzt werden.4 Der Kontoauszug fungiert hierbei als Rechnung.5

1 Kapitalgesellschaften müssen ins Handelsregister eingetragen werden, wobei ein Konto angegeben werden muss, auf welchem die Kapitaleinlage hinterlegt ist. Dieses Konto muss auf den Namen der Gesellschaft geführt werden, was nur bei einem Geschäftskonto möglich ist.
2 Vgl. Finanzchef24.de (Hrsg.), Geschäftskonten – Grobvergleich 2015.
3 Bei der DAB bspw. nur in einer Filiale in München.
4 Vgl. § 4 Abs. 4 EStG.
5 Vgl. Bundesministerium für Finanzen (Hrsg.) (2007), § 14 Umsatzsteuergesetz – Kontoauszüge als Rechnung, Az. IV A 5 – S 7280/ 07/0001.

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Ablenkung am Arbeitsplatz

Workflow By August 3, 2016 Tags: , No Comments

Auch wenn viele Handmade-Gründer allein in ihrer Werkstatt arbeiten, so gibt es dennoch zahlreiche mögliche Ablenkungen. Insbesondere die digitalen Medien können das konzentrierte Arbeiten beeinflussen, es ist schwer das „Bling“ des Handys oder eine eintreffende Nachricht zu ignorieren, der Blick wandert immer wieder gerne zum offenen Facebook-Tab im Browser…

Wie kurz effizientes Arbeiten unter ständiger Ablenkung nur möglich ist, haben Wissenschaftler der University of California 2005 in einer Studie aufgezeigt.1 Demnach konnten die beobachteten Arbeitnehmer in Durchschnitt nur 11 Minuten konzentriert an einer Aufgabe arbeiten, bevor sie abgelenkt wurden. Nach der Unterbrechung brauchten sie durchschnittlich 8 Minuten, um sich wieder zu fokussieren. Diese Studie wurde in einem größeren Unternehmen durchgeführt, wo die Büromitarbeiter zusammen mit Kollegen am Arbeitsplatz tätig sind. Da die meisten Handmade-Gründer alleine arbeiten, sind die Ergebnisse nur bedingt auf die Handmade-Branche zu übertragen. Es wird jedoch deutlich, wie sehr Ablenkungen den Arbeitsablauf beeinflussen.
Doch sollten deshalb Mailprogramm, Facebook oder das Handy abgeschaltet sein, um konzentriert arbeiten zu können? Das ist nicht immer ganz einfach, denn schließlich kommen über diese Kanäle auch Bestellungen, Kundenanfragen und andere wichtige Nachrichten, die zeitnah beantwortet sein wollen. Manchmal erhält man sogar noch Änderungswünsche eines Kunden, während man schon den entsprechenden Auftrag fertigt. Ein Beispiel aus meinem Arbeitsalltag: Wenn ich „leime“ überprüfe ich ganz zum Schluss nochmal die aktuellen Zahlungseingänge. Wenn dann noch eine Zahlung hinzugekommen ist, kann ich den entsprechenden Auftrag noch fertigen und wasche erst danach die Pinsel aus. Würde ich es nicht so handhaben, müsste der Kunde entweder länger auf seine Bestellung warten oder ich müsste den Arbeitsplatz ein zweites Mal am Tag säubern. Nur so kann ich eine zeitnahe Lieferung in Kombination mit einem effizienten Arbeits-Workflow garantieren.
Ich löse das Dilemma zwischen Ablenkung und notwendiger Erreichbarkeit folgendermaßen: Während ich arbeite sind die entsprechenden Kommunikationskanäle geöffnet und ich werfe ab und an einen Blick auf den Bildschirm. Ist es eine relevante Nachricht, so wird sie kurz gelesen und je nach Bedeutung entschieden, ob gleich oder später geantwortet wird. Für die aktuelle Arbeit irrelevante Nachrichten werden zunächst ignoriert und für später zurückgestellt.
Meiner Erfahrung nach lässt man sich vor allem bei unliebsamen Aufgaben schnell ablenken. Bei diesen Arbeiten, die zumeist auch nicht sooo lange dauern, verabschiede ich mich auch komplett aus der digitalen Welt. So kann ich konzentriert die leidige Aufgabe erledigen und mich schneller wieder bevorzugten Arbeiten zuwenden. Tätigkeiten, die man gerne macht laden nicht so schnell zur Ablenkung ein.

1 Vgl. Mark, No Task Left Behind? Examining the Nature of Fragmented Work 2005.

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Preise richtig angeben

Basiswissen By Juli 27, 2016 Tags: , , , , , , No Comments

Für die Angabe von Preisen gibt es konkrete Vorschriften, die häufig nicht korrekt umgesetzt werden. Dies betrifft z.B. die Auszeichnung der Umsatzsteuer bzw. des Kleinunternehmerstatus, PayPal-Aufschläge, Versandkosten sowie die Grundpreisangabe. Auf die Umsetzung einiger Vorschriften haben wir beim Verkauf auf einem Portal wie DaWanda oder ebay keine Einflussmöglichkeit, da uns die technische Eingriffs-Option fehlt, wir müssen uns dann auf die korrekte Implementierung durch den Anbieter verlassen. Bei einem eigenen Online-Shop ist jedoch die Realisierung jeglicher Vorgaben zu berücksichtigen.

Die rechtlich korrekte Auszeichnung von Preisen wird in der Preisangabenverordnung (PAngV) geregelt. Die Vorschriften gelten für das Warenangebot von Gewerbetreibenden an Endverbraucher, der B2B bleibt von den Anweisungen unberührt.1 Grundvorschrift ist, dass der ausgewiesene Preis als Gesamtpreis angegeben werden muss, inklusive Umsatzsteuer und allen sonstigen Preisbestandteilen.2
Sind Kosten für den Zahlungsverkehr Bestandteil des Gesamtpreises, wie bspw. PayPal-Gebühren, so müssen diese vor Verkaufsabschluss klar ausgewiesen werden und im Gesamtpreis bereits enthalten sein. Diese Gebühren dürfen jedoch nur erhoben werden, wenn dem Kunden eine gängige und zumutbare unentgeltliche Zahlungsmöglichkeit zur Verfügung steht und der angesetzte Betrag nicht über die tatsächlichen Kosten hinausgeht.3 Bei einem eigenen Online-Shop können diese Voraussetzungen durchaus erfüllt werden, bei bspw. DaWanda hingegen ist es technisch nicht möglich, da die zusätzlich erhobenen Kosten nicht im Gesamtpreis angezeigt werden können. Das nachträgliche Hinzurechnen der Kosten im Rahmen der Verkaufsbestätigung (d.h. nachdem der Kunde den Kauf getätigt hat) ist rechtlich nicht korrekt. Des Weiteren fehlerhaft ist die Erhebung einer Pauschale, welche die entstehenden Kosten übersteigt: Wird bei einem kleinpreisigen Artikel von 1,50 € bspw. vom Käufer eine pauschale PayPal-Gebühr in Höhe von 0,50 € verlangt, so wäre dies rechtswidrig. Bei einer aktuellen tatsächlichen Gebühr von 0,35 € + 1,9  % (ausgenommen individuelle Händlerkonditionen) dürfte die angesetzte Pauschale 0,38 € nicht überschreiten. Bei eBay ist es laut AGB untersagt, die PayPal-Gebühren vom Käufer einzufordern.4 Daher ist es empfehlenswert, die entstehenden Kosten direkt in den Artikelpreis oder die Versandpauschale mit einzukalkulieren. Andere sonstige Preisbestandteile wie bspw. ein Mindermengenzuschlag, müssen ebenfalls klar ausgezeichnet und im erhobenen Gesamtpreis enthalten sein.5
Im Fernabsatzhandel muss außerdem angegeben werden, dass der Endpreis mit Hinzurechnung von Versandkosten erhoben wird (z.B. „zzgl. Versandkosten),6 dieser Hinweis sollte auf eine Versandkostenübersicht verlinken.7 Fallen keine zusätzlichen Versandkosten an, muss dies in gleicher Weise angeführt werden (z.B. „inkl. Versand“ oder „keine Versandkosten“). Ebenfalls Pflicht ist die Angabe, dass der Endpreis Umsatzsteuer enthält (z.B. „inkl. USt“). Ist im Gesamtpreis keine Umsatzsteuer enthalten, da der Gewerbetreibende gemäß Kleinunternehmerregelung keine erhebt, wird darauf hingewiesen (z.B. „USt wird nicht ausgewiesen [Kleinunternehmer, § 19 UStG]“).8 Gemäß § 5 UWG ist die Werbung mit Selbstverständlichkeiten irreführend, daher darf der Zusatz „inkl. USt“ nicht besonders hervorgehoben werden, um nicht zu suggerieren, dass bei diesem Angebot eine Besonderheit im Vergleich zu den Mitbewerbern vorherrscht.9
Auch im Offline-Handel müssen die Vorschriften der PAngV beachtet werden: Die Ware muss durch Preisschilder oder Beschriftung ausgezeichnet werden.10 Dies ist für Handmade-Verkäufer insbesondere auch bei der Präsentation der Produkte an einem Marktstand zu beachten, zusammenfassende Aufsteller oder Preislisten sind nur rechtens, wenn die Preise leicht erkennbar und eindeutig zuordenbar sind.
Wird Ware in einer anderen Einheit als der Anzahl angeboten (z.B. Gewicht, Volumen, Länge, Fläche), so muss neben dem Gesamtpreis auch der Grundpreis angegeben werden. Auf diese Angabe kann verzichtet werden, wenn Gesamtpreis und Grundpreis identisch sind.11 Als Mengeneinheit für den Grundpreis sind ein Kilogramm, ein Liter, ein Kubikmeter, ein Meter und ein Quadratmeter vorgegeben, die Auszeichnung von bspw. Stoff in Quadratzentimetern oder halben Metern wäre daher fehlerhaft. Der Grundpreis ist auch bei zusammengestellten Stoff-Sets sowie bei Bändern anzugeben, wie bspw. Washi- oder Masking-Tape, welches im Handmade-Bereich stark verbreitet ist.12 Genauso wie bei dem Hinweis auf Umsatzsteuer, muss bei der Grundpreisangabe darauf geachtet werden, dass diese nicht prominenter als der Gesamtpreis ausgezeichnet ist, da dies irreführend wäre.13

Die vollständig korrekte Preisauszeichnung für bspw. einen halben Meter Stoff im Online-Handel wäre daher:

0,5 m 6,50 € inkl. USt, zzgl. Versand
Grundpreis 13 € / m

 

1 Vgl. § 9 Abs. 1 PAngV.
2 Vgl. § 1 Abs. 1 PAngV.
3 Vgl. § 312a Abs. 4 BGB.
4 Vgl. eBay (Hrsg.), Allgemeine Geschäftsbedingungen für die Nutzung der deutschsprachigen eBay-Dienste, § 3 Abs. 10 2014. URL: http://pages.ebay.de/help/policies/user-agreement.html?rt=nc [Letzter Zugriff: 19.07.2016].
5 Vgl. OLG Hamm, Urteil vom 28.06.2012, Az. I-4 U 69/12.
6 Vgl. §1  Abs. 2 PAngV.
7 Vgl. Art. 246a § 1 Abs. 1 Nr. 4 EGBGB.
8 Vgl. OLG Hamm, Urteil vom 19.11.2013, Az. 4 U 65/13.
9 Vgl. Bundesgerichtshof, Urteil vom 15.11.1990, Az. I ZR 30/89.
10 Vgl. § 4 Abs. 1 PAngV.
11 Vgl. § 2 Abs. 1 PAngV.
12 Vgl. § 33 Abs. 1 FertigPackV.
13 Vgl. § 5 Abs. 1 UWG.

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Impressum

E-Commerce By Juli 20, 2016 Tags: , , , No Comments

Ein fehlerhaftes, unvollständiges oder fehlendes Impressum ist ein häufiger Grund für Abmahnungen. Es ist jedoch gar nicht schwer selbst zu erstellen, das Gesetz gibt hier klare Vorgaben. Insbesondere für Handmade-Gründer, die zumeist in der Unternehmensform des Einzelunternehmens gründen, sind die verpflichtenden Angaben überschaubar. Das Impressum wird auch als Anbieterkennzeichnung bezeichnet.

Laut § 5 TMG müssen Diensteanbieter von „geschäftsmäßige[n] (Erg. des Verf.), in der Regel gegen Entgelt angebotene[n] (Erg. des Verf.) Telemedien“ ein Impressum angeben. Nur in wenigen Fällen wie bspw. der rein privaten Nutzung eines Webauftrittes, entfällt die Pflicht der Anbieterkennzeichnung. Diese Pflicht gilt für jegliche elektronische Informations- und Kommunikationsdienste, dementsprechend muss das Impressum neben der Website auch auf dem Blog, bei Facebook, Twitter und anderen Kanälen angegeben werden.1 Auch eine sogenannte „Baustellenseite“, d.h. ein Internetauftritt, welcher sich noch im Aufbau befindet, kann unter die Impressumspflicht fallen. Dabei ist es entscheidend, welche Informationen auf der Seite wiedergegeben werden. Sobald bereits eine geschäftliche Tätigkeit zu erkennen ist (z.B. Verweis auf die sich im Aufbau befindende Internetseite) muss der Anbieter den gesetzlichen Informationspflichten nachkommen.2
Das Gesetz sieht eine Reihe von Pflichtangaben vor, wobei für die meisten Handmade-Verkäufer nur diese relevant sind: Vollständiger Name (bei einer GbR müssen alle Gesellschafter angegeben werden) und Anschrift, Telefonnummer, Email-Adresse, Handelsregister mit entsprechender Registernummer (falls vorhanden) sowie UST-ID (falls vorhanden). Sofern eine Faxnummer vorhanden ist, sollte auch diese angegeben werden. Die Steuernummer sollte nicht aufgeführt werden, wie es häufig fälschlicherweise praktiziert wird. Die Telefonnummer darf keine kostenpflichtige Mehrwertdienstenummer sein.3 Eine Telefonnummer ist nicht zwingend notwendig, wenn eine andere schnelle Kontaktmöglichkeit zur Verfügung gestellt wird, dies wäre bspw. ein elektronisches Kontaktformular.4 Empfehlenswert ist die Nennung einer Rufnummer aus Gründen der Kundenfreundlichkeit und Seriosität dennoch.
Bei vielen Verkaufsportalen wie DaWanda, Etsy oder Ebay ist die Platzierung des Impressums bereits vorgegeben und die Daten müssen nur noch über eine Eingabemaske eingefügt werden. Wird jedoch ein eigener Web-Auftritt verwirklicht, so muss sich auch mit der rechtssicheren Positionierung des Impressums auseinandergesetzt werden. Laut § 5 TMG muss die Anbieterkennzeichnung „leicht erkennbar, unmittelbar erreichbar und ständig verfügbar“ gehalten werden. Dies bedeutet, das Impressum muss über einen eindeutigen Begriff wie Impressum, Anbieterkennzeichnung oder Kontakt verlinkt sein. Des Weiteren sollte es innerhalb der Website über maximal zwei Verlinkungen erreicht werden können.5 Auch zu beachten ist, dass das Impressum auf jeglichen mobilen Endgeräten die Anforderungen an die Erreichbarkeit erfüllen muss. Bevor Facebook im März 2014 ein Impressumsfeld für Fanseiten eingeführt hat, war es nicht so einfach die Anbieterkennzeichnung korrekt anzeigen zu lassen, sodass es zu Abmahnungen in dem Bereich kam.6
Je nach Design-Update der entsprechenden Apps kann es passieren, dass das Impressum nicht mehr rechtssicher angezeigt wird, weshalb es empfehlenswert ist, die eigenen Seiten auf entsprechenden Endgeräten regelmäßig zu überprüfen.

1 Vgl. LG Aschaffenburg, Urteil vom 19.08. 2011, Az. 2 HK O 54/11.
2 Vgl. LG Aschaffenburg, Urteil vom 03.04. 2012, Az. 2 HK O 14/12.
3 Vgl. LG Frankfurt am Main, Urteil vom 02.10. 2013, Az. 2-3 O 445/12.
4 Vgl. EuGH, Urteil vom 16.10.2008, Az. C-298/07.
5 Vgl. OLG München, Urteil vom 11.09.2003, Az. 29 U 2681/03.
6 Vgl. OLG Hamm, Urteil vom 20.05.2010, Az. I-4 U 225/09.

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Ist der Verkauf privat oder gewerblich?

Erste Schritte By Juli 13, 2016 Tags: , , No Comments

Die grundlegendste Kenntnis beim Verkauf von Produkten ist die, ob man privat oder als Unternehmer handelt. Viele Verkäufer sehen sich als Privatverkäufer, doch dies trifft de facto nur auf sehr wenige Situationen zu.

Wichtig ist diese Unterscheidung, da als Unternehmer zahlreiche Regeln des Verbraucherschutzes zu erfüllen sind, zudem unterliegt man als Unternehmer weiteren Steuerarten (Umsatzsteuer, Gewerbesteuer, Einkommenssteuer). Der Verkauf als Privatperson ist somit um einiges unkomplizierter. Ob man jedoch als Verbraucher (= privat) oder als Unternehmer einzuordnen ist, wird gesetzlich definiert. Der Unternehmerbegriff findet je nach Rechtsgebiet in Deutschland etwas abweichende Definitionen (z.B. BGB, HGB, UStG, EStG). Zusammengefasst gelten die Kriterien: Selbstständig, planmäßig, Beteiligung am wirtschaftlichen Verkehr, auf eine gewisse Dauer angelegt, gegen Entgelt angebotene Leistungen. 1
Auf die Praxis angewendet heißt das, auch der Verkauf kleiner Mengen, die Generierung eines geringen Umsatzes oder die ausschließliche Kostendeckung sind keine Kriterien für einen privaten Verkauf. Dieser liegt nur dann vor, wenn wirklich private Gegenstände verkauft werden, dies kann bei DaWanda z.B. im Rahmen der Vintage-Kategorie oder klassisch bei ebay geschehen. In Bezug auf Handmade-Produkte könnte möglicherweise der Verkauf eines Einzelstücks als privater Verkauf eingeordnet werden, wenn das Produkt ursprünglich nicht für den Verkauf, sondern bspw. als Geschenk für die Tochter gedacht war und wegen Nichtgefallens nun verkauft werden soll. Als Handmade-Gründer ist man jedoch fast immer unternehmerisch tätig.
Die unternehmerische Tätigkeit kann zusätzlich in Gewerbe, Freiberufler und Künstler untergliedert werden.

1  Vgl. BGH, Urteil vom 29.03.2006, Az. VIII ZR 173/05. Weiterhin: Münch-KommBGB/Micklitz, 4. Aufl., § 14 Rdnr. 12 ff.; Soergel/Pfeiffer, BGB, 13. Aufl., § 14 Rdnr. 11; Palandt/Heinrichs, BGB, 65. Aufl., § 14 Rdnr. 2 m.w.Nachw.

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