Browsing Tag

Gründung

Lizensierung von Verpackungen

E-Commerce By Juni 17, 2017 Tags: , , No Comments

Die Verpackungslizenz ist für fast jeden Handmade-Gründer Pflicht. Was genau es damit auf sich hat, wie man diese Lizenz erwirbt und ob diese auch notwendig ist, wenn man gebrauchte Versandkartons verwendet, erkläre ich im heutigen Blogbeitrag. [kurze Zusammenfassung am Ende des Beitrags]

Gemäß § 6 Abs.1 u. 2 VerpackV1 sind alle Gewerbetreibenden, welche Verpackungen in Umlauf bringen, zur Rücknahme, Recycling und Entsorgung dieser verpflichtet. Da das zumeist kaum möglich ist, ist alternativ die Beteiligung an einem Rückholsystem (= duales System) durch den Erwerb einer Verpackungslizenz möglich. Betreiber von Rückholsystemen wie die Landbell AG, die VfW GmbH oder die EKO-PUNKT GmbH, bei welchen die Lizenz erwerbbar ist, sind dabei Schnittstelle zwischen den Entsorgungsunternehmen und den Gewerbetreibenden und setzen die Verwertungspflichten um. Derzeit gibt es zehn behördlich zugelassene Systeme.2

Unterschieden wird dabei in Serviceverpackungen (z.B. Klebstofftube), Umverpackungen (z.B. Sichtverpackung3 der Klebstofftube), Verkaufsverpackungen (z.B. Versandkarton) und Transportverpackungen (z.B. Palette auf der viele Kartons mit Klebstofftuben transportiert werden).4 Da Serviceverpackungen bereits vom Erstinverkehrbringer (Hersteller oder Vertreiber) lizensiert sein sollten und Transportverpackungen nur beim B2B anfallen (sobald sie im B2C aufkommen, werden sie zu Verkaufsverpackungen gezählt), müssen von den Gewerbetreibenden nur Umverpackungen und Verkaufsverpackungen lizensiert werden. Die Verpackungsverordnung betrifft alle Inverkehrbringer von Verpackungen, sie ist jedoch hier in den Themenschwerpunkt e-Business eingegliedert, da dieser hauptsächlich betroffen ist. Verpackungen, die erst bei der Kaufabwicklung vor Ort dem Produkt hinzugefügt werden (z.B. Tragetasche, Schutzpapier um empfindliche Keramik) gelten als Serviceverpackungen und werden somit schon vom Hersteller lizensiert.5 Befindet sich ein Produkt bspw. in einer Sichtverpackung auf einem Kunsthandwerkermarkt, so muss auch diese lizensiert werden.

Die Pflicht zur Lizensierung besteht schon ab dem ersten in Umlauf gebrachten Versandkarton, eine Mindermengen-Befreiung gibt es nicht. Lizensiert wird je nach Material in verschiedenen Werkstoffgruppen: PPK (Papier, Pappe, Karton), Kunststoff, Kartonverbunde, sonstige Verbundstoffe, Weißblech, Aluminium, Glas und Naturmaterialien. Werden bspw. Luftpolsterumschläge verwendet, so muss je eine Lizenz für PPK und eine für Kunststoff erworben werden, pauschal gilt: Ein Luftpolsterumschlag besteht zu 60 % aus PPK und zu 40 % Kunststoff.6 Auch Füllmaterialien wie Packpapier und Beistoffe wie Paketband müssen lizensiert werden.

An dieser Stelle möchte ich erneut darauf hinweisen, wie wichtig es ist, sich selbst gründlich zu informieren und auch den Gesetzestext als Primärquelle hinzuzuziehen. Im Internet findet man immer wieder Hinweise zu einer sogenannten 5 %-Regel. Nach dieser sollen Stoffe, welche weniger als 5 % am stofflichen Gesamtanteil ausmachen, zu dem stofflichen Hauptanteil gezählt werden. Demnach wäre bspw. bei einer Nutzung von bis zu 5 g Klebestreifen bei einem 100 g Briefumschlag ausschließlich die Lizensierung von PPK nötig, eine Lizenz für Kunststoff entfiele.7 Im Gesetz erwähnt ist solch eine Regel jeoch nur für Verbundstoffe, d.h. Verpackungskombinationen, welche sich nicht sauber von Hand trennen lassen (z.B. Getränkekartons, die von innen mit Alufolie kaschiert sind),8 der Klebestreifen wie hier im Beispiel muss also auch lizensiert werden.

Bei einigen Händlern wird die Möglichkeit angeboten, bereits vorlizensierte Versandverpackungen zu kaufen, hierbei sollte das Angebot jedoch etwas genauer hinterfragt werden. Gemäß LAGA9-Beschluss sind Versandverpackungen als Verkaufsverpackungen und nicht als Serviceverpackungen einzustufen, wodurch die Lizensierungspflicht nicht auf den Hersteller oder Vertreiber übertragen werden kann.10 Ist der Vertreiber vorlizensierter Verpackung jedoch als beauftragter Dritter gemäß §11 VerpackV einzuordnen, kann es durchaus rechtens sein. Das ist gegeben, wenn dieser die Lizensierung wiederum zu 100 % unter dem Namen des Gewerbetreibenden mit den jeweiligen spezifischen Mengen bei einem Rückholsystem durchführt.11 Zu beachten ist hierbei, dass die gesamte verwendete Verpackung dann vorlizensiert eingekauft werden muss (auch Füllmaterial etc.), bei einer separat erworbenen Lizenz ist man diesbezüglich unabhängiger.

Vorlizensierte Versandkartons können bei Verpackungsteam.de erworben werden.

Vorlizensierte Versandkartons können bei Verpackungsteam.de erworben werden.

 

Auch für bereits gebrauchte Verpackungen sollte eine Lizenz erworben werden. Theoretisch entfällt die Lizensierungspflicht, wenn sie schon einmal lizensiert wurden und noch nicht von einem dualen System erfasst wurden (= Entsorgung). Allerdings muss die bereits zuvor erfolgte Lizensierung dann nachgewiesen werden, was in der Praxis meist sehr schwierig sein dürfte.12

Mit Zunahme des Online-Handels in den letzten Jahren und insbesondere dem Aufkommen vieler kleiner Shops, wurde auch der Bedarf an Verpackungslizenzen für kleinere Mengen höher. Neben den zehn bereits erwähnten dualen Systemen sind daher in den letzten Jahren weitere Anbieter auf den Markt gekommen, welche Lizenzen speziell für geringe Mengen anbieten. Diese Unternehmen (z.B. Bähr Entsorgungsmanagement GmbH, Mueae GbR) kaufen Lizenzen für eine höhere Anzahl an Verpackungen und verkaufen Lizenzen für kleinere Mengen weiter.

Die Preise der einzelnen Anbieter variieren stark, einige bieten Pauschalen an, bei manchen gibt es eine Grundgebühr, bei anderen kann exakt eine bestimmte Menge (nach Kilogramm) lizensiert werden. Je nach Art und Anzahl der individuell verbrauchten Verpackung können unterschiedliche Lizensierer das günstigste Angebot offerieren. Auch von Jahr zu Jahr differieren die Preise teilweise immens, so kann es sein, dass bei gleicher Lizensierungsmenge dieses Jahr ein anderer Anbieter günstiger ist als letztes Jahr. Grundsätzlich ist daher festzuhalten, dass jeder Gewerbetreibende für sich das lukrativste Angebot herausfinden muss und dabei jedes Jahr aufs neue Preise vergleichen sollte.

Die Lizenz erhält man in Form einer schriftlichen Bestätigung über Menge und Zeitraum. Falls die Lizenz nicht direkt bei einem der zehn behördlich zugelassenen dualen Systeme erworben wird, sollte zudem darauf geachtet werden, dass auf der Lizensierungbestätigung festgehalten ist, bei welchem Rückholsystem lizensiert wurde. Die Mueae GbR lizensiert bspw. bei der Landbell AG. Sollte die tatsächlich verbrauchte Verpackungsmenge die lizensierte überschreiten, so kann problemlos nachlizensiert werden, auch für das vorangegangene Jahr. Zu viel lizensierte Verpackung kann jedoch nicht ins nächste Jahr übertragen werden, daher ist es ratsam lieber knapp zu kalkulieren und bei Überschreiten der Menge eine weitere Lizenz zu erwerben.

1 Vgl. Verordnung über die Vermeidung und Verwertung von Verpackungsabfällen (Verpackungsverordnung - VerpackV).
2 Vgl. Deutscher Industrie- und Handelskammertag (DIHK) e.V. (Hrsg) (o.J.), Duale Systeme. [Letzter Zugriff: 16.06.2017].
3 Wird auch als Blister bezeichnet
4 Vgl. §  3 Abs. 1 VerpackV.
5 Vgl. IHK Region Stuttgart (Hrsg.) (o.J.), Überblick über die deutsche Verpackungsverordnung. [Letzter Zugriff: 16.06.2017].
6 Vgl. Bähr Entsorgungsmanagement GmbH (Hrsg.) (o.J.), Wie berechne ich die in den Verkehr gebrachten Mengen bei Luftpolsterversandtaschen? [Letzter Zugriff: 16.06.2017].
7 Vgl. Rosenberger (o.J.), FAQ und Rechenbeispiele zur 5. Novelle der Verpackungsverordnung. [Letzter Zugriff: 16.06.2017].
8 Vgl. § 3 Abs. 5 VerpackV.
9 Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft Abfall
10 Vgl. LAGA (Hrsg.) (2008), Beschlüsse zur Umsetzung der 5. Novelle der Verpackungsverordnung, S. 3.
11 Vgl. § 11 VerpackV.; Vgl. LAGA (Hrsg.) (2009), Rücknahme von Verkaufsverpackungen, S. 10.
12 Vgl. LAGA (Hrsg.) (2008), Beschlüsse zur Umsetzung der 5. Novelle der Verpackungsverordnung, S. 3

Merken

Merken

Share:

„Keine Rechtsberatung“

Basiswissen By November 23, 2016 Tags: , , No Comments

Informiert man sich in Foren über gründungsrelevante Themen, liest man immer wieder die Formulierung „keine Rechtsberatung“. Der Verfasser möchte mit diesem Hinweis deutlich machen, dass er nicht dazu berechtigt ist, Rechtsberatung zu erteilen und unterstreicht dies damit. Doch was genau hat es mit diesem Hinweis auf sich?

Laut § 2 RDG ist eine Rechtsdienstleistung „jede Tätigkeit in konkreten fremden Angelegenheiten, sobald sie eine rechtliche Prüfung des Einzelfalls erfordert“. Ein Beispiel: Schildert ein Ratsuchender in einem Forum ein eigenes rechtliches Problem und erhält er einen konkreten Rat als Antwort, z.B. in Form einer Handlungsanweisung, so wäre dies eine unerlaubte Rechtsberatung. Wo jedoch die Grenze zwischen Meinungsaustausch, persönlichen Erfahrungen, abstrakten Diskussionen und einer konkreten Rechtsberatung liegt, ist im Gesetz nicht eindeutig geregelt und käme im Fall eines Rechtstreits wiederum auf die Einzelfallprüfung an. Die einzige (mir) bekannte Klage diesbezüglich ist von 2013 und richtet sich an den Betreiber des Forums Initiative AW3P Steffen Heintsch, welcher in seinem Forum konkrete Antworten auf Verjährungsfragen bei Abmahnungen erteilt hat.1 Dies wurde vom KG Berlin als eine nicht erlaubte Rechtsdienstleistung eingestuft.
Die Formulierung „keine Rechtsberatung“ im Fall einer tatsächlich erfolgten Rechtsberatung hätte juristisch jedoch keinerlei Einfluss. Sollte ein Beitrag einer Rechtsdienstleistung gemäß Gesetz entsprechen, so würde sich dieser Fakt durch den negierenden Hinweis nicht ändern. Ähnlich dem angestrebten Haftungsausschluss in Form eines Disclaimers, ist diese Anmerkung also zwecklos.
Gehört eine gewisse Rechtsberatung als Nebenleistung zum Berufsbild, so darf diese gemäß § 5   RDG ausgeführt werden. Als Beispiel kann hier eine Auskunft über die Anbieterkennzeichnung durch einen Webdesigner genannt werden.

1 Vgl. Heintsch, Termin 20.05.2014, KG Berlin, Az. 5 U 145/13, Heintsch ./. Schulenberg und Schenk 2014 [Letzter Zugriff: 21.11.2016].

Share:

Gewerbe, Freiberufler oder Künstler?

Erste Schritte By November 9, 2016 Tags: , , , , No Comments

Vor einigen Monaten haben wir uns mit der Frage beschäftigt, wann der Verkauf privat oder gewerblich ist. Erfolgt die Einordnung als Unternehmer, kann weiterhin zwischen Gewerbe, Freiberufler und Künstler unterschieden werden. Wonach diese Klassifizierung erfolgt und welche Folgen daraus entstehen, wird in diesem Beitrag behandelt.

Zum Basiswissen gehört die Kunde über die Art der eigenen Selbstständigkeit. Laut Einkommenssteuergesetz wird in gewerbliche und freiberufliche Tätigkeit unterschieden. Für die Klassifizierung als Gewerbebetrieb gelten folgende Kriterien: Selbstständigkeit, Nachhaltigkeit, Gewinnerzielungsabsicht, Beteiligung am allgemeinen wirtschaftlichen Verkehr sowie keine Land- und Forstwirtschaft.1 Für eine freiberufliche Tätigkeit gelten die gleichen Kriterien, es kommt jedoch noch ein entscheidendes Merkmal hinzu: Eine freiberufliche Tätigkeit ist nur gegeben, wenn eine höhere, für diesen Beruf benötigte Ausbildung (meist Universitäts- oder Hochschulabschluss), erfolgt ist. Im Gesetz werden einige Berufe, wie bspw. Arzt, Ingenieur, Steuerberater sowie Journalist, eindeutig als freiberufliche Tätigkeit ausgeschrieben.2 Falls die Einordnung nicht eindeutig erfolgen kann, hat das zuständige Finanzamt die Entscheidungsgewalt darüber.3 Entscheidend ist diese Grenzsetzung bereits bei der formalen Gründung. Die Eintragung des Gewerbes erfolgt beim Gewerbeamt in Form einer Gewerbeanmeldung, die Meldung der freiberuflichen Tätigkeit geschieht beim Finanzamt (auch formlos möglich). Die Einordnung als Freiberufler ist für viele Selbstständige erstrebenswert, da dies einige Vorteile mit sich bringt: Keine Gewerbesteuer, einfache Buchhaltung via Einnahmen-Überschussrechnung (EÜR), Ist-Besteuerung, keine Gewerbeanmeldung sowie keine Pflichtmitgliedschaft in Industrie- und Handelskammer (IHK) oder Handwerkskammer, welche wiederum Kosten mit sich bringen würde.4 Für Gewerbetreibende besteht hingegen eine gesetzliche Pflicht zur Mitgliedschaft.5

Weiterhin kann die Abgrenzung einer künstlerischen Tätigkeit erfolgen. Diese zählt zu den freiberuflichen Tätigkeiten, es ist jedoch kein höherer Abschluss vonnöten, die Werke müssen indessen eine gewisse Gestaltungshöhe aufweisen.6 Diese Einordnung hat sozialrechtliche Konsequenzen, Künstler können Mitglied in der Künstlersozialkasse (KSK) werden. Mitglieder der KSK zahlen für ihren Versicherungsschutz, ähnlich angestellten Arbeitnehmern, nur ungefähr die Hälfte des Beitrages, die andere Hälfte wird staatlich sowie über die Künstlersozialabgabe der Unternehmen finanziert.7 Da alle anderen Selbstständigen als freiwillig Versicherte den vollen Beitragssatz bezahlen müssen,8 wird die Mitgliedschaft von vielen Selbstständigen angestrebt, obwohl sie nicht als Künstler einzuordnen sind.
Diese grundsätzliche Klassifizierung ist für die Gründungsformalitäten entscheidend. Je nach Einordnung muss die Selbstständigkeit auf dem Gewerbeamt oder dem Finanzamt und ggf. bei der IHK oder der Handwerkskammer gemeldet werden. Künstler müssen sich zusätzlich bei der KSK melden, alle anderen sind gesetzlich verpflichtet die Aufnahme der Selbstständigkeit bei ihrer Krankenkasse angeben.
Projeziert man diese Klassifizierung auf die Handmade-Branche, so lässt sich feststellen, dass der Großteil der Handmade-Verkäufer als Gewerbetreibende eingeordnet werden kann. Ausnahmen bilden hierbei z.B. Grafikdesigner und Webdesigner, die in Auftragsarbeit individuelle Designs erstellen, diese sind als Freiberufler einzuordnen. Designer, die jedoch Produkte, wie bspw. Postkarten oder andere Papeterie-Produkte in Serie verkaufen, wären wiederum als Gewerbetreibende zu kategorisieren. Sind die verkauften Produkte Einzelstücke und weisen eine gewisse Gestaltungshöhe auf, gehören die Erschaffenden zu dem Berufszweig der Künstler. Um dies zu veranschaulichen habe ich eine Grafik für euch erstellt:

gewerbe_freiberufler

1 Vgl. § 15 EStG.
2 Vgl. § 18 EStG.
3 Vgl. IHK Berlin (Hrsg.), Abgrenzung Gewerbe und Freier Beruf 2016, S. 2 [Letzter Zugriff: 08.11.2016].
4 Vgl. Gründerlexikon (Hrsg.), Neugründung – freiberuflich oder gewerblich selbständig? [Letzter Zugriff: 08.11.2016].
5 Vgl. Chromow, Zwangsmitgliedschaft in IHK und Handwerkskammer: Wer muss mit welchen Beiträgen rechnen? 2015 [Letzter Zugriff: 08.11.2016].
6 Vgl. IHK Berlin (Hrsg.), Abgrenzung Gewerbe und Freier Beruf 2016, S. 4 [Letzter Zugriff: 08.11.2016].
7 Vgl. Künstlersozialkasse (Hrsg.), Umfang des Versicherungsschutzes o.J.
8 Es sei denn, es trifft ein anderer Sonderfall wie die Familienversicherung oder studentische Versicherung auf sie zu.

Share:

Der Gründungsbegriff

Handmade-Branche By Oktober 19, 2016 Tags: , , No Comments

Das Gebiet der Gründung ist ein eigener Forschungszweig und es gibt vielfältige Ansätze, welche die Problematik auf unterschiedlichste Art durchleuchten. Da der Handmade / Crafting – Bereich noch relativ jung ist, gibt es in diesem Gebiet weniger Untersuchungen. Daher habe ich mich mit dem Thema beschäftigt.

Als Gründung bezeichnet man „die Errichtung eines arbeitsfähigen, erwerbswirtschaftlichen Betriebs“.1 Bei einer Unternehmensgründung wird in originäre Gründung und aufbauende Gründung unterschieden.2 Die originäre Gründung ist eine klassische Existenzgründung, hierbei wird ein Unternehmen vollständig neu entwickelt und erschafft. Von jener Art Gründung handelt dieser Blog. Eine aufbauende oder derivative Gründung geht hingegen immer aus einem bestehenden Unternehmen hervor, bspw. als Abspaltung, Betriebsübernahme oder Franchise-Gründung. Die aufbauende Gründung soll nicht Gegenstand dieses Blogs sein.
Eine Gründung erfolgt nicht zu einem Zeitpunkt, sondern umfasst einen Prozess und somit eine zeitliche Phase, deren Länge stark variabel ist. Die formale Gründung erfolgt durch die Gewerbeanmeldung.3 Für die Phasen der Unternehmensentwicklung existieren verschiedene Modelle, wobei das Ende der Gründungsphase dabei unterschiedlich definiert wird. Nach Klandt (1999), Nathusius (1998, 2001) und Kulicke (1991) endet die Gründungsphase bereits mit Markteintritt. In den Modellen von Szyperski/Nathusius (1999) und Zacharias (2001) reicht die Gründungsphase bis in den laufenden Geschäftsbetrieb hinein.4 In der Abbildung ist dargestellt, wie ich die Gründungphasen nach Beobachtung der Handmade-Branche definieren würde.

Von wichtiger Bedeutung für das Ende der Gründungsphase ist die Aneignung des gründungsrelevanten Wissens. Je nachdem wie schnell der Gründer das notwendige Gründungswissen erlangt, ist die Gründungsphase abgeschlossen. Da dies nur im Optimum zum Zeitpunkt des Markteintrittes der Fall ist, wird angenommen, dass die Gründungsphase in der Regel bis in den laufenden Geschäftsbetrieb hinein reicht.
Handmade-Unternehmen wachsen in der Regel sehr langsam, da zumeist wenig finanzielle und personelle Ressourcen vorhanden sind. Daher ist die Gründung oftmalig nicht nach wenigen Wochen abgeschlossen, sondern kann über Jahre dauern. Wächst das Unternehmen, so wird der Kundenkreis größer, die Absatzzahlen erhöhen sich und neue Märkte werden erschlossen. Hierfür muss auch das Gründungswissen erweitert werden. Eine Besonderheit bei der Handmade-Branche in Bezug auf das Gründungswissen ist, dass häufig nur eine einzelne Person firm auf vielen verschiedenen Gebieten sein muss. Ursächlich hierfür sind einerseits die bereits erwähnten geringen Ressourcen, sodass der Gründer alleine für alle Aspekte das Unternehmen betreffend verantwortlich ist. Andererseits sind die benötigten Kompetenzen in der Handmade-Branche auch breiter gefächert, als es in anderen Gebieten der Fall wäre. Für Künstler bspw. liegt das vordergründige Basiswissen im Urheberrecht, für den Handel in der Preisangabenverordnung, für technische Startups im Patentrecht und für E-Commerce im IT-Recht. Zudem zählt für viele Handmade-Gründer das „Selbermachen“ derart zum Charakter des Unternehmens, dass es nicht nur auf die Produkte, sondern auf die komplette Unternehmenskultur auszuweiten ist, d.h. das gesamte Unternehmen mit allen Erfordernissen ist „selbstgemacht“.

1 Achleitner / Breuer / Breuer, Gabler Wirtschaftslexikon, Stichwort: Gründung 2012.
2 Vgl. Szyperski / Nathusius, Probleme der Unternehmensgründung: Eine betriebswirtschaftliche Analyse unternehmerischer Startbedingungen 1977, S. 26f.
3 Je nach Unternehmensform. Bei einem Freiberufler ist bspw. keine Gewerbeanmeldung nötig, bei einer GmbH eine notarielle Urkunde. Bei Handmade-Gründern ist die Unternehmensform Einzelunternehmen jedoch am häufigsten vertreten.
4 Vgl. Wittenberg, Controlling in jungen Unternehmen 2006 S. 28.

Share:

Meldung bei der Berufsgenossenschaft

Erste Schritte By September 21, 2016 Tags: , , No Comments

Eine der ersten Gründungsaktivitäten sollte die Meldung bei der Berufsgenossenschaft sein. Anders als z.B. das Wissen über IHK und Handwerkskammer, ist die Kunde über die Pflichtmitgliedschaft bei einer Berufsgenossenschaft unter Handmade-Gründern teilweise sehr gering verbreitet.

Die Berufsgenossenschaften sind Träger der gesetzlichen Unfallversicherung, diese übernimmt die Kosten von Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten.1 Jeder Unternehmer ist per Gesetz Pflichtmitglied bei der jeweils zuständigen Berufsgenossenschaft.2 Je nach Branche ist eine der neun Berufsgenossenschaften zuständig: z.B. für Holzspielzeug und Bilderrahmen die BG  HM,  für die Herstellung von Textilprodukten und Verarbeitung von Papier die BG  ETEM, für die Herstellung von Keramik die V  BG.3
Nach erfolgter Gewerbeanmeldung sollte die zuständige Berufsgenossenschaft automatisch vom Gewerbeamt informiert werden, woraufhin die Berufsgenossenschaft den Gewerbetreibenden anschreibt. Dies erfolgt jedoch nicht immer bzw. dauert zu lange: Da die Meldung binnen einer Woche nach Gewerbeanmeldung erfolgen sollte,4 empfiehlt es sich selbst Kontakt zur zuständigen Berufsgenossenschaft aufzunehmen.
Der Versicherungsschutz besteht standardmäßig nur für Arbeitnehmer, gibt es keine Beschäftigten, so sind auch keine Versicherungsbeiträge zu leisten. Es besteht jedoch auch die Möglichkeit sich als Unternehmer freiweillig zu versichern, um ebenfalls in den Versicherungsschutz zu gelangen. Einige Unternehmer wie bspw. der Textil- und Bekleidungsbranche sowie der Branchen Druck und Papierverarbeitung sind allerdings pflichtversichert. Für diese besteht die Möglichkeit einer Befreiung, wenn sie nicht mehr als 100 Arbeitstage (8 Stunden = 1 Arbeitstag) im Unternehmen tätig sind.5 Der schriftliche Antrag hierfür kann formlos erfolgen.
Die Beiträge werden nach Gefahrtarif (die Unternehmenszweige werden je nach Unfallrisiko in Gefahrenklassen eingestuft)6, Versicherungssumme (für Arbeitnehmer gilt die Lohnsumme) und Umlageziffer (von der Berufsgenossenschaft jährlich festgelegt) berechnet.

Berechnung_Berufsgenossenschaft

1 Vgl. § 1 Abs. 1 SGB VII.
2 Vgl. § 2 SGB VII.
3 Vgl. DGUV (Hrsg.) (2015), Berufsgenossenschaften.
4 Vgl. BG  ETEM (Hrsg.) (2015), Mitgliedschaft und Beitrag.[Letzter Zugriff: 16.09.2016].
5 Vgl. § 46 Abs. 1 u. 2 Satzung BG  ETEM.
6 Vgl. § 25 Abs. 1 Satzung BG  ETEM.

Share:

Entwicklungen auf dem Markt für Handmade

Handmade-Branche By September 7, 2016 Tags: , , , , No Comments

Die Handmade-Branche hat sich erst in den letzten Jahren als eigener Erwerbszweig in Deutschland entwickelt. Wie kam es dazu und was sind die Ursachen?

Die Anzahl der Gründungen im Handmade-Bereich ist schwierig zu deklarieren, da sie nicht eindeutig einer klassischen Branche zuzuordnen sind, wie es bspw. bei der IT-Branche der Fall ist. Nach Beobachtung der Branche haben Handmade-Unternehmungen jedoch stark zugenommen, was auch mit dem Boom der DIY-Branche einhergeht. Dieser Trend ist gleicherweise auf anderen Kanälen bemerkbar: Die dänische Kette Stoff & Stil, bei der Schnitt- und Strickmuster mit allen benötigten Materialien und Werkzeugen in einem Geschäft gekauft werden können, hat mit ihrem bislang einzigartigen Konzept Ende 2014 ihre erste Filiale in Berlin eröffnet und expandiert weiter.1 Täglich werden Anleitungen, Schnittmuster und DIY-Bücher publiziert. In der Fernsehshow „Geschickt eingefädelt“ mit dem Designer Guido Maria Kretschmer werden auf dem Fernsehsender VOX Nähprojekte durchgeführt und begleitet. Im öffentlichen Bild hat DIY stark zugenommen und mittlerweile einen besseren Ruf, das Bild der „strickenden Großmutter“ und des „Großvaters im Bastelkeller“ hat sich gewandelt.2
Statistisch erfasst ist zudem eine Zunahme der künstlerischen Berufe,3 welchen viele der Handmade-Gründungen zuzurechnen sind. Handmade ist ein Gebiet, welches sich optimal für die eigene Selbstverwirklichung und als Nebenerwerb anbietet. Viele Arbeitnehmer suchen nach einem Ausgleich neben dem Schreibtischjob, bei dem sie ihre Kreativität ausleben können und körperlich tätig sein können.4 Wenn sich damit auch noch Geld verdienen lässt, umso besser. Häufig wird so das Hobby zum Beruf. Noch vor einigen Jahren wäre diese Tätigkeit im privaten Kreis geblieben, ein Verkauf wäre evtl. im Bekanntenkreis oder ab und zu auf einem Markt möglich gewesen. Ohne das Internet und seine Möglichkeiten würden Handmade-Verkäufer jedoch nicht in diesem Umfang am Markt teilnehmen, wie sie es heute tun. Plattformen wie ebay, DaWanda und Etsy bieten die ideale Basis hierfür. DaWanda ist eine Online-Plattform für Handgemachtes, wo jeder Marktteilnehmer innerhalb weniger Minuten einen Shop eröffnen und seine Produkte anbieten kann. Das Unternehmen wurde 2006 in Berlin gegründet. Die Anmeldung ist für Käufer sowie Verkäufer kostenfrei, das Einstellen der Produkte verursacht dem Verkäufer Kosten von 10–30 Cent, bei verkauften Artikeln erhält DaWanda eine Provision von 5 %. Mittlerweile werden über 5,7 Millionen Artikel von über 340 000 Verkäufern angeboten und es kommen täglich neue hinzu.5 Diese Art der Plattform wird als Social Commerce bezeichnet.6 Es handelt sich hierbei um keine statische Verkaufsseite, die Nutzer haben die Möglichkeit miteinander zu interagieren: Sie können sich austauschen, Produkte kommentieren, bewerten und merken sowie Individualisierungswünsche an den Verkäufer richten. Dieser fertigt dann zumeist ein Produkt individuell auf die Wünsche des Kunden zugeschnitten an. Der gesamte Bestell- und Bezahlprozess wird dabei seitens DaWanda gestellt, sodass der Verkauf über die Plattform denkbar einfach ist. Etsy ist das weltweite Pendant zu DaWanda. Trotz der Pionier-Funktion ist es in Deutschland bei weitem nicht so erfolgreich wie DaWanda, der Marktanteil nimmt jedoch stetig zu.7 Auch Amazon bietet mit der Sparte „Handmade at Amazon“ seit kurzem eine Plattform für Handmade-Verkäufer, bislang ist diese allerdings nur über die englischsprachige Version www.amazon.com erreichbar.8 [Update 12.10.2016: Handmade at Amazon gibt es nun auch für den deutschen Markt.] In den letzten Jahren haben immer mehr Anbieter von Content Management Systemen (CMS) das Erstellen von Online-Shops via Baukasten-System relativ einfach möglich gemacht. Gegen eine geringe monatliche Gebühr (z.B. 1&1 4,99 € Grundpreis)9 kann sich so jeder Verkäufer seinen eigenen Online-Shop erstellen. Als Anbieter sind bspw. 1&1, Jimdo, Gambio und Supr zu nennen. Durch diese modernen Möglichkeiten des E-Commerce ist eine sehr viel höhere Zielgruppe als zu früheren Zeiten erreichbar.
Eine weitere Vertriebsform, welche sich in den letzten Jahren etabliert hat, sind spezielle Handmade-Märkte. Diese Design-Märkte gibt es regelmäßig in jeder größeren Stadt, Attribute wie Nachhaltigkeit, Regionalität oder fairer Handel charakterisieren diese zusätzlich. Einige dieser Märkte werden von DaWanda oder Etsy gesponsert.
Der Bedarf an Handmade-Produkten steigt, der Trend geht von seelenlosen Massenartikeln hin zu individuellen Produkten. Immer mehr Produktgruppen sind heutzutage in individualisierter und personalisierter Ausführung verfügbar. Als Beispiele sind hier eigene Müslimischungen von ­mymuesli oder die Anfertigung von Kuscheltieren nach gezeichneter Vorlage von Child‘s Own Studio zu nennen. Auch jegliche Produkte in Wunschfarbkombination sowie mit personalisiertem Aufdruck sind heute keine Seltenheit mehr. Diese Individualität kann zwar auch von einigen größeren und zumeist industriellen Unternehmen angeboten werden, sie ist jedoch das Spezialgebiet für meistens kleinere Handmade-Gründungen. Handmade-Unternehmen sind häufig ein-Mann-Betriebe oder haben maximal einige wenige Mitarbeiter und somit viel kürzere Kommunikations- und Produktionswege. Die Flexibilität ist in vielerlei Hinsicht höher als bei größeren Firmen. Dadurch können schneller neue Produkte auf den Markt gebracht werden, auf Trends kann zügiger eingegangen werden und Kundenwünsche können schneller und unkomplizierter umgesetzt werden. Die Anfertigung von stark individualisierten Produkten bis hin zu Unikaten ist ein Alleinstellungsmerkmal von Handmade. Ein weiteres Alleinstellungsmerkmal ist die Persönlichkeit, welche mit den Produkten verbunden wird und hinter diesen steht. Die Artikel sind nicht anonym. Häufig kennt der Käufer den Produzenten, zumindest via Internet. Dies wird unterstützt durch Blogs und andere Social Media Kanäle, auf denen der Kunde einiges über die Produkte und den Verkäufer erfahren kann. Die Verwendung von „du“ als Anrede zwischen Käufer und Verkäufer ist nicht unüblich, ebenso wie ein gelegentlicher Blick hinter die Kulissen und Kundenkontakte spätabends oder auch sonn- und feiertags. Diese Verfügbarkeit außerhalb der gewöhnlichen Geschäftszeiten wird mittlerweile von vielen Kunden erwartet, sie ist aber auch in der besonderen Motivation vieler Handmade-Verkäufer begründet. Das eigene Geschäft zu führen und unabhängig nach eigenen Prioritäten zu handeln sowie das Bedürfnis nach Selbstverwirklichung und die Hoffnung davon leben zu können, lassen die Bereitschaft persönliche Ressourcen zu investieren enorm wachsen. Ein weiterer Anreiz ist die differente Arbeitsatmosphäre, welche in der Handmade-Branche vorherrscht. Man spricht hier von Peer Production, Aufträge werden untereinander abgegeben und gegenseitig werden Leistungen empfangen. In gemeinschaftlichen Workspaces wird gearbeitet und Märkte und Events werden gemeinschaftlich organisiert. Häufig ist die Arbeitswelt um einiges sozialer als in herkömmlichen Arbeitsmodellen.
Als Zielgruppe der Handmade-Branche kann der Konsumententyp LOHAS (Lifestyle of Health and Sustainability) festgelegt werden.10 LOHAS-Konsumenten sind gesundheitsbewusst, legen Wert auf Nachhaltigkeit und Individualität und konsumieren sehr hochwertig. Eine Untergruppe der Lohas sind die PARKOS (partizipativer Konsument), welche aktiv und intensiv das Internet nutzen.11 Diese gehören ebenfalls zur Zielgruppe der Handmade-Branche.
Ein weiterer Grund für die positive Entwicklung des Handmade-Marktes neben dem vorhandenen Bedarf nach individuellen Artikeln sowie der Motivation der Gründer, ist die Unkompliziertheit der formalen Unternehmensgründung. Ein Gewerbe kann für 26 € in wenigen Minuten via Internet angemeldet werden.12 Weitere Genehmigungen sind nur in speziellen Fällen, wie zum Beispiel für den Ausschank von alkoholischen Getränken die Schanklizenz, vonnöten. Im Handwerk unterliegen derzeit 41 Berufe der Zulassungspflicht, für diese muss ein Qualifikationsnachweis wie bspw. ein Meisterbrief vorgelegt werden. 110 Handwerke oder handwerksähnliche Gewerbe sind hingegen zulassungsfrei.13 Auch nach der formalen Gründung müssen selten Nachweise über das Gewerbe erbracht werden. So kann bspw. auf DaWanda ohne Gewerbe verkauft werden. Rechtlich ist dies zwar nicht erlaubt, es wird jedoch in keiner Form kontrolliert. Auch auf den meisten Designmärkten ist die Vorlage des Gewerbescheins nicht gefordert. Neben der Einfachheit der Gründungsformalitäten sind gleichermaßen weitere Gründungsbarrieren sehr gering. Zumeist ist der Kapitalbedarf sehr niedrig. Anfänglich geringe Stückzahlen erfordern wenig Kapitalbindung durch größere Rohstoff-Einkäufe. Die Fixkosten können niedrig gehalten werden, da die Anmietung von Räumlichkeiten in der Regel zunächst nicht zwingend notwendig ist, die Arbeit kann im privaten Wohnraum verrichtet werden.
Dieser Entwicklung ist jedoch entgegenzuhalten, dass es sehr schwierig ist, langfristigen Erfolg mit der Unternehmung zu haben. Das trifft zwar auf jegliche Unternehmensgründung zu, im Handmade-Bereich wird der Erfolg jedoch zusätzlich dadurch erschwert, dass so viele Anbieter auf den Markt drängen. Die zuvor genannten Anreize für eine Gründung in dem Bereich machen diese für eine Vielzahl an Handmade-Begeisterten attraktiv. Je gewöhnlicher eine Tätigkeit ist, desto mehr Fertiger drängen auf den Markt. Als Beispiel: Bei DaWanda werden 33 862 Cabochon-Ohrstecker angeboten, jedoch nur 552 Gold-Ohrstecker.14 Cabochon-Schmuck kann relativ simpel hergestellt werden und die Anfertigung ist für Jedermann einfach zu erlernen, die Herstellung von Gold-Schmuck erfordert weitaus mehr Können (Goldschmied ist dennoch ein zulassungsfreies Gewerbe). Der hohe Konkurrenzdruck in einigen Produktsegmenten lässt viele Anbieter nach kurzer Zeit wieder vom Markt verschwinden, wie auch in der Gewerbeanzeigenstatistik deutlich wird: 706 876 Gewerbeanmeldungen stehen 675 511 Gewerbeabmeldungen im Jahr 2015 in Deutschland gegenüber. Dies entspricht einer Abmeldequote von 96 %. Betrachtet man nur die An- und Abmeldungen der Rechtsform Einzelunternehmen, welche hauptsächlich im Handmade-Bereich gewählt wird, beträgt die Quote sogar 99 % (461 745 Anmeldungen zu 458 667 Abmeldungen in 2015).15 Wobei noch einmal betont werden soll, dass es sich hierbei um alle Einzelunternehmen in Deutschland handelt, nicht nur um Handmade-Unternehmungen. Neben dem hohen Konkurrenzdruck und daraus entstehender Unwirtschaftlichkeit können auch rechtliche Schwierigkeiten Grund für die Gewerbeabmeldung sein. Da viele Quereinsteiger im Handmade-Bereich gründen, fehlt es häufig an Vorbildung und es passieren Fehler, welche möglicherweise abgemahnt werden. Abmahnungen sind mit hohen Kosten verbunden, die häufig in keiner Relation zum erwirtschafteten Gewinn stehen. Dies kann für Neugründer sehr ernüchternd sein und zur Aufgabe des Gewerbes führen.

1 Vgl. Pattydoo (Hrsg.), Skandinavisches Stoffdesign in Berlin 2014.[Letzter Zugriff: 07.09.2016].
2 Vgl. Friebe, Holm / Ramge, Thomas (2008): Marke Eigenbau. Der Aufstand der Massen gegen die Massenproduktion. 1. Aufl., Campus Verlag GmbH, Frankfurt am Main.
3 Vgl. Mai / Marder-Puch, Selbstständigkeit in Deutschland. Statistisches Bundesamt, Wiesbaden 2013. S. 490.
4 Vgl. Etsy (Hrsg.), Aufbau einer Etsy-Ökonomie: Das neue Gesicht des kreativen Unternehmertums 2016. [Letzter Zugriff: 07.09.2016].
5 Vgl. DaWanda (Hrsg.), Basisinformationen & Bilder 2016. [Letzter Zugriff: 07.09.2016].
6 Vgl. T3n (Hrsg.), Social Commerce [Letzter Zugriff: 07.09.2016].
7 In Ermangelung validierter Zahlen wurde am 06.04.2016 eine Vergleichssuche durchgeführt: Bei DaWanda werden 29 929 Cabochon-Ohrstecker gelistet, bei welchen Deutschland als Herkunftsland angegeben ist, bei Etsy hingegen sind es nur 522.
8 Vgl. T3n (Hrsg.), Konkurrenz für Etsy und DaWanda: „Handmade at Amazon“ gestartet. [Letzter Zugriff: 07.09.2016].
9 Vgl. 1&1 (Hrsg.), Erfolgreich online verkaufen. [Letzter Zugriff: 07.09.2016].
10 Vgl. Wenzel / Kirig / Rauch (2007), Zielgruppe LOHAS: Wie der grüne Lifestyle die Märkte erobert. 1. Aufl., Zukunftsinstitut, Frankfurt.
11 Vgl. Zucker Kommunikation (Hrsg.), Studie: 13 Millionen Deutsche sind Partizipative Konsumenten 2009 [Letzter Zugriff: 07.09.2016].
12 Kosten in Berlin, in anderen Bundesländern können die Gebühren abweichen
13 Vgl. Anlage A und Anlage B HWO.
14 Test-Suche erfolgte am 05.04.2016
15 Vgl. Statistisches Bundesamt (Hrsg.), Unternehmen und Arbeitsstätten 2016, S. 4ff.

Share:

Ist der Verkauf privat oder gewerblich?

Erste Schritte By Juli 13, 2016 Tags: , , No Comments

Die grundlegendste Kenntnis beim Verkauf von Produkten ist die, ob man privat oder als Unternehmer handelt. Viele Verkäufer sehen sich als Privatverkäufer, doch dies trifft de facto nur auf sehr wenige Situationen zu.

Wichtig ist diese Unterscheidung, da als Unternehmer zahlreiche Regeln des Verbraucherschutzes zu erfüllen sind, zudem unterliegt man als Unternehmer weiteren Steuerarten (Umsatzsteuer, Gewerbesteuer, Einkommenssteuer). Der Verkauf als Privatperson ist somit um einiges unkomplizierter. Ob man jedoch als Verbraucher (= privat) oder als Unternehmer einzuordnen ist, wird gesetzlich definiert. Der Unternehmerbegriff findet je nach Rechtsgebiet in Deutschland etwas abweichende Definitionen (z.B. BGB, HGB, UStG, EStG). Zusammengefasst gelten die Kriterien: Selbstständig, planmäßig, Beteiligung am wirtschaftlichen Verkehr, auf eine gewisse Dauer angelegt, gegen Entgelt angebotene Leistungen. 1
Auf die Praxis angewendet heißt das, auch der Verkauf kleiner Mengen, die Generierung eines geringen Umsatzes oder die ausschließliche Kostendeckung sind keine Kriterien für einen privaten Verkauf. Dieser liegt nur dann vor, wenn wirklich private Gegenstände verkauft werden, dies kann bei DaWanda z.B. im Rahmen der Vintage-Kategorie oder klassisch bei ebay geschehen. In Bezug auf Handmade-Produkte könnte möglicherweise der Verkauf eines Einzelstücks als privater Verkauf eingeordnet werden, wenn das Produkt ursprünglich nicht für den Verkauf, sondern bspw. als Geschenk für die Tochter gedacht war und wegen Nichtgefallens nun verkauft werden soll. Als Handmade-Gründer ist man jedoch fast immer unternehmerisch tätig.
Die unternehmerische Tätigkeit kann zusätzlich in Gewerbe, Freiberufler und Künstler untergliedert werden.

1  Vgl. BGH, Urteil vom 29.03.2006, Az. VIII ZR 173/05. Weiterhin: Münch-KommBGB/Micklitz, 4. Aufl., § 14 Rdnr. 12 ff.; Soergel/Pfeiffer, BGB, 13. Aufl., § 14 Rdnr. 11; Palandt/Heinrichs, BGB, 65. Aufl., § 14 Rdnr. 2 m.w.Nachw.

Share:

Was bedeutet Handmade?

Handmade-Branche By Juli 5, 2016 Tags: , , , 2 Comments

Handmade ist keine exakt definierte Bezeichnung und die Handmade-Branche kein klar abgegrenzter Geschäftszweig. In diesem Beitrag versuche ich jedoch den Begriff etwas einzugrenzen.

Handmade heißt aus dem Englischen übersetzt handgemacht. Im Rahmen dieses Blogs sind mit dem Begriff Handmade handgefertigte Produkte gemeint, dabei steht der Handmade-Verkauf, also der Verkauf handgefertigter Produkte, im Vordergrund. Die Erzeugnisse sind zumeist so aufwendig, dass das Erschaffene die Fähigkeiten des Käufers in der Regel übersteigt. Neben klassischer Handarbeit wie Nähen, Stricken und Häkeln, finden sich neue Techniken wie Betongießen und Schmuckherstellung aus Acryl. Klassisches Handwerk wie Buchbinden und Goldschmiede-Kunst werden aufgegriffen und finden in der Handmade-Branche neue Interessenten und Abnehmer. Traditionelle Techniken werden adaptiert und weiterentwickelt, es entstehen neue Produkte und neue Designs. Upcycling sowie nachhaltige und hochwertige Produktion sind Kernelemente der Handmade-Branche.
Der Handmade-Trend begann schon in den frühen 90ern mit der Crafting-Bewegung in Amerika. Damals bildeten sich Zirkel, die gemeinsam in Vergessenheit geratene Handarbeits- und Werktechniken wieder aufleben ließen. Mit Aufkommen des Internets fanden die Verfechter des Handgemachten in Foren und Verkaufsplattformen neue Wege der Kommunikation und des Vertriebs. Crafting ist jedoch mehr als der Verkauf von handgefertigten Produkten. Es versteht sich als politische Bewegung, deren Hauptanliegen die Abwendung von der industriellen Massenproduktion darstellt. Holm Friebe und Thomas Ramge haben es in ihrem Werk „Marke Eigenbau“ auf den Punkt gebracht: „[Crafting] betrifft sowohl die Ästhetik der auf traditionelle Weise handgefertigten Produkte als auch die Selbstwahrnehmung ihrer Schöpfer.“
In Deutschland hat sich der Begriff Handmade durchgesetzt, welcher aber nicht 1:1 dem Crafting entspricht. Klassische Handarbeit im traditionellen Rahmen, von der sich Craftitas klar abgrenzen, gehört genauso zum Handmade wie innovativere Ansätze. Beiden Richtungen ist aber gemein, dass hochwertige Produkte zu fairen Preisen produziert werden. Der Produzent identifiziert sich mit dem Produkt und ist als Persönlichkeit Teil der Marke.
Eine weitere Abgrenzung ist zur DIY – Do It Yourself Community vorzunehmen. Wie der Name schon vermuten lässt, machen DIY-Fans gerne alles selbst, das kann über genähte Kleidung und selbstgebaute Möbel bis hin zu selbstgemachtem Senf und Salami reichen. Wesentlich ist hierbei, dass DIYs im privaten für sich selbst, Freunde oder Familie produzieren. Häufig werden die hergestellten Unikate einer Fan-Gemeinde auf Blogs oder Facebook-Seiten präsentiert. Sobald aus den Unikaten Kleinserien werden und die Herstellung nicht mehr nur für den privaten Kreis geschieht, wird die Produktion gewerblich und sie sind den Handmade-Gründern zuzurechnen. Sehr viele Handmade-Unternehmen sind aus DIY-Projekten hervorgegangen.

 
Vgl. Friebe, Holm / Ramge, Thomas (2008): Marke Eigenbau. Der Aufstand der Massen gegen die Massenproduktion. 1. Aufl., Campus Verlag GmbH, Frankfurt am Main.

Share: