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Handmade

Arbeitsmittel: Kalender

Workflow By Januar 11, 2017 Tags: , , No Comments

Neues Jahr  –  Neues Glück? Neuer Kalender!

Bei mir als Buchliebhaberin und Buchbinderin ist es nicht verwunderlich, dass ich noch nicht auf die digitale Version des Kalenders umgestiegen bin. Ich brauche einen Kalender aus Papier, um mich und mein Business zu ordnen. Ich möchte erfüllte ToDos stolz abkreuzen, lästigere ToDos kraftvoll durchstreichen, Veranstaltungen voller Vorfreude kunstvoll umkringeln, wichtige Termine mit großen Ausrufezeichen versehen und natürlich auch Eintrittskarten, Papiermuster, Kundennotizen etc. einkleben. So führt mich der Kalender durch das Jahr und ist rückblickend eine tolle Erinnerung, eine Art Tagebuch.

Umso erstaunlicher ist jedoch (auch für mich), dass ich keinen von mir selbst designten und gebundenen Kalender verwende. Noch nie (bislang). Vielleicht ist das vergleichbar mit einem Koch, der keine Lust mehr hat zuhause zu kochen? Obwohl… ich nutze ja all meine anderen Produkte sehr gerne privat. Na vielleicht nächstes Jahr 😉

Dieses Jahr nutze ich den Eco-Friendly Taschenkalender der Monkey Mind Stationery [Link zum DaWanda-Shop der Monkey Mind Stationery]. Besonders zauberhaft: In dem Bereich für ToDos gibt es die Kategorie „myself“, also Platz für Dinge, die ich mir selbst gönnen möchte.

monkeymindstationery

Bereits seit vielen vielen Jahren nutze ich Kalender von Moleskine. Auf dem Foto erhascht ihr einen Blick in mein Bücherregal und seht, wieviele Moleskine-Kalender sich schon angesammelt haben. Dieses ist meine Lieblingsausführung [Link zu Amazon]. Eine Doppelseite steht hierbei für eine Woche, wobei die rechte Seite komplett frei ist für Notizen, ToDo-Listen etc. Viele weitere freie Seiten bieten Platz für Anmerkungen, Bestelllisten, Ideensammlungen etc.

kalender

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Der Gründungsbegriff

Handmade-Branche By Oktober 19, 2016 Tags: , , No Comments

Das Gebiet der Gründung ist ein eigener Forschungszweig und es gibt vielfältige Ansätze, welche die Problematik auf unterschiedlichste Art durchleuchten. Da der Handmade / Crafting – Bereich noch relativ jung ist, gibt es in diesem Gebiet weniger Untersuchungen. Daher habe ich mich mit dem Thema beschäftigt.

Als Gründung bezeichnet man „die Errichtung eines arbeitsfähigen, erwerbswirtschaftlichen Betriebs“.1 Bei einer Unternehmensgründung wird in originäre Gründung und aufbauende Gründung unterschieden.2 Die originäre Gründung ist eine klassische Existenzgründung, hierbei wird ein Unternehmen vollständig neu entwickelt und erschafft. Von jener Art Gründung handelt dieser Blog. Eine aufbauende oder derivative Gründung geht hingegen immer aus einem bestehenden Unternehmen hervor, bspw. als Abspaltung, Betriebsübernahme oder Franchise-Gründung. Die aufbauende Gründung soll nicht Gegenstand dieses Blogs sein.
Eine Gründung erfolgt nicht zu einem Zeitpunkt, sondern umfasst einen Prozess und somit eine zeitliche Phase, deren Länge stark variabel ist. Die formale Gründung erfolgt durch die Gewerbeanmeldung.3 Für die Phasen der Unternehmensentwicklung existieren verschiedene Modelle, wobei das Ende der Gründungsphase dabei unterschiedlich definiert wird. Nach Klandt (1999), Nathusius (1998, 2001) und Kulicke (1991) endet die Gründungsphase bereits mit Markteintritt. In den Modellen von Szyperski/Nathusius (1999) und Zacharias (2001) reicht die Gründungsphase bis in den laufenden Geschäftsbetrieb hinein.4 In der Abbildung ist dargestellt, wie ich die Gründungphasen nach Beobachtung der Handmade-Branche definieren würde.

Von wichtiger Bedeutung für das Ende der Gründungsphase ist die Aneignung des gründungsrelevanten Wissens. Je nachdem wie schnell der Gründer das notwendige Gründungswissen erlangt, ist die Gründungsphase abgeschlossen. Da dies nur im Optimum zum Zeitpunkt des Markteintrittes der Fall ist, wird angenommen, dass die Gründungsphase in der Regel bis in den laufenden Geschäftsbetrieb hinein reicht.
Handmade-Unternehmen wachsen in der Regel sehr langsam, da zumeist wenig finanzielle und personelle Ressourcen vorhanden sind. Daher ist die Gründung oftmalig nicht nach wenigen Wochen abgeschlossen, sondern kann über Jahre dauern. Wächst das Unternehmen, so wird der Kundenkreis größer, die Absatzzahlen erhöhen sich und neue Märkte werden erschlossen. Hierfür muss auch das Gründungswissen erweitert werden. Eine Besonderheit bei der Handmade-Branche in Bezug auf das Gründungswissen ist, dass häufig nur eine einzelne Person firm auf vielen verschiedenen Gebieten sein muss. Ursächlich hierfür sind einerseits die bereits erwähnten geringen Ressourcen, sodass der Gründer alleine für alle Aspekte das Unternehmen betreffend verantwortlich ist. Andererseits sind die benötigten Kompetenzen in der Handmade-Branche auch breiter gefächert, als es in anderen Gebieten der Fall wäre. Für Künstler bspw. liegt das vordergründige Basiswissen im Urheberrecht, für den Handel in der Preisangabenverordnung, für technische Startups im Patentrecht und für E-Commerce im IT-Recht. Zudem zählt für viele Handmade-Gründer das „Selbermachen“ derart zum Charakter des Unternehmens, dass es nicht nur auf die Produkte, sondern auf die komplette Unternehmenskultur auszuweiten ist, d.h. das gesamte Unternehmen mit allen Erfordernissen ist „selbstgemacht“.

1 Achleitner / Breuer / Breuer, Gabler Wirtschaftslexikon, Stichwort: Gründung 2012.
2 Vgl. Szyperski / Nathusius, Probleme der Unternehmensgründung: Eine betriebswirtschaftliche Analyse unternehmerischer Startbedingungen 1977, S. 26f.
3 Je nach Unternehmensform. Bei einem Freiberufler ist bspw. keine Gewerbeanmeldung nötig, bei einer GmbH eine notarielle Urkunde. Bei Handmade-Gründern ist die Unternehmensform Einzelunternehmen jedoch am häufigsten vertreten.
4 Vgl. Wittenberg, Controlling in jungen Unternehmen 2006 S. 28.

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Weihnachtsstress

Workflow By September 14, 2016 Tags: , , 2 Comments

Es ist Mitte September und der Blog-Post handelt von Weihnachtsstress? Bin ich im Datum verrutscht? Nein – denn schon jetzt solltet ihr euch auf das Weihnachtsgeschäft vorbereiten, damit ihr möglichst stressfrei durch die Weihnachtszeit kommt.

Meine Vorbereitung beginnt ganz entspannt – ich fahre meist im September nochmal kurz (oder lang  😉 ) in den Urlaub, um Kräfte zu sammeln für die kommende Zeit, denn in den nächsten 3 Monaten wird es kaum ein freies Wochenende geben.
Zunächst beginne ich damit, dass ich alles abarbeite, was über die letzten Monate liegen geblieben ist: Angefangene Projekte, unfertige Produkte oder neue Materialien, die verarbeitet werden wollen. Wenn ihr spezielle Weihnachtsprodukte oder Silvester-/Neujahrsartikel habt, dann sollten diese auch jetzt schon vorbereitet werden. Diese neuen Produkte pflege ich dann in den Shop ein.
Anschließend fülle ich das Lager auf. Ich überprüfe die Bestände, kaufe neue Materialien ein. Wichtig ist es auch, genügend Verpackungsmaterial vorrätig zu haben. Es ist eine wirklich unnötige Situation, wenn das fertige Produkt nicht verschickt werden kann, weil es an einem Versandkarton mangelt. Denkt immer daran, auch eure Zulieferer werden in dieser besonderen Zeit mehr zu tun haben. Verlasst euch daher nicht auf die Lieferzeit, die ihr gewohnt seid und rechnet für die Lieferung ein paar Tage mehr ein. Auch die Bestände eurer Druckprodukte und Büromaterialien solltet ihr überprüfen. Habt ihr genügend Visitenkarten und Flyer? Quittungsblocks und Druckerpapier? All dies sollte einer kurze Überprüfung unterzogen werden, damit ihr den Überblick habt und nicht mitten im Weihnachtsstress davon überrascht werdet. Dies ist natürlich mit Investitionen und dem Bedarf an Lagerkapazitäten verbunden, ihr solltet daher realistisch einschätzen, wieviel ihr in den nächsten Monaten verkaufen werdet.
Weiterhin bringe ich die Buchhaltung auf den neusten Stand, diese muss in den Weihnachtsmonaten größtenteils zurückgestellt werden. Damit ich im Januar diesbezüglich nicht ganz soviel zu tun habe, widme ich ihr jetzt nochmal etwas mehr Zeit.
Anschließend fange ich an zu produzieren. Ich bereite möglichst viel vor, mache Zuschnitte, falze Fotokarton, sortiere Stoffe etc. Von den meistverkauften Produkten habe ich eh immer ein paar auf Lager, dieser Bestand wird erhöht und zusätzlich werden auch Produkte vorgefertigt, die ich nicht ganz so oft verkaufe. Auch die Bestände meiner Produkte in den Geschäften, in welchen ich vertreten bin, werden einer Überprüfung unterzogen. Gegebenenfalls sende ich neue Produkte dorthin oder produziere zumindest schon etwas mehr im Hinblick auf diese Geschäfte, um auch während der Weihnachtszeit stressfrei dorthin liefern zu können. Verkauft ihr eure Produkte auf einem Weihnachtsmarkt, so muss auch dafür produziert werden. Macht euch rechtzeitig Gedanken, was ihr für diesen Markt alles braucht und erledigt soviel wie möglich, bevor die stressige Zeit beginnt.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass ich möglichst früh alles erledige, was nicht „just in time“ im Weihnachstgeschäft erledigt werden muss. Dies hilft mir, stressfrei durch die Weihnachtszeit zu kommen. Um euch zu helfen, möglichst entspannt diese Zeit zu erleben, habe ich eine Checkliste erstellt, welche ihr gerne runterladen und ausdrucken könnt.

 

Checkliste_Weihnachtsvorbereitung

Checkliste Weihnachtsvorbereitung als PDF

 

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Entwicklungen auf dem Markt für Handmade

Handmade-Branche By September 7, 2016 Tags: , , , , No Comments

Die Handmade-Branche hat sich erst in den letzten Jahren als eigener Erwerbszweig in Deutschland entwickelt. Wie kam es dazu und was sind die Ursachen?

Die Anzahl der Gründungen im Handmade-Bereich ist schwierig zu deklarieren, da sie nicht eindeutig einer klassischen Branche zuzuordnen sind, wie es bspw. bei der IT-Branche der Fall ist. Nach Beobachtung der Branche haben Handmade-Unternehmungen jedoch stark zugenommen, was auch mit dem Boom der DIY-Branche einhergeht. Dieser Trend ist gleicherweise auf anderen Kanälen bemerkbar: Die dänische Kette Stoff & Stil, bei der Schnitt- und Strickmuster mit allen benötigten Materialien und Werkzeugen in einem Geschäft gekauft werden können, hat mit ihrem bislang einzigartigen Konzept Ende 2014 ihre erste Filiale in Berlin eröffnet und expandiert weiter.1 Täglich werden Anleitungen, Schnittmuster und DIY-Bücher publiziert. In der Fernsehshow „Geschickt eingefädelt“ mit dem Designer Guido Maria Kretschmer werden auf dem Fernsehsender VOX Nähprojekte durchgeführt und begleitet. Im öffentlichen Bild hat DIY stark zugenommen und mittlerweile einen besseren Ruf, das Bild der „strickenden Großmutter“ und des „Großvaters im Bastelkeller“ hat sich gewandelt.2
Statistisch erfasst ist zudem eine Zunahme der künstlerischen Berufe,3 welchen viele der Handmade-Gründungen zuzurechnen sind. Handmade ist ein Gebiet, welches sich optimal für die eigene Selbstverwirklichung und als Nebenerwerb anbietet. Viele Arbeitnehmer suchen nach einem Ausgleich neben dem Schreibtischjob, bei dem sie ihre Kreativität ausleben können und körperlich tätig sein können.4 Wenn sich damit auch noch Geld verdienen lässt, umso besser. Häufig wird so das Hobby zum Beruf. Noch vor einigen Jahren wäre diese Tätigkeit im privaten Kreis geblieben, ein Verkauf wäre evtl. im Bekanntenkreis oder ab und zu auf einem Markt möglich gewesen. Ohne das Internet und seine Möglichkeiten würden Handmade-Verkäufer jedoch nicht in diesem Umfang am Markt teilnehmen, wie sie es heute tun. Plattformen wie ebay, DaWanda und Etsy bieten die ideale Basis hierfür. DaWanda ist eine Online-Plattform für Handgemachtes, wo jeder Marktteilnehmer innerhalb weniger Minuten einen Shop eröffnen und seine Produkte anbieten kann. Das Unternehmen wurde 2006 in Berlin gegründet. Die Anmeldung ist für Käufer sowie Verkäufer kostenfrei, das Einstellen der Produkte verursacht dem Verkäufer Kosten von 10–30 Cent, bei verkauften Artikeln erhält DaWanda eine Provision von 5 %. Mittlerweile werden über 5,7 Millionen Artikel von über 340 000 Verkäufern angeboten und es kommen täglich neue hinzu.5 Diese Art der Plattform wird als Social Commerce bezeichnet.6 Es handelt sich hierbei um keine statische Verkaufsseite, die Nutzer haben die Möglichkeit miteinander zu interagieren: Sie können sich austauschen, Produkte kommentieren, bewerten und merken sowie Individualisierungswünsche an den Verkäufer richten. Dieser fertigt dann zumeist ein Produkt individuell auf die Wünsche des Kunden zugeschnitten an. Der gesamte Bestell- und Bezahlprozess wird dabei seitens DaWanda gestellt, sodass der Verkauf über die Plattform denkbar einfach ist. Etsy ist das weltweite Pendant zu DaWanda. Trotz der Pionier-Funktion ist es in Deutschland bei weitem nicht so erfolgreich wie DaWanda, der Marktanteil nimmt jedoch stetig zu.7 Auch Amazon bietet mit der Sparte „Handmade at Amazon“ seit kurzem eine Plattform für Handmade-Verkäufer, bislang ist diese allerdings nur über die englischsprachige Version www.amazon.com erreichbar.8 [Update 12.10.2016: Handmade at Amazon gibt es nun auch für den deutschen Markt.] In den letzten Jahren haben immer mehr Anbieter von Content Management Systemen (CMS) das Erstellen von Online-Shops via Baukasten-System relativ einfach möglich gemacht. Gegen eine geringe monatliche Gebühr (z.B. 1&1 4,99 € Grundpreis)9 kann sich so jeder Verkäufer seinen eigenen Online-Shop erstellen. Als Anbieter sind bspw. 1&1, Jimdo, Gambio und Supr zu nennen. Durch diese modernen Möglichkeiten des E-Commerce ist eine sehr viel höhere Zielgruppe als zu früheren Zeiten erreichbar.
Eine weitere Vertriebsform, welche sich in den letzten Jahren etabliert hat, sind spezielle Handmade-Märkte. Diese Design-Märkte gibt es regelmäßig in jeder größeren Stadt, Attribute wie Nachhaltigkeit, Regionalität oder fairer Handel charakterisieren diese zusätzlich. Einige dieser Märkte werden von DaWanda oder Etsy gesponsert.
Der Bedarf an Handmade-Produkten steigt, der Trend geht von seelenlosen Massenartikeln hin zu individuellen Produkten. Immer mehr Produktgruppen sind heutzutage in individualisierter und personalisierter Ausführung verfügbar. Als Beispiele sind hier eigene Müslimischungen von ­mymuesli oder die Anfertigung von Kuscheltieren nach gezeichneter Vorlage von Child‘s Own Studio zu nennen. Auch jegliche Produkte in Wunschfarbkombination sowie mit personalisiertem Aufdruck sind heute keine Seltenheit mehr. Diese Individualität kann zwar auch von einigen größeren und zumeist industriellen Unternehmen angeboten werden, sie ist jedoch das Spezialgebiet für meistens kleinere Handmade-Gründungen. Handmade-Unternehmen sind häufig ein-Mann-Betriebe oder haben maximal einige wenige Mitarbeiter und somit viel kürzere Kommunikations- und Produktionswege. Die Flexibilität ist in vielerlei Hinsicht höher als bei größeren Firmen. Dadurch können schneller neue Produkte auf den Markt gebracht werden, auf Trends kann zügiger eingegangen werden und Kundenwünsche können schneller und unkomplizierter umgesetzt werden. Die Anfertigung von stark individualisierten Produkten bis hin zu Unikaten ist ein Alleinstellungsmerkmal von Handmade. Ein weiteres Alleinstellungsmerkmal ist die Persönlichkeit, welche mit den Produkten verbunden wird und hinter diesen steht. Die Artikel sind nicht anonym. Häufig kennt der Käufer den Produzenten, zumindest via Internet. Dies wird unterstützt durch Blogs und andere Social Media Kanäle, auf denen der Kunde einiges über die Produkte und den Verkäufer erfahren kann. Die Verwendung von „du“ als Anrede zwischen Käufer und Verkäufer ist nicht unüblich, ebenso wie ein gelegentlicher Blick hinter die Kulissen und Kundenkontakte spätabends oder auch sonn- und feiertags. Diese Verfügbarkeit außerhalb der gewöhnlichen Geschäftszeiten wird mittlerweile von vielen Kunden erwartet, sie ist aber auch in der besonderen Motivation vieler Handmade-Verkäufer begründet. Das eigene Geschäft zu führen und unabhängig nach eigenen Prioritäten zu handeln sowie das Bedürfnis nach Selbstverwirklichung und die Hoffnung davon leben zu können, lassen die Bereitschaft persönliche Ressourcen zu investieren enorm wachsen. Ein weiterer Anreiz ist die differente Arbeitsatmosphäre, welche in der Handmade-Branche vorherrscht. Man spricht hier von Peer Production, Aufträge werden untereinander abgegeben und gegenseitig werden Leistungen empfangen. In gemeinschaftlichen Workspaces wird gearbeitet und Märkte und Events werden gemeinschaftlich organisiert. Häufig ist die Arbeitswelt um einiges sozialer als in herkömmlichen Arbeitsmodellen.
Als Zielgruppe der Handmade-Branche kann der Konsumententyp LOHAS (Lifestyle of Health and Sustainability) festgelegt werden.10 LOHAS-Konsumenten sind gesundheitsbewusst, legen Wert auf Nachhaltigkeit und Individualität und konsumieren sehr hochwertig. Eine Untergruppe der Lohas sind die PARKOS (partizipativer Konsument), welche aktiv und intensiv das Internet nutzen.11 Diese gehören ebenfalls zur Zielgruppe der Handmade-Branche.
Ein weiterer Grund für die positive Entwicklung des Handmade-Marktes neben dem vorhandenen Bedarf nach individuellen Artikeln sowie der Motivation der Gründer, ist die Unkompliziertheit der formalen Unternehmensgründung. Ein Gewerbe kann für 26 € in wenigen Minuten via Internet angemeldet werden.12 Weitere Genehmigungen sind nur in speziellen Fällen, wie zum Beispiel für den Ausschank von alkoholischen Getränken die Schanklizenz, vonnöten. Im Handwerk unterliegen derzeit 41 Berufe der Zulassungspflicht, für diese muss ein Qualifikationsnachweis wie bspw. ein Meisterbrief vorgelegt werden. 110 Handwerke oder handwerksähnliche Gewerbe sind hingegen zulassungsfrei.13 Auch nach der formalen Gründung müssen selten Nachweise über das Gewerbe erbracht werden. So kann bspw. auf DaWanda ohne Gewerbe verkauft werden. Rechtlich ist dies zwar nicht erlaubt, es wird jedoch in keiner Form kontrolliert. Auch auf den meisten Designmärkten ist die Vorlage des Gewerbescheins nicht gefordert. Neben der Einfachheit der Gründungsformalitäten sind gleichermaßen weitere Gründungsbarrieren sehr gering. Zumeist ist der Kapitalbedarf sehr niedrig. Anfänglich geringe Stückzahlen erfordern wenig Kapitalbindung durch größere Rohstoff-Einkäufe. Die Fixkosten können niedrig gehalten werden, da die Anmietung von Räumlichkeiten in der Regel zunächst nicht zwingend notwendig ist, die Arbeit kann im privaten Wohnraum verrichtet werden.
Dieser Entwicklung ist jedoch entgegenzuhalten, dass es sehr schwierig ist, langfristigen Erfolg mit der Unternehmung zu haben. Das trifft zwar auf jegliche Unternehmensgründung zu, im Handmade-Bereich wird der Erfolg jedoch zusätzlich dadurch erschwert, dass so viele Anbieter auf den Markt drängen. Die zuvor genannten Anreize für eine Gründung in dem Bereich machen diese für eine Vielzahl an Handmade-Begeisterten attraktiv. Je gewöhnlicher eine Tätigkeit ist, desto mehr Fertiger drängen auf den Markt. Als Beispiel: Bei DaWanda werden 33 862 Cabochon-Ohrstecker angeboten, jedoch nur 552 Gold-Ohrstecker.14 Cabochon-Schmuck kann relativ simpel hergestellt werden und die Anfertigung ist für Jedermann einfach zu erlernen, die Herstellung von Gold-Schmuck erfordert weitaus mehr Können (Goldschmied ist dennoch ein zulassungsfreies Gewerbe). Der hohe Konkurrenzdruck in einigen Produktsegmenten lässt viele Anbieter nach kurzer Zeit wieder vom Markt verschwinden, wie auch in der Gewerbeanzeigenstatistik deutlich wird: 706 876 Gewerbeanmeldungen stehen 675 511 Gewerbeabmeldungen im Jahr 2015 in Deutschland gegenüber. Dies entspricht einer Abmeldequote von 96 %. Betrachtet man nur die An- und Abmeldungen der Rechtsform Einzelunternehmen, welche hauptsächlich im Handmade-Bereich gewählt wird, beträgt die Quote sogar 99 % (461 745 Anmeldungen zu 458 667 Abmeldungen in 2015).15 Wobei noch einmal betont werden soll, dass es sich hierbei um alle Einzelunternehmen in Deutschland handelt, nicht nur um Handmade-Unternehmungen. Neben dem hohen Konkurrenzdruck und daraus entstehender Unwirtschaftlichkeit können auch rechtliche Schwierigkeiten Grund für die Gewerbeabmeldung sein. Da viele Quereinsteiger im Handmade-Bereich gründen, fehlt es häufig an Vorbildung und es passieren Fehler, welche möglicherweise abgemahnt werden. Abmahnungen sind mit hohen Kosten verbunden, die häufig in keiner Relation zum erwirtschafteten Gewinn stehen. Dies kann für Neugründer sehr ernüchternd sein und zur Aufgabe des Gewerbes führen.

1 Vgl. Pattydoo (Hrsg.), Skandinavisches Stoffdesign in Berlin 2014.[Letzter Zugriff: 07.09.2016].
2 Vgl. Friebe, Holm / Ramge, Thomas (2008): Marke Eigenbau. Der Aufstand der Massen gegen die Massenproduktion. 1. Aufl., Campus Verlag GmbH, Frankfurt am Main.
3 Vgl. Mai / Marder-Puch, Selbstständigkeit in Deutschland. Statistisches Bundesamt, Wiesbaden 2013. S. 490.
4 Vgl. Etsy (Hrsg.), Aufbau einer Etsy-Ökonomie: Das neue Gesicht des kreativen Unternehmertums 2016. [Letzter Zugriff: 07.09.2016].
5 Vgl. DaWanda (Hrsg.), Basisinformationen & Bilder 2016. [Letzter Zugriff: 07.09.2016].
6 Vgl. T3n (Hrsg.), Social Commerce [Letzter Zugriff: 07.09.2016].
7 In Ermangelung validierter Zahlen wurde am 06.04.2016 eine Vergleichssuche durchgeführt: Bei DaWanda werden 29 929 Cabochon-Ohrstecker gelistet, bei welchen Deutschland als Herkunftsland angegeben ist, bei Etsy hingegen sind es nur 522.
8 Vgl. T3n (Hrsg.), Konkurrenz für Etsy und DaWanda: „Handmade at Amazon“ gestartet. [Letzter Zugriff: 07.09.2016].
9 Vgl. 1&1 (Hrsg.), Erfolgreich online verkaufen. [Letzter Zugriff: 07.09.2016].
10 Vgl. Wenzel / Kirig / Rauch (2007), Zielgruppe LOHAS: Wie der grüne Lifestyle die Märkte erobert. 1. Aufl., Zukunftsinstitut, Frankfurt.
11 Vgl. Zucker Kommunikation (Hrsg.), Studie: 13 Millionen Deutsche sind Partizipative Konsumenten 2009 [Letzter Zugriff: 07.09.2016].
12 Kosten in Berlin, in anderen Bundesländern können die Gebühren abweichen
13 Vgl. Anlage A und Anlage B HWO.
14 Test-Suche erfolgte am 05.04.2016
15 Vgl. Statistisches Bundesamt (Hrsg.), Unternehmen und Arbeitsstätten 2016, S. 4ff.

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Namensfindung

Erste Schritte By August 24, 2016 Tags: , , , No Comments

Immer wieder lese ich in Foren die Bitte um Hilfe bei der Namensfindung. Sätze wie „Hilfe, mir fällt kein Name ein“ oder „bitte helft mir mal einen Namen für mein Label zu finden“ sind keine Seltenheit. Der Label-Name ist das, was unter anderem als erstes in Erscheinung tritt und euch im besten Fall das ganze Leben lang begleitet. Er sollte daher gut durchdacht und sorgfältig ausgewählt werden. Dies kann ein Prozess über mehrere Tage oder Wochen sein.

Eine Möglichkeit der kreativen Namensfindung ist ein Brainstorming in Form einer Mind Map. Man schreibt hierfür zunächst alle Wörter nieder, die in Bezug auf das eigene Unternehmen einfallen. Bei der Wortwahl gibt es keine Einschränkungen, auch Werte bspw. gehören in eine Mind Map. Wichtig ist dabei, sich keinerlei Grenzen zu setzen, nehmt euch Zeit, Ruhe und viel Papier. Anschließend „spielt“ man mit den Wörtern ein wenig rum, kombiniert sie, ändert die Reihenfolge etc. Meist entsteht so schon eine kleine Auswahl an möglichen Namen. Oft hilft es dann die Map ein paar Tage liegen zu lassen und nach einiger Zeit mit frischen Gedanken sich erneut mit der Namensfindung zu beschäftigen. An dieser Stelle ist es natürlich auch ok, sich ein wenig Input von Außen zu holen. Der Grundgedanke sollte aber dennoch vom Gründer selbst kommen, denn dieser muss sich mit dem Namen identifizieren und hinter ihm stehen.

Ebenfalls problematisch kann es sein, den Namen nach einiger Zeit wieder zu ändern, auch das sehe ich leider viel zu häufig. Eine nachträgliche Namensänderung führt dazu, dass der Internetauftritt und alle Social-Media-Präsenzen umbenannt werden müssen. Visitenkarten und Flyer müssen neu gedruckt werden, so eine Änderung kann also auch erhebliche finanzielle Folgen haben. Für uns als Handmade-Gründer die schlimmste Folge ist jedoch der mögliche Verlust von Kunden. Eure Kunden kennen euch unter einem Namen und wollen sie nun erneut bestellen, finden sie euch vielleicht nicht wieder. Mir erging es aus Kundensicht auch schon einmal so. Ich hatte bei Facebook einen Künstler entdeckt, der wunderschöne Zeichnungen als Postkartendrucke anbot. Nach einiger Zeit entschied ich mich dort Karten zu bestellen, konnte ihn bei Facebook unter dem entsprechenden Namen aber nicht mehr finden. Monate später erblickte ich ihn glücklicherweise auf einem Handmade-Markt in Berlin und stellte fest, dass er sein Label umbenannt hatte. Mich hat er durch diesen Zufall als Kunden behalten, aber wie viele Kunden hat er verloren?
Ist ein guter Name gefunden, so sollte überprüft werden, dass er noch nicht am Markt existiert. Dies kann über eine einfache Internetsuche sowie eine Recherche beim Deutschen Patent- und Markenamt (DPMA) erfolgen. Beim DPMA kann man einen Label-Namen als Marke eintragen lassen. Ob euer präferierter Name noch nicht von einem anderen Unternehmen registriert wurde, kann via Einsteigerrecherche kontrolliert werden.
Weiterhin ist zu beachten, dass Einzelunternehmer, die nicht ins Handelsregister eingetragen sind (was auf die meisten Handmade-Gründer zutrifft), im Geschäftsverkehr nicht mit ihrem Label-Namen, sondern mit Vor- und Nachname auftreten sollten. Der Label-Name kann jedoch zusätzlich aufgeführt werden. Die gesetzliche Verpflichtung ist diesbezüglich entfallen: „§§ 15a und 15b der Gewerbeordnung wurden durch Artikel 9 Nummer 3 des Dritten Gesetzes zum Abbau bürokratischer Hemmnisse insbesondere in der mittelständischen Wirtschaft (Drittes Mittelstandsentlastungsgesetz) vom 17. März 2009 (BGBl. I S. 550) aufgehoben. Die gesetzliche Verpflichtung […] zur Angabe des Namens und einer ladungsfähigen Adresse im Schriftverkehr sind damit entfallen. Es stellt eine Selbstverständlichkeit dar, […] Namen und Adresse in Geschäftsbriefen mitzuteilen. Eine explizite gesetzliche Verpflichtung dazu ist daher nicht erforderlich.“1 Die Angabe des vollständigen Namens im Impressum ist jedoch gesetzlich in § 5 TMG festgelegt.

1 Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie, Stellungnahme der Bundesregierung zu der Entschließung des Bundesrates zur Verordnung über Informationspflichten für Dienstleistungserbringer 2011.

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Was bedeutet Handmade?

Handmade-Branche By Juli 5, 2016 Tags: , , , 2 Comments

Handmade ist keine exakt definierte Bezeichnung und die Handmade-Branche kein klar abgegrenzter Geschäftszweig. In diesem Beitrag versuche ich jedoch den Begriff etwas einzugrenzen.

Handmade heißt aus dem Englischen übersetzt handgemacht. Im Rahmen dieses Blogs sind mit dem Begriff Handmade handgefertigte Produkte gemeint, dabei steht der Handmade-Verkauf, also der Verkauf handgefertigter Produkte, im Vordergrund. Die Erzeugnisse sind zumeist so aufwendig, dass das Erschaffene die Fähigkeiten des Käufers in der Regel übersteigt. Neben klassischer Handarbeit wie Nähen, Stricken und Häkeln, finden sich neue Techniken wie Betongießen und Schmuckherstellung aus Acryl. Klassisches Handwerk wie Buchbinden und Goldschmiede-Kunst werden aufgegriffen und finden in der Handmade-Branche neue Interessenten und Abnehmer. Traditionelle Techniken werden adaptiert und weiterentwickelt, es entstehen neue Produkte und neue Designs. Upcycling sowie nachhaltige und hochwertige Produktion sind Kernelemente der Handmade-Branche.
Der Handmade-Trend begann schon in den frühen 90ern mit der Crafting-Bewegung in Amerika. Damals bildeten sich Zirkel, die gemeinsam in Vergessenheit geratene Handarbeits- und Werktechniken wieder aufleben ließen. Mit Aufkommen des Internets fanden die Verfechter des Handgemachten in Foren und Verkaufsplattformen neue Wege der Kommunikation und des Vertriebs. Crafting ist jedoch mehr als der Verkauf von handgefertigten Produkten. Es versteht sich als politische Bewegung, deren Hauptanliegen die Abwendung von der industriellen Massenproduktion darstellt. Holm Friebe und Thomas Ramge haben es in ihrem Werk „Marke Eigenbau“ auf den Punkt gebracht: „[Crafting] betrifft sowohl die Ästhetik der auf traditionelle Weise handgefertigten Produkte als auch die Selbstwahrnehmung ihrer Schöpfer.“
In Deutschland hat sich der Begriff Handmade durchgesetzt, welcher aber nicht 1:1 dem Crafting entspricht. Klassische Handarbeit im traditionellen Rahmen, von der sich Craftitas klar abgrenzen, gehört genauso zum Handmade wie innovativere Ansätze. Beiden Richtungen ist aber gemein, dass hochwertige Produkte zu fairen Preisen produziert werden. Der Produzent identifiziert sich mit dem Produkt und ist als Persönlichkeit Teil der Marke.
Eine weitere Abgrenzung ist zur DIY – Do It Yourself Community vorzunehmen. Wie der Name schon vermuten lässt, machen DIY-Fans gerne alles selbst, das kann über genähte Kleidung und selbstgebaute Möbel bis hin zu selbstgemachtem Senf und Salami reichen. Wesentlich ist hierbei, dass DIYs im privaten für sich selbst, Freunde oder Familie produzieren. Häufig werden die hergestellten Unikate einer Fan-Gemeinde auf Blogs oder Facebook-Seiten präsentiert. Sobald aus den Unikaten Kleinserien werden und die Herstellung nicht mehr nur für den privaten Kreis geschieht, wird die Produktion gewerblich und sie sind den Handmade-Gründern zuzurechnen. Sehr viele Handmade-Unternehmen sind aus DIY-Projekten hervorgegangen.

 
Vgl. Friebe, Holm / Ramge, Thomas (2008): Marke Eigenbau. Der Aufstand der Massen gegen die Massenproduktion. 1. Aufl., Campus Verlag GmbH, Frankfurt am Main.

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