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Crafting

Umgang mit Rabattanfragen

Workflow By Dezember 7, 2016 Tags: , , No Comments

Ich wurde heute zum wiederholten Male auf einen Rabatt angesprochen – die meisten von euch kennen es auch. Manchmal finde ich eine Rabattanfrage gerechtfertigt und manchmal gebe ich auch Rabatt. Bei Handmade-Produkten ist der Umgang mit Rabatten jedoch etwas anders als bei Industrieprodukten. Sie sind häufig knapp kalkuliert und die Kosten sinken nicht bei einer höheren Absatzzahl, wie es hingegen bei industriell gefertigten Produkten der Fall ist. Ich denke, dass von einigen Kunden häufig der Grundgedanke der Handmade-Produktion nicht verstanden wird. Vielen Kunden ist nicht bewusst, dass unsere Produkte handmade – also handgemacht – sind. Früher habe ich mich über solche Anfragen etwas geärgert, da ich das Gefühl hatte, dass meine Handmade-Arbeit nicht gewürdigt wird. Heute erkläre ich den Kunden gerne meine Preispolitik und weise auf die Produktion in Handarbeit hin.

Die heutige Rabattanfrage ergab sich daraus, dass die Kundin mir ihren eigenen Stoff zusendet und auf Grund dieser Materialersparnis nach einem Rabatt fragte. Zur Erklärung: Es handelt sich bei dem Produkt um ein Stammbuch, der Stoffanteil ist dabei sehr gering.

Dies war meine Antwort, welche ihr gerne bei ähnlichen Rabattanfragen verwenden dürft:

Einen Rabatt kann ich dir leider nicht anbieten, ich erläutere dir aber gerne meine Gründe:
Die Materialersparnis durch die Verwendung deines Stoffes ist nur sehr gering. Generell machen die Materialkosten bei Handmade-Produkten häufig nur einen geringen Anteil am Produkt aus, der Hauptteil sind zumeist die Produktionskosten. Alle meine Produkte sind handwerklich hergestellt und dementsprechend ist die Fertigung sehr zeitintensiv. Eine Sonderanfertigung wie bei dir ist noch zeitintensiver und folglich kostenintensiver für mich. Andere Verkäufer nehmen für Sonderanfertigungen einen höheren Preis, ich habe mich jedoch dagegen entschieden, da Individualisierungen/Sonderwünsche für mich zum Service gehören und den besonderen Reiz meiner Produkte ausmachen. Daher hoffe ich, du kannst meine Entscheidung verstehen.

Ich habe bei vergangenen Anfragen schon ähnliche Antworten gegeben und das Feedback seitens der Kunden war durchweg positiv. Oft wurde ich in meiner Vermutung bestätigt, dass vielen Kunden gar nicht bewusst ist, dass es sich um Handmade-Produkte handelt. Ich sehe das als Kompliment an die perfekte Ausarbeitung meiner Produkte 🙂

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Weihnachtsstress

Workflow By September 14, 2016 Tags: , , 2 Comments

Es ist Mitte September und der Blog-Post handelt von Weihnachtsstress? Bin ich im Datum verrutscht? Nein – denn schon jetzt solltet ihr euch auf das Weihnachtsgeschäft vorbereiten, damit ihr möglichst stressfrei durch die Weihnachtszeit kommt.

Meine Vorbereitung beginnt ganz entspannt – ich fahre meist im September nochmal kurz (oder lang  😉 ) in den Urlaub, um Kräfte zu sammeln für die kommende Zeit, denn in den nächsten 3 Monaten wird es kaum ein freies Wochenende geben.
Zunächst beginne ich damit, dass ich alles abarbeite, was über die letzten Monate liegen geblieben ist: Angefangene Projekte, unfertige Produkte oder neue Materialien, die verarbeitet werden wollen. Wenn ihr spezielle Weihnachtsprodukte oder Silvester-/Neujahrsartikel habt, dann sollten diese auch jetzt schon vorbereitet werden. Diese neuen Produkte pflege ich dann in den Shop ein.
Anschließend fülle ich das Lager auf. Ich überprüfe die Bestände, kaufe neue Materialien ein. Wichtig ist es auch, genügend Verpackungsmaterial vorrätig zu haben. Es ist eine wirklich unnötige Situation, wenn das fertige Produkt nicht verschickt werden kann, weil es an einem Versandkarton mangelt. Denkt immer daran, auch eure Zulieferer werden in dieser besonderen Zeit mehr zu tun haben. Verlasst euch daher nicht auf die Lieferzeit, die ihr gewohnt seid und rechnet für die Lieferung ein paar Tage mehr ein. Auch die Bestände eurer Druckprodukte und Büromaterialien solltet ihr überprüfen. Habt ihr genügend Visitenkarten und Flyer? Quittungsblocks und Druckerpapier? All dies sollte einer kurze Überprüfung unterzogen werden, damit ihr den Überblick habt und nicht mitten im Weihnachtsstress davon überrascht werdet. Dies ist natürlich mit Investitionen und dem Bedarf an Lagerkapazitäten verbunden, ihr solltet daher realistisch einschätzen, wieviel ihr in den nächsten Monaten verkaufen werdet.
Weiterhin bringe ich die Buchhaltung auf den neusten Stand, diese muss in den Weihnachtsmonaten größtenteils zurückgestellt werden. Damit ich im Januar diesbezüglich nicht ganz soviel zu tun habe, widme ich ihr jetzt nochmal etwas mehr Zeit.
Anschließend fange ich an zu produzieren. Ich bereite möglichst viel vor, mache Zuschnitte, falze Fotokarton, sortiere Stoffe etc. Von den meistverkauften Produkten habe ich eh immer ein paar auf Lager, dieser Bestand wird erhöht und zusätzlich werden auch Produkte vorgefertigt, die ich nicht ganz so oft verkaufe. Auch die Bestände meiner Produkte in den Geschäften, in welchen ich vertreten bin, werden einer Überprüfung unterzogen. Gegebenenfalls sende ich neue Produkte dorthin oder produziere zumindest schon etwas mehr im Hinblick auf diese Geschäfte, um auch während der Weihnachtszeit stressfrei dorthin liefern zu können. Verkauft ihr eure Produkte auf einem Weihnachtsmarkt, so muss auch dafür produziert werden. Macht euch rechtzeitig Gedanken, was ihr für diesen Markt alles braucht und erledigt soviel wie möglich, bevor die stressige Zeit beginnt.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass ich möglichst früh alles erledige, was nicht „just in time“ im Weihnachstgeschäft erledigt werden muss. Dies hilft mir, stressfrei durch die Weihnachtszeit zu kommen. Um euch zu helfen, möglichst entspannt diese Zeit zu erleben, habe ich eine Checkliste erstellt, welche ihr gerne runterladen und ausdrucken könnt.

 

Checkliste_Weihnachtsvorbereitung

Checkliste Weihnachtsvorbereitung als PDF

 

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Entwicklungen auf dem Markt für Handmade

Handmade-Branche By September 7, 2016 Tags: , , , , No Comments

Die Handmade-Branche hat sich erst in den letzten Jahren als eigener Erwerbszweig in Deutschland entwickelt. Wie kam es dazu und was sind die Ursachen?

Die Anzahl der Gründungen im Handmade-Bereich ist schwierig zu deklarieren, da sie nicht eindeutig einer klassischen Branche zuzuordnen sind, wie es bspw. bei der IT-Branche der Fall ist. Nach Beobachtung der Branche haben Handmade-Unternehmungen jedoch stark zugenommen, was auch mit dem Boom der DIY-Branche einhergeht. Dieser Trend ist gleicherweise auf anderen Kanälen bemerkbar: Die dänische Kette Stoff & Stil, bei der Schnitt- und Strickmuster mit allen benötigten Materialien und Werkzeugen in einem Geschäft gekauft werden können, hat mit ihrem bislang einzigartigen Konzept Ende 2014 ihre erste Filiale in Berlin eröffnet und expandiert weiter.1 Täglich werden Anleitungen, Schnittmuster und DIY-Bücher publiziert. In der Fernsehshow „Geschickt eingefädelt“ mit dem Designer Guido Maria Kretschmer werden auf dem Fernsehsender VOX Nähprojekte durchgeführt und begleitet. Im öffentlichen Bild hat DIY stark zugenommen und mittlerweile einen besseren Ruf, das Bild der „strickenden Großmutter“ und des „Großvaters im Bastelkeller“ hat sich gewandelt.2
Statistisch erfasst ist zudem eine Zunahme der künstlerischen Berufe,3 welchen viele der Handmade-Gründungen zuzurechnen sind. Handmade ist ein Gebiet, welches sich optimal für die eigene Selbstverwirklichung und als Nebenerwerb anbietet. Viele Arbeitnehmer suchen nach einem Ausgleich neben dem Schreibtischjob, bei dem sie ihre Kreativität ausleben können und körperlich tätig sein können.4 Wenn sich damit auch noch Geld verdienen lässt, umso besser. Häufig wird so das Hobby zum Beruf. Noch vor einigen Jahren wäre diese Tätigkeit im privaten Kreis geblieben, ein Verkauf wäre evtl. im Bekanntenkreis oder ab und zu auf einem Markt möglich gewesen. Ohne das Internet und seine Möglichkeiten würden Handmade-Verkäufer jedoch nicht in diesem Umfang am Markt teilnehmen, wie sie es heute tun. Plattformen wie ebay, DaWanda und Etsy bieten die ideale Basis hierfür. DaWanda ist eine Online-Plattform für Handgemachtes, wo jeder Marktteilnehmer innerhalb weniger Minuten einen Shop eröffnen und seine Produkte anbieten kann. Das Unternehmen wurde 2006 in Berlin gegründet. Die Anmeldung ist für Käufer sowie Verkäufer kostenfrei, das Einstellen der Produkte verursacht dem Verkäufer Kosten von 10–30 Cent, bei verkauften Artikeln erhält DaWanda eine Provision von 5 %. Mittlerweile werden über 5,7 Millionen Artikel von über 340 000 Verkäufern angeboten und es kommen täglich neue hinzu.5 Diese Art der Plattform wird als Social Commerce bezeichnet.6 Es handelt sich hierbei um keine statische Verkaufsseite, die Nutzer haben die Möglichkeit miteinander zu interagieren: Sie können sich austauschen, Produkte kommentieren, bewerten und merken sowie Individualisierungswünsche an den Verkäufer richten. Dieser fertigt dann zumeist ein Produkt individuell auf die Wünsche des Kunden zugeschnitten an. Der gesamte Bestell- und Bezahlprozess wird dabei seitens DaWanda gestellt, sodass der Verkauf über die Plattform denkbar einfach ist. Etsy ist das weltweite Pendant zu DaWanda. Trotz der Pionier-Funktion ist es in Deutschland bei weitem nicht so erfolgreich wie DaWanda, der Marktanteil nimmt jedoch stetig zu.7 Auch Amazon bietet mit der Sparte „Handmade at Amazon“ seit kurzem eine Plattform für Handmade-Verkäufer, bislang ist diese allerdings nur über die englischsprachige Version www.amazon.com erreichbar.8 [Update 12.10.2016: Handmade at Amazon gibt es nun auch für den deutschen Markt.] In den letzten Jahren haben immer mehr Anbieter von Content Management Systemen (CMS) das Erstellen von Online-Shops via Baukasten-System relativ einfach möglich gemacht. Gegen eine geringe monatliche Gebühr (z.B. 1&1 4,99 € Grundpreis)9 kann sich so jeder Verkäufer seinen eigenen Online-Shop erstellen. Als Anbieter sind bspw. 1&1, Jimdo, Gambio und Supr zu nennen. Durch diese modernen Möglichkeiten des E-Commerce ist eine sehr viel höhere Zielgruppe als zu früheren Zeiten erreichbar.
Eine weitere Vertriebsform, welche sich in den letzten Jahren etabliert hat, sind spezielle Handmade-Märkte. Diese Design-Märkte gibt es regelmäßig in jeder größeren Stadt, Attribute wie Nachhaltigkeit, Regionalität oder fairer Handel charakterisieren diese zusätzlich. Einige dieser Märkte werden von DaWanda oder Etsy gesponsert.
Der Bedarf an Handmade-Produkten steigt, der Trend geht von seelenlosen Massenartikeln hin zu individuellen Produkten. Immer mehr Produktgruppen sind heutzutage in individualisierter und personalisierter Ausführung verfügbar. Als Beispiele sind hier eigene Müslimischungen von ­mymuesli oder die Anfertigung von Kuscheltieren nach gezeichneter Vorlage von Child‘s Own Studio zu nennen. Auch jegliche Produkte in Wunschfarbkombination sowie mit personalisiertem Aufdruck sind heute keine Seltenheit mehr. Diese Individualität kann zwar auch von einigen größeren und zumeist industriellen Unternehmen angeboten werden, sie ist jedoch das Spezialgebiet für meistens kleinere Handmade-Gründungen. Handmade-Unternehmen sind häufig ein-Mann-Betriebe oder haben maximal einige wenige Mitarbeiter und somit viel kürzere Kommunikations- und Produktionswege. Die Flexibilität ist in vielerlei Hinsicht höher als bei größeren Firmen. Dadurch können schneller neue Produkte auf den Markt gebracht werden, auf Trends kann zügiger eingegangen werden und Kundenwünsche können schneller und unkomplizierter umgesetzt werden. Die Anfertigung von stark individualisierten Produkten bis hin zu Unikaten ist ein Alleinstellungsmerkmal von Handmade. Ein weiteres Alleinstellungsmerkmal ist die Persönlichkeit, welche mit den Produkten verbunden wird und hinter diesen steht. Die Artikel sind nicht anonym. Häufig kennt der Käufer den Produzenten, zumindest via Internet. Dies wird unterstützt durch Blogs und andere Social Media Kanäle, auf denen der Kunde einiges über die Produkte und den Verkäufer erfahren kann. Die Verwendung von „du“ als Anrede zwischen Käufer und Verkäufer ist nicht unüblich, ebenso wie ein gelegentlicher Blick hinter die Kulissen und Kundenkontakte spätabends oder auch sonn- und feiertags. Diese Verfügbarkeit außerhalb der gewöhnlichen Geschäftszeiten wird mittlerweile von vielen Kunden erwartet, sie ist aber auch in der besonderen Motivation vieler Handmade-Verkäufer begründet. Das eigene Geschäft zu führen und unabhängig nach eigenen Prioritäten zu handeln sowie das Bedürfnis nach Selbstverwirklichung und die Hoffnung davon leben zu können, lassen die Bereitschaft persönliche Ressourcen zu investieren enorm wachsen. Ein weiterer Anreiz ist die differente Arbeitsatmosphäre, welche in der Handmade-Branche vorherrscht. Man spricht hier von Peer Production, Aufträge werden untereinander abgegeben und gegenseitig werden Leistungen empfangen. In gemeinschaftlichen Workspaces wird gearbeitet und Märkte und Events werden gemeinschaftlich organisiert. Häufig ist die Arbeitswelt um einiges sozialer als in herkömmlichen Arbeitsmodellen.
Als Zielgruppe der Handmade-Branche kann der Konsumententyp LOHAS (Lifestyle of Health and Sustainability) festgelegt werden.10 LOHAS-Konsumenten sind gesundheitsbewusst, legen Wert auf Nachhaltigkeit und Individualität und konsumieren sehr hochwertig. Eine Untergruppe der Lohas sind die PARKOS (partizipativer Konsument), welche aktiv und intensiv das Internet nutzen.11 Diese gehören ebenfalls zur Zielgruppe der Handmade-Branche.
Ein weiterer Grund für die positive Entwicklung des Handmade-Marktes neben dem vorhandenen Bedarf nach individuellen Artikeln sowie der Motivation der Gründer, ist die Unkompliziertheit der formalen Unternehmensgründung. Ein Gewerbe kann für 26 € in wenigen Minuten via Internet angemeldet werden.12 Weitere Genehmigungen sind nur in speziellen Fällen, wie zum Beispiel für den Ausschank von alkoholischen Getränken die Schanklizenz, vonnöten. Im Handwerk unterliegen derzeit 41 Berufe der Zulassungspflicht, für diese muss ein Qualifikationsnachweis wie bspw. ein Meisterbrief vorgelegt werden. 110 Handwerke oder handwerksähnliche Gewerbe sind hingegen zulassungsfrei.13 Auch nach der formalen Gründung müssen selten Nachweise über das Gewerbe erbracht werden. So kann bspw. auf DaWanda ohne Gewerbe verkauft werden. Rechtlich ist dies zwar nicht erlaubt, es wird jedoch in keiner Form kontrolliert. Auch auf den meisten Designmärkten ist die Vorlage des Gewerbescheins nicht gefordert. Neben der Einfachheit der Gründungsformalitäten sind gleichermaßen weitere Gründungsbarrieren sehr gering. Zumeist ist der Kapitalbedarf sehr niedrig. Anfänglich geringe Stückzahlen erfordern wenig Kapitalbindung durch größere Rohstoff-Einkäufe. Die Fixkosten können niedrig gehalten werden, da die Anmietung von Räumlichkeiten in der Regel zunächst nicht zwingend notwendig ist, die Arbeit kann im privaten Wohnraum verrichtet werden.
Dieser Entwicklung ist jedoch entgegenzuhalten, dass es sehr schwierig ist, langfristigen Erfolg mit der Unternehmung zu haben. Das trifft zwar auf jegliche Unternehmensgründung zu, im Handmade-Bereich wird der Erfolg jedoch zusätzlich dadurch erschwert, dass so viele Anbieter auf den Markt drängen. Die zuvor genannten Anreize für eine Gründung in dem Bereich machen diese für eine Vielzahl an Handmade-Begeisterten attraktiv. Je gewöhnlicher eine Tätigkeit ist, desto mehr Fertiger drängen auf den Markt. Als Beispiel: Bei DaWanda werden 33 862 Cabochon-Ohrstecker angeboten, jedoch nur 552 Gold-Ohrstecker.14 Cabochon-Schmuck kann relativ simpel hergestellt werden und die Anfertigung ist für Jedermann einfach zu erlernen, die Herstellung von Gold-Schmuck erfordert weitaus mehr Können (Goldschmied ist dennoch ein zulassungsfreies Gewerbe). Der hohe Konkurrenzdruck in einigen Produktsegmenten lässt viele Anbieter nach kurzer Zeit wieder vom Markt verschwinden, wie auch in der Gewerbeanzeigenstatistik deutlich wird: 706 876 Gewerbeanmeldungen stehen 675 511 Gewerbeabmeldungen im Jahr 2015 in Deutschland gegenüber. Dies entspricht einer Abmeldequote von 96 %. Betrachtet man nur die An- und Abmeldungen der Rechtsform Einzelunternehmen, welche hauptsächlich im Handmade-Bereich gewählt wird, beträgt die Quote sogar 99 % (461 745 Anmeldungen zu 458 667 Abmeldungen in 2015).15 Wobei noch einmal betont werden soll, dass es sich hierbei um alle Einzelunternehmen in Deutschland handelt, nicht nur um Handmade-Unternehmungen. Neben dem hohen Konkurrenzdruck und daraus entstehender Unwirtschaftlichkeit können auch rechtliche Schwierigkeiten Grund für die Gewerbeabmeldung sein. Da viele Quereinsteiger im Handmade-Bereich gründen, fehlt es häufig an Vorbildung und es passieren Fehler, welche möglicherweise abgemahnt werden. Abmahnungen sind mit hohen Kosten verbunden, die häufig in keiner Relation zum erwirtschafteten Gewinn stehen. Dies kann für Neugründer sehr ernüchternd sein und zur Aufgabe des Gewerbes führen.

1 Vgl. Pattydoo (Hrsg.), Skandinavisches Stoffdesign in Berlin 2014.[Letzter Zugriff: 07.09.2016].
2 Vgl. Friebe, Holm / Ramge, Thomas (2008): Marke Eigenbau. Der Aufstand der Massen gegen die Massenproduktion. 1. Aufl., Campus Verlag GmbH, Frankfurt am Main.
3 Vgl. Mai / Marder-Puch, Selbstständigkeit in Deutschland. Statistisches Bundesamt, Wiesbaden 2013. S. 490.
4 Vgl. Etsy (Hrsg.), Aufbau einer Etsy-Ökonomie: Das neue Gesicht des kreativen Unternehmertums 2016. [Letzter Zugriff: 07.09.2016].
5 Vgl. DaWanda (Hrsg.), Basisinformationen & Bilder 2016. [Letzter Zugriff: 07.09.2016].
6 Vgl. T3n (Hrsg.), Social Commerce [Letzter Zugriff: 07.09.2016].
7 In Ermangelung validierter Zahlen wurde am 06.04.2016 eine Vergleichssuche durchgeführt: Bei DaWanda werden 29 929 Cabochon-Ohrstecker gelistet, bei welchen Deutschland als Herkunftsland angegeben ist, bei Etsy hingegen sind es nur 522.
8 Vgl. T3n (Hrsg.), Konkurrenz für Etsy und DaWanda: „Handmade at Amazon“ gestartet. [Letzter Zugriff: 07.09.2016].
9 Vgl. 1&1 (Hrsg.), Erfolgreich online verkaufen. [Letzter Zugriff: 07.09.2016].
10 Vgl. Wenzel / Kirig / Rauch (2007), Zielgruppe LOHAS: Wie der grüne Lifestyle die Märkte erobert. 1. Aufl., Zukunftsinstitut, Frankfurt.
11 Vgl. Zucker Kommunikation (Hrsg.), Studie: 13 Millionen Deutsche sind Partizipative Konsumenten 2009 [Letzter Zugriff: 07.09.2016].
12 Kosten in Berlin, in anderen Bundesländern können die Gebühren abweichen
13 Vgl. Anlage A und Anlage B HWO.
14 Test-Suche erfolgte am 05.04.2016
15 Vgl. Statistisches Bundesamt (Hrsg.), Unternehmen und Arbeitsstätten 2016, S. 4ff.

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Was bedeutet Handmade?

Handmade-Branche By Juli 5, 2016 Tags: , , , No Comments

Handmade ist keine exakt definierte Bezeichnung und die Handmade-Branche kein klar abgegrenzter Geschäftszweig. In diesem Beitrag versuche ich jedoch den Begriff etwas einzugrenzen.

Handmade heißt aus dem Englischen übersetzt handgemacht. Im Rahmen dieses Blogs sind mit dem Begriff Handmade handgefertigte Produkte gemeint, dabei steht der Handmade-Verkauf, also der Verkauf handgefertigter Produkte, im Vordergrund. Die Erzeugnisse sind zumeist so aufwendig, dass das Erschaffene die Fähigkeiten des Käufers in der Regel übersteigt. Neben klassischer Handarbeit wie Nähen, Stricken und Häkeln, finden sich neue Techniken wie Betongießen und Schmuckherstellung aus Acryl. Klassisches Handwerk wie Buchbinden und Goldschmiede-Kunst werden aufgegriffen und finden in der Handmade-Branche neue Interessenten und Abnehmer. Traditionelle Techniken werden adaptiert und weiterentwickelt, es entstehen neue Produkte und neue Designs. Upcycling sowie nachhaltige und hochwertige Produktion sind Kernelemente der Handmade-Branche.
Der Handmade-Trend begann schon in den frühen 90ern mit der Crafting-Bewegung in Amerika. Damals bildeten sich Zirkel, die gemeinsam in Vergessenheit geratene Handarbeits- und Werktechniken wieder aufleben ließen. Mit Aufkommen des Internets fanden die Verfechter des Handgemachten in Foren und Verkaufsplattformen neue Wege der Kommunikation und des Vertriebs. Crafting ist jedoch mehr als der Verkauf von handgefertigten Produkten. Es versteht sich als politische Bewegung, deren Hauptanliegen die Abwendung von der industriellen Massenproduktion darstellt. Holm Friebe und Thomas Ramge haben es in ihrem Werk „Marke Eigenbau“ auf den Punkt gebracht: „[Crafting] betrifft sowohl die Ästhetik der auf traditionelle Weise handgefertigten Produkte als auch die Selbstwahrnehmung ihrer Schöpfer.“
In Deutschland hat sich der Begriff Handmade durchgesetzt, welcher aber nicht 1:1 dem Crafting entspricht. Klassische Handarbeit im traditionellen Rahmen, von der sich Craftitas klar abgrenzen, gehört genauso zum Handmade wie innovativere Ansätze. Beiden Richtungen ist aber gemein, dass hochwertige Produkte zu fairen Preisen produziert werden. Der Produzent identifiziert sich mit dem Produkt und ist als Persönlichkeit Teil der Marke.
Eine weitere Abgrenzung ist zur DIY – Do It Yourself Community vorzunehmen. Wie der Name schon vermuten lässt, machen DIY-Fans gerne alles selbst, das kann über genähte Kleidung und selbstgebaute Möbel bis hin zu selbstgemachtem Senf und Salami reichen. Wesentlich ist hierbei, dass DIYs im privaten für sich selbst, Freunde oder Familie produzieren. Häufig werden die hergestellten Unikate einer Fan-Gemeinde auf Blogs oder Facebook-Seiten präsentiert. Sobald aus den Unikaten Kleinserien werden und die Herstellung nicht mehr nur für den privaten Kreis geschieht, wird die Produktion gewerblich und sie sind den Handmade-Gründern zuzurechnen. Sehr viele Handmade-Unternehmen sind aus DIY-Projekten hervorgegangen.

 
Vgl. Friebe, Holm / Ramge, Thomas (2008): Marke Eigenbau. Der Aufstand der Massen gegen die Massenproduktion. 1. Aufl., Campus Verlag GmbH, Frankfurt am Main.

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