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Preisangabenverordnung

Versandkosten-Pauschale

E-Commerce By Juli 18, 2017 Tags: , , , 2 Comments

Ab und an werde ich von Kunden gefragt, warum meine Versandkosten denn so hoch sind, „das Porto ist doch viel billiger“. Ich fasse solche Anfragen keineswegs böse auf, die meisten Kunden wissen einfach nicht, was neben dem Porto außerdem für Kosten für uns Verkäufer anfallen. Ich versuche den Kunden die berechneten Versandkosten dann möglichst transparent aufzuzeigen, bislang ausnahmslos fanden dies alle Kunden interessant und bedankten sich höflich für die Information. Die folgende Berechnung (siehe Abbildung) könnt ihr euren Kunden gerne ebenfalls zur Verfügung stellen. Im heutigen Beitrag möchte ich euch aufzeigen, was es bei den Versandkosten zu beachten gibt und wie sich meine Versandkosten-Pauschale zusammensetzt.

Die rechtlich korrekte Angabe von Preisen ist im Online-Handel in der Preisangabenverordnung geregelt. In dieser wird auch festgelegt, dass ggf. anfallende Versandkosten transparent aufgezeigt werden müssen. Werden Versandkosten berechnet, so muss angegeben werden, dass der Endpreis mit Hinzurechnung dieser Versandkosten erhoben wird (z.B. „zzgl. Versandkosten),1 dieser Hinweis sollte mit einer Versandkostenübersicht verknüpft sein.2 Fallen keine zusätzlichen Versandkosten an, so muss dies in gleicher Weise dargestellt werden (z.B. „keine Versandkosten“ oder „inkl. Versand“).
Wie hoch die jeweiligen Versandkosten sind, kann individuell vom Verkäufer selbst festgelegt werden. Hierfür gibt es verschiedene Möglichkeiten. Eine Variante ist es, nur das reine Porto zu berechnen und alle weiteren Bestandteile (Verpackung etc.) in den Artikelpreis einzurechnen. Das Angebot eines kostenlosen Versands wäre eine weitere Möglichkeit, dabei werden alle anfallenden Kosten in den Produktpreis einkalkuliert. Ich bevorzuge die Verwendung von Versandkosten-Pauschalen, dabei werden alle Kosten, die mit Verpackung und Versand in Zusammenhang stehen, in diese Pauschale eingerechnet. Ich empfinde diese Variante als am transparentesten, da die Preisbestandteile der Lieferung nicht dem Produktpreis zugerechnet werden, sondern dort erhoben werden, wo sie auch tatsächlich anfallen. In der Abbildung seht ihr eine Beispiel-Berechnung für einen Großbrief. Je nachdem, ob ich im Karton oder im Umschlag versende (dies ist vom Produkt abhängig), ändert sich der Preis, daher bildet meine Pauschale einen Mittelwert aus beiden Varianten. Die Fahrtkosten zur Post habe ich mit 0,00 € angesetzt, da für mich in dieser Hinsicht keine Kosten anfallen. Entstehen bei euch jedoch Kosten (z. B. weil ihr mit dem Auto fahrt), dann solltet ihr diese Kosten ebenfalls einkalkulieren. Weiterhin ist zu erwähnen, dass auch auf Versandkosten Umsatzsteuer abgeführt werden muss (Es sei denn man hat den Kleinunternehmerstatus gemäß § 19), im Porto ist jedoch keine Umsatzsteuer enthalten, es kann daher keine Vorsteuer abgezogen werden.

berechnung_versandkostenpauschale

Zusammenfassend ist zu sagen, dass alle anfallenden Kosten in Bezug auf die Lieferung dem Kunden auferlegt werden, dies kann im Produktpreis oder in den separat aufgeführten Versandkosten geschehen.

1 Vgl. § 1  Abs. 2 PAngV.
2 Vgl. Art. 246a § 1 Abs. 1 Nr. 4 EGBGB.

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Preise richtig angeben

Basiswissen By Juli 27, 2016 Tags: , , , , , , No Comments

Für die Angabe von Preisen gibt es konkrete Vorschriften, die häufig nicht korrekt umgesetzt werden. Dies betrifft z.B. die Auszeichnung der Umsatzsteuer bzw. des Kleinunternehmerstatus, PayPal-Aufschläge, Versandkosten sowie die Grundpreisangabe. Auf die Umsetzung einiger Vorschriften haben wir beim Verkauf auf einem Portal wie DaWanda oder ebay keine Einflussmöglichkeit, da uns die technische Eingriffs-Option fehlt, wir müssen uns dann auf die korrekte Implementierung durch den Anbieter verlassen. Bei einem eigenen Online-Shop ist jedoch die Realisierung jeglicher Vorgaben zu berücksichtigen.

Die rechtlich korrekte Auszeichnung von Preisen wird in der Preisangabenverordnung (PAngV) geregelt. Die Vorschriften gelten für das Warenangebot von Gewerbetreibenden an Endverbraucher, der B2B bleibt von den Anweisungen unberührt.1 Grundvorschrift ist, dass der ausgewiesene Preis als Gesamtpreis angegeben werden muss, inklusive Umsatzsteuer und allen sonstigen Preisbestandteilen.2
Sind Kosten für den Zahlungsverkehr Bestandteil des Gesamtpreises, wie bspw. PayPal-Gebühren, so müssen diese vor Verkaufsabschluss klar ausgewiesen werden und im Gesamtpreis bereits enthalten sein. Diese Gebühren dürfen jedoch nur erhoben werden, wenn dem Kunden eine gängige und zumutbare unentgeltliche Zahlungsmöglichkeit zur Verfügung steht und der angesetzte Betrag nicht über die tatsächlichen Kosten hinausgeht.3 Bei einem eigenen Online-Shop können diese Voraussetzungen durchaus erfüllt werden, bei bspw. DaWanda hingegen ist es technisch nicht möglich, da die zusätzlich erhobenen Kosten nicht im Gesamtpreis angezeigt werden können. Das nachträgliche Hinzurechnen der Kosten im Rahmen der Verkaufsbestätigung (d.h. nachdem der Kunde den Kauf getätigt hat) ist rechtlich nicht korrekt. Des Weiteren fehlerhaft ist die Erhebung einer Pauschale, welche die entstehenden Kosten übersteigt: Wird bei einem kleinpreisigen Artikel von 1,50 € bspw. vom Käufer eine pauschale PayPal-Gebühr in Höhe von 0,50 € verlangt, so wäre dies rechtswidrig. Bei einer aktuellen tatsächlichen Gebühr von 0,35 € + 1,9  % (ausgenommen individuelle Händlerkonditionen) dürfte die angesetzte Pauschale 0,38 € nicht überschreiten. Bei eBay ist es laut AGB untersagt, die PayPal-Gebühren vom Käufer einzufordern.4 Daher ist es empfehlenswert, die entstehenden Kosten direkt in den Artikelpreis oder die Versandpauschale mit einzukalkulieren. Andere sonstige Preisbestandteile wie bspw. ein Mindermengenzuschlag, müssen ebenfalls klar ausgezeichnet und im erhobenen Gesamtpreis enthalten sein.5
Im Fernabsatzhandel muss außerdem angegeben werden, dass der Endpreis mit Hinzurechnung von Versandkosten erhoben wird (z.B. „zzgl. Versandkosten),6 dieser Hinweis sollte auf eine Versandkostenübersicht verlinken.7 Fallen keine zusätzlichen Versandkosten an, muss dies in gleicher Weise angeführt werden (z.B. „inkl. Versand“ oder „keine Versandkosten“). Ebenfalls Pflicht ist die Angabe, dass der Endpreis Umsatzsteuer enthält (z.B. „inkl. USt“). Ist im Gesamtpreis keine Umsatzsteuer enthalten, da der Gewerbetreibende gemäß Kleinunternehmerregelung keine erhebt, wird darauf hingewiesen (z.B. „USt wird nicht ausgewiesen [Kleinunternehmer, § 19 UStG]“).8 Gemäß § 5 UWG ist die Werbung mit Selbstverständlichkeiten irreführend, daher darf der Zusatz „inkl. USt“ nicht besonders hervorgehoben werden, um nicht zu suggerieren, dass bei diesem Angebot eine Besonderheit im Vergleich zu den Mitbewerbern vorherrscht.9
Auch im Offline-Handel müssen die Vorschriften der PAngV beachtet werden: Die Ware muss durch Preisschilder oder Beschriftung ausgezeichnet werden.10 Dies ist für Handmade-Verkäufer insbesondere auch bei der Präsentation der Produkte an einem Marktstand zu beachten, zusammenfassende Aufsteller oder Preislisten sind nur rechtens, wenn die Preise leicht erkennbar und eindeutig zuordenbar sind.
Wird Ware in einer anderen Einheit als der Anzahl angeboten (z.B. Gewicht, Volumen, Länge, Fläche), so muss neben dem Gesamtpreis auch der Grundpreis angegeben werden. Auf diese Angabe kann verzichtet werden, wenn Gesamtpreis und Grundpreis identisch sind.11 Als Mengeneinheit für den Grundpreis sind ein Kilogramm, ein Liter, ein Kubikmeter, ein Meter und ein Quadratmeter vorgegeben, die Auszeichnung von bspw. Stoff in Quadratzentimetern oder halben Metern wäre daher fehlerhaft. Der Grundpreis ist auch bei zusammengestellten Stoff-Sets sowie bei Bändern anzugeben, wie bspw. Washi- oder Masking-Tape, welches im Handmade-Bereich stark verbreitet ist.12 Genauso wie bei dem Hinweis auf Umsatzsteuer, muss bei der Grundpreisangabe darauf geachtet werden, dass diese nicht prominenter als der Gesamtpreis ausgezeichnet ist, da dies irreführend wäre.13

Die vollständig korrekte Preisauszeichnung für bspw. einen halben Meter Stoff im Online-Handel wäre daher:

0,5 m 6,50 € inkl. USt, zzgl. Versand
Grundpreis 13 € / m

 

1 Vgl. § 9 Abs. 1 PAngV.
2 Vgl. § 1 Abs. 1 PAngV.
3 Vgl. § 312a Abs. 4 BGB.
4 Vgl. eBay (Hrsg.), Allgemeine Geschäftsbedingungen für die Nutzung der deutschsprachigen eBay-Dienste, § 3 Abs. 10 2014. URL: http://pages.ebay.de/help/policies/user-agreement.html?rt=nc [Letzter Zugriff: 19.07.2016].
5 Vgl. OLG Hamm, Urteil vom 28.06.2012, Az. I-4 U 69/12.
6 Vgl. §1  Abs. 2 PAngV.
7 Vgl. Art. 246a § 1 Abs. 1 Nr. 4 EGBGB.
8 Vgl. OLG Hamm, Urteil vom 19.11.2013, Az. 4 U 65/13.
9 Vgl. Bundesgerichtshof, Urteil vom 15.11.1990, Az. I ZR 30/89.
10 Vgl. § 4 Abs. 1 PAngV.
11 Vgl. § 2 Abs. 1 PAngV.
12 Vgl. § 33 Abs. 1 FertigPackV.
13 Vgl. § 5 Abs. 1 UWG.

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