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Umsatzsteuer

Rechnungen schreiben

Basiswissen By August 17, 2016 Tags: , , No Comments

Besteht als Handmade-Gründer die Pflicht für jeden Verkauf eine Rechnung auszustellen und welche Angaben müssen auf der Rechnung enthalten sein? Diese Fragen werden im heutigen Beitrag behandelt.

Als Unternehmer besteht die Pflicht, innerhalb von sechs Monaten nach Leistungserbringung eine Rechnung auszustellen, sofern der Leistungsempfänger ein Unternehmer oder eine juristische Person ist.1 Ist der Leistungsempfänger ein privater Endverbraucher, so gilt diese Pflicht nicht, für eine übersichtliche Buchhaltung ist es jedoch empfehlenswert.

Zitat_Rechnungspflicht

Die Angaben, welche auf der Rechnung enthalten sein müssen, sind gesetzlich geregelt. Die Vollständigkeit der Angaben ist insbesondere für den Vorsteuerabzug entscheidend: Rechnungen mit fehlenden oder fehlerhaften Angaben werden möglicherweise nicht vom Finanzamt anerkannt und der Vorsteuerabzug wird verweigert.2

Diese Angaben müssen auf der Rechnung enthalten sein:

  1.   Name und Anschrift des leistenden Unternehmers
  2.   Name und Anschrift des Leistungsempfängers
  3.   Steuernummer oder Umsatzsteuer-Identifikationsnummer des Ausstellers
  4.   Ausstellungsdatum
  5.   Rechnungsnummer (einmalig vergeben und fortlaufend)
  6.   Menge und Bezeichnung der gelieferten Gegenstände bzw. Art und Umfang der Leistung
  7.   Termin der Lieferung oder Leistung
  8.   die ggf. nach Steuersätzen aufgeschlüsselten Netto-Beträge
  9.   Steuersatz und die jeweils darauf entfallenden Steuer-Beträge3

 

In der Abbildung seht ihr ein Beispiel, alle wichtigen Pflichtangaben sind markiert.

 

Bei Rechnungen über Kleinbeträge (≤ 150 €) müssen nur folgende Angaben auf der Rechnung enthalten sein:

  1.   Name und Anschrift des leistenden Unternehmers
  2.   Ausstellungsdatum
  3.   Menge und Bezeichnung der gelieferten Gegenstände bzw. Art und Umfang der Leistung
  4.   Bruttobetrag
  5.   Steuersatz der darin enthaltenen Umsatzsteuer4

Für Kleinunternehmer gelten die gleiche Angaben, statt dem Steuersatz und den darauf entfallenden Steuerbeträgen muss jedoch ein Hinweis auf die Kleinunternehmerregelung erfolgen, bspw.: Kein Ausweis von Umsatzsteuer, da Kleinunternehmer gemäß § 19 Abs. 1 UStG. Wird fälschlicherweise ein Umsatzsteuer-Betrag angegeben, so muss dieser auch abgeführt werden.5

1 Vgl. § 14 Abs. 2 UStG.
2 Vgl. BFH, Urteil vom 24.08.2006, Az. V R 16/05.
3 Vgl. § 14 Abs. 4 UStG.
4 Vgl. § 4 UStDV.
5 Vgl. Finanzamt Würzburg (Hrsg.), Der Kleinunternehmer o.J., S. 2.

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Geschäftskonto

Erste Schritte By August 10, 2016 Tags: , , No Comments

Wenn sich Existenzgründer bei anderen Gründern über notwendige Gründungsformalitäten informieren, wird immer wieder zu einem Geschäftskonto geraten. Doch ist ein separates Konto fürs Geschäftliche eigentlich vorgeschrieben und worauf sollte man bei der Wahl einer geeigneten Bank achten?

Anders als Kapitalgesellschaften,1 sind Einzelunternehmen und Freiberufler nicht dazu verpflichtet, ein Geschäftskonto für den Zahlungsverkehr zu nutzen, es gibt keinerlei gesetzliche Vorschrift diesbezüglich. Bei einigen Banken wird die geschäftliche Nutzung eines privaten Girokontos jedoch in den AGB ausgeschlossen. Solange die Bank nichts dagegen hat, kann also durchaus ein normales Girokonto für den Geschäftsverkehr genutzt werden. Dafür sprechen die deutlich höheren Gebühren bei einem Geschäftskonto: Zusätzlich zu einer monatlichen Grundgebühr von durchschnittlich 5 € bis 15 € werden Gebühren je Buchung von 0,05 € bis 0,75 € erhoben.2 Je nach Anzahl der Buchungen kann dies eine enorme Kostenbelastung bedeuten. Bei einem privaten Girokonto fällt meist nur eine geringe monatliche Grundgebühr an. Ein Geschäftskonto bietet natürlich auch Vorteile, so ist nur bei diesem die Möglichkeit des Lastschrifteinzugs vom Kunden gegeben. Auch die Trennung zwischen privatem und geschäftlichem Konto ist ein wichtiger Aspekt, den insbesondere Existenzgründer in Betracht ziehen sollten. Eine strikte Trennung erleichtert den Überblick und die Buchführung und falls es zu einer Überprüfung durch das Finanzamt kommt, muss nicht der private Zahlungsverkehr offengelegt werden. Diese Trennung wäre natürlich auch durch zwei private Konten gegeben.
Bei der Wahl des optimalen Finanzdienstleisters sollten neben den Kosten noch andere Aspekte in Betracht gezogen werden: Wird ein persönlicher Ansprechpartner benötigt? Sind Bareinzahlungen möglich? Besteht die Möglichkeit zum Lastschrifteinzug? Wird Wert auf Nachhaltigkeit und Transparenz gelegt, so könnte die Ethikbank die richtige Wahl sein. Reine Online-Banken wie die Fidorbank, die Netbank oder die DAB Bank sind sehr kostengünstig, es fehlt jedoch der persönliche Ansprechpartner und Bareinzahlungen sind zumeist nicht möglich.3
Steuerlich abgesetzt werden können Kontoführungsgebühren als „Nebenkosten des Geldverkehrs“, unabhängig davon, ob ein Geschäftskonto oder ein privates Girokonto genutzt wird. Wird jedoch nur ein Konto für private und geschäftliche Zahlungen genutzt, können die Kosten nur anteilig abgesetzt werden.4 Der Kontoauszug fungiert hierbei als Rechnung.5

1 Kapitalgesellschaften müssen ins Handelsregister eingetragen werden, wobei ein Konto angegeben werden muss, auf welchem die Kapitaleinlage hinterlegt ist. Dieses Konto muss auf den Namen der Gesellschaft geführt werden, was nur bei einem Geschäftskonto möglich ist.
2 Vgl. Finanzchef24.de (Hrsg.), Geschäftskonten – Grobvergleich 2015.
3 Bei der DAB bspw. nur in einer Filiale in München.
4 Vgl. § 4 Abs. 4 EStG.
5 Vgl. Bundesministerium für Finanzen (Hrsg.) (2007), § 14 Umsatzsteuergesetz – Kontoauszüge als Rechnung, Az. IV A 5 – S 7280/ 07/0001.

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Preise richtig angeben

Basiswissen By Juli 27, 2016 Tags: , , , , , , No Comments

Für die Angabe von Preisen gibt es konkrete Vorschriften, die häufig nicht korrekt umgesetzt werden. Dies betrifft z.B. die Auszeichnung der Umsatzsteuer bzw. des Kleinunternehmerstatus, PayPal-Aufschläge, Versandkosten sowie die Grundpreisangabe. Auf die Umsetzung einiger Vorschriften haben wir beim Verkauf auf einem Portal wie DaWanda oder ebay keine Einflussmöglichkeit, da uns die technische Eingriffs-Option fehlt, wir müssen uns dann auf die korrekte Implementierung durch den Anbieter verlassen. Bei einem eigenen Online-Shop ist jedoch die Realisierung jeglicher Vorgaben zu berücksichtigen.

Die rechtlich korrekte Auszeichnung von Preisen wird in der Preisangabenverordnung (PAngV) geregelt. Die Vorschriften gelten für das Warenangebot von Gewerbetreibenden an Endverbraucher, der B2B bleibt von den Anweisungen unberührt.1 Grundvorschrift ist, dass der ausgewiesene Preis als Gesamtpreis angegeben werden muss, inklusive Umsatzsteuer und allen sonstigen Preisbestandteilen.2
Sind Kosten für den Zahlungsverkehr Bestandteil des Gesamtpreises, wie bspw. PayPal-Gebühren, so müssen diese vor Verkaufsabschluss klar ausgewiesen werden und im Gesamtpreis bereits enthalten sein. Diese Gebühren dürfen jedoch nur erhoben werden, wenn dem Kunden eine gängige und zumutbare unentgeltliche Zahlungsmöglichkeit zur Verfügung steht und der angesetzte Betrag nicht über die tatsächlichen Kosten hinausgeht.3 Bei einem eigenen Online-Shop können diese Voraussetzungen durchaus erfüllt werden, bei bspw. DaWanda hingegen ist es technisch nicht möglich, da die zusätzlich erhobenen Kosten nicht im Gesamtpreis angezeigt werden können. Das nachträgliche Hinzurechnen der Kosten im Rahmen der Verkaufsbestätigung (d.h. nachdem der Kunde den Kauf getätigt hat) ist rechtlich nicht korrekt. Des Weiteren fehlerhaft ist die Erhebung einer Pauschale, welche die entstehenden Kosten übersteigt: Wird bei einem kleinpreisigen Artikel von 1,50 € bspw. vom Käufer eine pauschale PayPal-Gebühr in Höhe von 0,50 € verlangt, so wäre dies rechtswidrig. Bei einer aktuellen tatsächlichen Gebühr von 0,35 € + 1,9  % (ausgenommen individuelle Händlerkonditionen) dürfte die angesetzte Pauschale 0,38 € nicht überschreiten. Bei eBay ist es laut AGB untersagt, die PayPal-Gebühren vom Käufer einzufordern.4 Daher ist es empfehlenswert, die entstehenden Kosten direkt in den Artikelpreis oder die Versandpauschale mit einzukalkulieren. Andere sonstige Preisbestandteile wie bspw. ein Mindermengenzuschlag, müssen ebenfalls klar ausgezeichnet und im erhobenen Gesamtpreis enthalten sein.5
Im Fernabsatzhandel muss außerdem angegeben werden, dass der Endpreis mit Hinzurechnung von Versandkosten erhoben wird (z.B. „zzgl. Versandkosten),6 dieser Hinweis sollte auf eine Versandkostenübersicht verlinken.7 Fallen keine zusätzlichen Versandkosten an, muss dies in gleicher Weise angeführt werden (z.B. „inkl. Versand“ oder „keine Versandkosten“). Ebenfalls Pflicht ist die Angabe, dass der Endpreis Umsatzsteuer enthält (z.B. „inkl. USt“). Ist im Gesamtpreis keine Umsatzsteuer enthalten, da der Gewerbetreibende gemäß Kleinunternehmerregelung keine erhebt, wird darauf hingewiesen (z.B. „USt wird nicht ausgewiesen [Kleinunternehmer, § 19 UStG]“).8 Gemäß § 5 UWG ist die Werbung mit Selbstverständlichkeiten irreführend, daher darf der Zusatz „inkl. USt“ nicht besonders hervorgehoben werden, um nicht zu suggerieren, dass bei diesem Angebot eine Besonderheit im Vergleich zu den Mitbewerbern vorherrscht.9
Auch im Offline-Handel müssen die Vorschriften der PAngV beachtet werden: Die Ware muss durch Preisschilder oder Beschriftung ausgezeichnet werden.10 Dies ist für Handmade-Verkäufer insbesondere auch bei der Präsentation der Produkte an einem Marktstand zu beachten, zusammenfassende Aufsteller oder Preislisten sind nur rechtens, wenn die Preise leicht erkennbar und eindeutig zuordenbar sind.
Wird Ware in einer anderen Einheit als der Anzahl angeboten (z.B. Gewicht, Volumen, Länge, Fläche), so muss neben dem Gesamtpreis auch der Grundpreis angegeben werden. Auf diese Angabe kann verzichtet werden, wenn Gesamtpreis und Grundpreis identisch sind.11 Als Mengeneinheit für den Grundpreis sind ein Kilogramm, ein Liter, ein Kubikmeter, ein Meter und ein Quadratmeter vorgegeben, die Auszeichnung von bspw. Stoff in Quadratzentimetern oder halben Metern wäre daher fehlerhaft. Der Grundpreis ist auch bei zusammengestellten Stoff-Sets sowie bei Bändern anzugeben, wie bspw. Washi- oder Masking-Tape, welches im Handmade-Bereich stark verbreitet ist.12 Genauso wie bei dem Hinweis auf Umsatzsteuer, muss bei der Grundpreisangabe darauf geachtet werden, dass diese nicht prominenter als der Gesamtpreis ausgezeichnet ist, da dies irreführend wäre.13

Die vollständig korrekte Preisauszeichnung für bspw. einen halben Meter Stoff im Online-Handel wäre daher:

0,5 m 6,50 € inkl. USt, zzgl. Versand
Grundpreis 13 € / m

 

1 Vgl. § 9 Abs. 1 PAngV.
2 Vgl. § 1 Abs. 1 PAngV.
3 Vgl. § 312a Abs. 4 BGB.
4 Vgl. eBay (Hrsg.), Allgemeine Geschäftsbedingungen für die Nutzung der deutschsprachigen eBay-Dienste, § 3 Abs. 10 2014. URL: http://pages.ebay.de/help/policies/user-agreement.html?rt=nc [Letzter Zugriff: 19.07.2016].
5 Vgl. OLG Hamm, Urteil vom 28.06.2012, Az. I-4 U 69/12.
6 Vgl. §1  Abs. 2 PAngV.
7 Vgl. Art. 246a § 1 Abs. 1 Nr. 4 EGBGB.
8 Vgl. OLG Hamm, Urteil vom 19.11.2013, Az. 4 U 65/13.
9 Vgl. Bundesgerichtshof, Urteil vom 15.11.1990, Az. I ZR 30/89.
10 Vgl. § 4 Abs. 1 PAngV.
11 Vgl. § 2 Abs. 1 PAngV.
12 Vgl. § 33 Abs. 1 FertigPackV.
13 Vgl. § 5 Abs. 1 UWG.

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